Wetter 248
Zhres Gewissens halten würden, wenn Sw einem Manne, der den Meuchelmord un-ter Bedingungen und Voraussetzungen für gerechtferiigr holte, den Unterricht derZeigend noch ferner anvertrauen wollten, und es werde ihm hiermit seine Entlassungvon seinem Lehramts angekündigt". — Der akademische Senat selbst verwendetesich noch einmal für den Beschuldigten, und versuchte es, das verhä,ignißvolle schrei-ben i» ein milderes Licht zu stellen, empfing aber eine nachdrückliche Zurechtweisung.DeW. meldete s.Abgang vonBerli» i» ehrerbietigen und sehr würdigen Schreibenan Se. Mas. den König, den Minister v. Alkenstein und den akademischen Senat,welcher letztere ihm eine sehr ehrenvolle Antwort ertheilte. Die von, Ministeriumihm angetragene Auszahlung eines O.uartalgehaltS von 315 Thlr. lehnte er abermit Freimüthigkeit und Ernst ab und zog sich in sein Vaterland zurück, ohne diemindeste Aussicht, irgendwo — als ein Vertheidiger des Meuchelmordes — eineöffentliche Anstellung finden zu können, (s. „Actensammlung über die Entlassungdes Pros. de W.vom theolog. Lehramts in Berlin ; von ihm selbst herausgegeben",Leipz. 1820.) Sein hartes Schicksal hakte ihm jedoch die aufrichtige Theilnahmeseiner Mitbürger und Zeitgenossen in allen Gegenden Deutschlands erworben, under empfing davon in Weimar , wo er nunmehr privatisiere, vielfältige Beweise.Während seines dasigen Aufenthaltes vollendete er die Herausgabe s.„S>iktenlehre",bereitetee. kritischeAuSg.dersänuml.Werke Luther'svor (derl. Thl., diesämmtl.Briefe Lukher'S, Berlin 1825), und schrieb das vielgelesene Werk: „Theodor, oderdie Weihe des Zweiflers" (Berlin 1822), welches im Gewände einer Biographieauf eine anziehende und geistreiche Weise und in einer blühenden Sprache seine da-maligen Ansichten von den wichtigsten Gegenständen der Dogmatik, Moral, Ästhetikund Pastoraltheologie darlegt und, in dieserZeit geschrieben, einenherrlichenBeweiSvon der Erhebung seiner Seele über die Härte seines Geschickes liefert. Zu derselbenZeit regte sich aber auch in ihm mit großer Lebhaftigkeit der Wunsch, im Prediger-berufe einen künftigen Wirkungskreis zu finden. Er betrat daher an mehre» Ortenseines Geburtslandes die Kanzel und machte einige s. Vortrage durch den Druck be-kannt. Dadurch ward die Gemeinde der KatharinenkirchezuBraunschweig veran-laßt, ihn zur Mitbewerbung um die bei ihr erledigte zweite Predigerstelle einzuladen.Er folgte der Einladung, hielt, auf die feierlichste Weise empfangen, eine Gastpre-digt am 23. Trin. 1821 und ward mit völligerStimnieneinheit erwählt. Allein dievormundschaftliche Landesregierung versagte der Wahl ihre Bestätigung, ja sogarder Landesherr selbst, bis zu dessen Regierungsantritt die anderweitige Wahl verzö-gert worden war, konnte nicht bewogen werden, siezu gewähren, obgleich 3 aufVer-anlassung der Gemeinde von den theolog. und Philosoph. Fakultäten zu Jena undLeipzig ergangene Gutachten einstimmig erklärt hatten, daß der I>. de W. durch s.Brief anSand's Mutter derDerwaltung eines geistlichen Llnitessich durchaus nichtunwürdig gemacht habe. Und so folgte denn de W. einem unterdessen an ihn ergan-genen ehrenvollen Rufe zu einem theologischen Lehramts an der Universität zu Basel ,wohin er imFrühlinge 1822 abging, ungeachtet ihm dieGemeinde in Braunschweig jährlich 800 Thlr. Wartegeld auf 2 Jahre zusicherte, wenn er diesen Ruf ablehnenwollte. (S.„Beiträge zur neuesten Gesch. des Protest. inDeutschland, von Ventu-rini", Lpz. 1822.) Durch seine Vorlesungen und Predigten erwarb er sich in kurierZeit die allgemeinste Achtung unter s. neuen Mitbürgern. Davon zeugte unter An-dern! die Theilnahme an s. „Voi les, über die Sitkenlehre" (Berlin 1823, 2 Bde.),welche für ein gemischtes Publicum gehalten wurden, bei denen selbst Frauen unterden Zuhörern sich einfanden. 1823 ernannte ihn der große Rath zum Mttgl. desErziehungsrathes lind beschenkte ihn mit dem Bürgerrechte derStadt Basel . Rochsind von ihm erschienen: „Predigten" (1828—21) und „Vorlesungen üb. die Religion, ihr Wesen, ihre Erscheinungsformen" (Berlin 1821).
Wetter, der verschiedene Zustand derAtmosphärerücksichtlich ihrer Wärme,