Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Westfalen

hielt damals 72sDN. mit 134,715 Einlv. in 18 Ämtern, 25 Städten, 539Markkfl. und Dörfern. —2) Der westfälische Kreis begriff nicht bloß dasLand zwischen Weser , Rhein undEms, sondern auch ansehnliche Landesbezirke jen-seits des Rheins, aber das eigentliche Herzogthum Westfalen ward, aksZubehör vonKöln, zum kurrheinischen Kreise gerechnet. Seiner am Rhein gelegenen Zubehö-rungen wegen führkeer kanzleimäßig auch den Namen des niederrheinisch-westfäli-schen Kreises. Er gehörte zu den größer,, Kreisen des deutschen Reiches und zählteunter seine Mitglieder: die Bischöfe von Münster, Paderborn, Osnabrück, Lüttich und Korvey, die Herzoge von Zülich, Kleve, Berg und Oldenburg , die Fürsten vonMinden, Verben u. Ostfriesland , die G^fen von Ravensberg.Mark. Hoya, Diep-holz. Schauniburg, Lippe, Bentheim,Tck!enburg, Lingen , Steinfuri, Rietberg, undviele kleinere geistliche und weltliche Herrschaften. — 3) Das Königreich West-falen , 692s^M„ 1,916,313Einw., errichtet am 15.Nov. 1807. Der Friede zuTilsit halte Napoleon zum Herrn aller preuß.Staaten bis zurElbe gemacht, sowieer die Länder der Kurfürsten von Hessen und Hanover und des Herzogs von Braun-schweig besetzt hielt und sich durch das Recht der Waffen zueignete. Noch lag es nichtin seiner Absicht, dieGrenzm desKaiserreicheS über denRhein zu erweitern; es ge-fiel ihn, daher, aus einem Theile dieser Länder einen Filialstaat seinesReicheS zu bil-den; so entstand das Königreich Westfalen , welches mit den braunschweig-wolfen-büktelsche», den knrhessischen Ländern, mitAuSiiahme vonHanau und Kaßenelnbo-gen, mit den preuß. Provinzen Magdeburg und Altmark diesseits der Elbe, Halber«siadt mit Hvhnstein. Hildesheint mit Goslar, ManSfeld, Quedlinburg, Eichsfeld mit Treffurt, Vfühlhausen und Nordhaufen, Skolberg-Wernigerode, Paderborn ,Minden und Ravensberg, den hanöverischen Provinzen Göttingen , Grubenhagenmit Hohnstem und Elbingcrode, und Osnabrück, dem nassau-oranischen Fürsten -thume Korvey und der Grafschaft Rietberg ausgestattet wurde. Napoleon gab ihmin seinem Bruder Hieronymus, einem 2ljährigen Jüngling, seinen ersten Beherr-scher, und eine Verfaffunz, die, zwar ganz der französischen nachgebildet und alle alteFormen über den Haufen werfend, doch das Glück der Unterthanen hätte begründenköiinen, wenn man sich fest auf sie gestützt hätte. Hieronymus erschien am 7. Dec.in seiner Residenz Kassel , und trat die Regierung des Reiches, aber leider nicht alsKönig, sondern, wie man nur zu bald kennen lernte, gleichsam als bloßer franz. Prü-ftet an. Die Lage des neuen Königreichs war nichts weniger als glänzend; alleProvinzen, woraus es zusammengesetzt wurde, waren durch das methodische Plün-derunqssvstem der Franzosen mehr oder weniger ausgesogen, und manche ganz er-schöpft; dazukam, daß der Kaiser sich zur Belohnung seiner Krieger die Hälfte allerDomainen vorbehalten, daß er die Haltung einer Besatzung von 12,500 Mann inMagdeburg ausbedungeu hatte, die Westfalen nicht allein beköstigen, sondern auchbesolde» und kleiden mußte, und daß außerdem noch die bedeutenden Reste der deneinzelnen Provinzen aufgelegten Kriegssteuer an Frankreich bezahlt werden sollten.Es konnte daher nichtsehlen, daß sogleich die Finanzen i» die größte Verlegenheit ge-rathen mußten, besonders da alle Cassen leer waren, Alles neu geschaffen, und über-dies eine Armee neu gebildet werden sollte. Es war ein Glück für das Land, daßgleich anfangs an seine Spitze die ausgezeichnetsten Köpfe Westfalens traten und Ge-wicht genug bekamen, um den unerfahrenen Monarchen zu leiten. Trotz der unge-heuernVerluste, welche die Provinzen erfahren hakten, und trotz der unermeßlichenGeldbedürfnisse, die schnell herbeigeschafft werden mußten, sah man sich doch imStande, eine ziemliche Einrichtung treffen und in kurzer Zeit ein Heer von 16,000M. aufstellen zu können. Die neuen Formen, die in allen Provinzen eingeführtwurden, der neue Rechtsgang, den die franz. Gesetzbücher bewirkten, und überhauptalle die Neuerungen, die man mit der neuen Regierung bekam waren zwar nicht ge-eignet, ihren Credit bei dem Volke zu gründen, doch gewöhnte man sich bald daran,