Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Westgothen

Herrschaft ihrer Kirche unerschütterlich zu machen. Die Großen des Reichs, dieweltlichen Wtaatsdiener und Hcfbeamten (,iii illustre oliiei, palaiiui genannt),die eine Art von Adel bildeten und als des Königs verfassungsmäßige Ralhgeberdie Rechte der Volksvertreter an sich brachten, blieben nicht mehr der erste Standim Staate; die alte Ordnung der Königswahl, wobei jene die Entscheidung ge-habt halten, wurde zum Vortheil der Bischöfe verändert, und unter schwachen Kö-nigen, die oft durch Priesterränke zur Krone gelangten oder die Billigung undLos-sprechung der Geistlichen wegen eigenmächtiger Thronbesteigung.oter verletzter Eideerflehten, mußte es Jenen leicht werden, sich früh an die Spitze des Staats zu stel-len und alle öffentliche Lasten von sich abzuwälzen. Dieser vorherrschende Einflußwar besonders auf den Kü chenversammlungen sichtbar/welche in frühern Zeiten bloßGegenstände des Glaubens und derKirchenzuchl verhandelt hatten, aber gleich nachdem Übertritte des Staatsoberhauptes anfingen, mit geistlichen Geschäften auch wich-tige politische Angelegenheiten zu verbinden. Als die Geistlichen einmal ihren Ein-fluß auf Staatsangelegenheiten gesichert hatten, konnten sie es unbedenklich gestat-ten, daß auch weltliche Große, die mit dem Könige in die Versammlungen kamen,an den Berathungen Theil nahmen, um so mehr, da sie immer gewiß sei» konnten,die weltlichen zu überstimmen, und schon 633 die Verfügung gemacht wurde, daßnur diejenigen weltlichen Großen Zutritt zur Versammlung erhalten sollten, die nachdein Ausspruche der Bischöfe desselben würdig wären. Die innern Unruhen, welchedie Übermacht der Geistlichkeit herbeiführte oder begünstigte, erleichterten die Erobe-rung des Landes durch die Araber, deren Niederlassung aus der Nordküste von Afrika dem westgothischen Reiche bald unmittelbare Gefahr drohte. Ldchon um 675 be-gannen die Versuche der Mohammedaner, sich in Spanien anzusiedeln, welche durchdie innern Parteiungen, die das westgothische Reich zerrütteten, begünstigt wurden.Neue Parteikämpfe gaben ihnen endlich, als der schwache Roderich auf dem Thronesaß, Gelegenheit, ihren alten Entwurf auszuführen. Die Gothen wurden 7l l beiMres te laFrontera geschlagen, der König verlor das Leben, und die Araber vei brei-teten sich über den größten Theil des Landes. (Vgl. Spanien .) Die Überreste derstreitbaren Gothen, die sich nach dem Unisturze des Reichs in die Gebirge von Astu-rien und Galioten geflüchtet hatten, gründeten hier neue Reiche, wo die wesigolhi-schen Staatseinrichtungen zum Theil beibehalten wurden, und ausweichen sich end-lich, als die Abkömmlinge der Goihen, aus ihren >L:chutzwehrcn hervorbrechend,den maurischen Ansiedlern einen Landstrich nach dem andern entrissen, die ReicheSpanien und Portugal bildeten. Am längsten blieben die Spuren wcstgoihischerStaatseinrichtungen in den Gesetzen zurück, da die Christen, als sie aus den Ge-birgen wieder hei vorkamen, auch ihre alte» Rechte mitbrachten. Die älüste Samm-lung spanischer Gesetze, das I uci» >»/g<> oder korum j»>Iieun>. ist aus den altenwestgothischen Gesetzen geschöpft, und sowol in dem noch gültigen castilsschen als demkatalanischen Landrechte ist Vieles daraus beibehalten worden. — Auch der west-gothische Kirchenbrauch. der auf der Kii chenversammlung zu Toledo 633 einge-führt wurde, um in allen Kirchen einerlei Gottesdienst einzuführen, überlebte langeden Untergang des westgothischen Reichs. Dieses sogen.! Mlolnio pntliioum, dasviele Gebräuche und Formeln einhielt, die in der spanischen Kirche seit den ältestenZeiten der Christenheit üblich gewesen waren, erhielt sich trotz aller Versuche derPäpste, den römischen Kircheugebrauch einzuführen, und es entstanden so lebhafteZwistigkeiten darüber, daß man den Streit der beiden Kirchengebräuche durch Zwei-kampf und Feuerprobe ausmachen wollte. Als endlich der römische Brauch auchin Castilien , wie früher in Aragon, war eingeführt worden, behielten doch mehreKirchen in Toledo die alte Sitte bei. Die unter der Herrschaft der Araber leben-den spanischen Christen, die sogen, öln/aiaboü. hielten noch länger an dem gothi-schen Kirchcnbrauche fest, den man daher auch vklloinui >,i»?-,,abi<>i», nannte.Der Cardinal AimencS ließ das Missal und Brevier dieser Liturgie drucken. —