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Zwölfter Band. W bis Z.
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Westgothen

strengte ihren Kunstfleiß und ihre Kraft fast nur dazu an, um für einige hundertHofhaltungen, Gesandtschaftscorps und größere oder kleinere Kriegsheere die Kostenzu erschwingen. Kein Volk in Europa trägt jetzt diese dreifache Last. Und mit demAllen erlangte die deutsche Nation weder Achtung noch Sicherheit vor dem Aus-lande, sondern die meisten europäischen Kriege wurden auf ihrem Grund und Bo-den, mit ihrem Blute und auf ihre Kosten ausgefochtcn. Auch als der Schutz desProtestantismus kann der westfälische Friede nicht angesehen werden. Vielmehrverlor derselbe in den Friedensunterhandlunocn zum Theil wieder, was ihm dieWaffen schon erkämpft hatten. Er konnte nun sich nicht weiter im Reiche ausbrei-ten, und die aus den östr. Erblonden vertriebenen, ihrer Güter beraubten Prote-stanten erhielten nicht einmal die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, geschweigeEntschädigung. Nach Schmidt („Geschichte der Deutschen ") ist es nicht unwahr-scheinlich, daß Christine von Schweden durch eine Summe von 600,600 Thlrn. sichbewegen ließ, von ihren Folgerungen für jene Unglücklichen abzustehen. Allerdingsstellte der westfälische Friede viele Entschädigungsmütel auf, aber nur zu Gunstender Fürsten , und auch dies aufKosten der schwächer». Er bat im Reiche das ari-stokratische Princip aufKosten des monarchischen recht eigentlich entwickelt. Unstrei-tig war der Friede für das Haus Östreich sehr nachtheilig; dieses ward aus dem Her-zen des Reichs aufseine Ei bstaaten zurückgedrängt, während Frankreich und Schwe-den in jenem Platz faßten. Allein bei diesem Vortheil, den die fremden Mächte er-langten, verlor am meisten das Reich der deutschen Nation. Darf man aber deß-halb die deutschen Staatsmänner anklagen, die den Frieden mit abschlössen? Aufkeinen Fall. Sie konnten jetzt nicht umschaffen, was frühere Jahrhunderte, vor-züglich die Umgriffe der Feudalmacht und der Hierarchie, im deutschen Reichshaus-halte verdorben hatten. Der westfälische Friede war das endliche Ergebniß von tau-send unglücklichen Begebenheiten, die ungeschehen oder folgenlos tu macben in kei-nes Menschen Gewalt stand. Endlich darf dieser Friede nicht als das Werk deutscherStaatskunst angesehen werden; er war das Werk europäischer — französisch-schwc-disch-ösireichischer — StaatSkunsi. Daß er aber dieses war, davon fällt die Schuldauf die Uneinigkeit der deutschen Fürsten unter sich und auf die Gleichgültigkeit dermeisten gegen die allgemeine Volksehre und Nationalwchlfahit. Ix.

Westgothen. Der mächtige Völkerverein der Gothen (s. d.) war schonfrüh geographisch in -Ostgotben, die an, Pontus ihre Sitze hatten, und in West-gvlhen ((Vl.-ichniln), die in Docien wohnten, getrennt; um die Mitte des 4. Jahrh,hatten sich beide Völker auch in 2 politisch geschiedene Massen getheilt. Als diedurch diese Trennung geschwächt,n Dstgoihen den Hunnen erlagen, flüchteten sichdie Westgothen in die Gebirge und erlangten darauf von den Römern Sitze im ver-ödeten Thränen. Die Stellung der Völker gegen einander wurde durch dieses Er-eigniß wesentlich verändert. Unter dem Namen der Verbündeten bildeten kieGo-lhen einen Haupttheil des römischen Heeres, hielten aber nur Frieden, solangeman die ihnen gegebenen Versprechungen erfüllte. Kaum aber war Theodosius gestorben, und das Römerreich in 2 Hälften zerfallen, als die Westgothen unterAlarich gegen Italien losbrachen. In dem nach kurzem Frieden mit dem abend-ländischen Kaiser erneuerten Kriege fiel Rom (410) in die Gewalt der Westgothen.Alarich würde, hätte der Tod ihn nicht übereilt, als er eben Afrika erobern ivollte,ein germanisches Reich in Italien gestiftet haben. Sei» Schwager Athaulf , deran die Spitze des Volks kam , gab Alarichs Entwürfe auf und wandte sich nachGallien, um sich diesseits und jenseits der Pyrenäen neue Sitze zu erkämpfen. Erkam bis Barcelona , wo er 415 ermordet ward, seine Nachfolger aber gründetenin stetem Kampfe mit früher eingewanderten Völker» und mit Römern das west-gothische Reich in Südfronkreich und Spanien . Die unnatürliche Ausdehnungdieses Reichs diesseits der Pvrenäen, wo sogar die Hauptstadt und der Sitz desKönigs, Toulouse , lag, während auf der prrc'-äischen Halbinsel die Sueven ihre