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Zwölfter Band. W bis Z.
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Wetzstein Wezcl

Eine Bibel und ein altes Gesangbuch machten s. ganze Bibliothek aus. Seine mitwahrhaft Shakspeare'-schem Geiste ausgeführte „Jeanne d'Arc " (Leipz. u. Altenb.1817) hat bei Vielen die Anerkennung gefunden, daß sie, was die Anlage und sce-nische Behandlung betrifft, besonders auch wegen der viel größern Treue, mit wel-cher sie der Geschichte folgt, ihrer großen Vorgängerin, der Schiller'schen „Jung-frau von Drkeans", nicht unwürdig sei. Sein „Hermannfried, letzter König vonThüringen ", Trauerspiel, gehört zu den originellsten Prokuctionen der neuern Mel-pomene. Die „Schriftproben" (Bamb. 1814—18, 2 Bdchn.) enthalten originelleund kräftige Gedichte, u. A. auch Bearbeitungen einiger Stoffe der Edda. Es istzu bedauern, daß die darin angekündigte ausführlichere Bearbeitung der nordischenSagenwelt nicht erscheinen konnte. Hätte man s. humoristischen Schriften, nament-lich „Rhinoceros" (Nürnb. 1810) und s. „Prolog zum großen Magen", aus demgemüthlichen Standpunkt aufgefaßt, auf welchem unsern mit wahrhaft Aristopha-nischem Witze begabten Verf. s. Freunde sahen, so würde man sie milder beurtheilthaben. Seine „Kriegslieder" und s. poetischen Gaben in mehren beliebten Almana-chen beurkunden W.'s reine, schönechoet. Natur, die sich auch in s. anonym erschie-nenen Schriften, z. B. „Sieg über die Hypochondrie", „Briefe über das Brown'-sche System" u. s. w., nicht ganz verläugnen konnte. Seinen Freunden wird dergemüthliche, geistvolle, nie auf den rechten Schauplatz seiner Thätigkeit gestellte,immer aber s. Umgebungen freundlich gestaltende »Länger unvergeßlich sein.

Wetzstein. Viele Steinarten von feinem Korn sind zum Wetzen undSchleifen von Messern und andern Schneidewerkzeugen tauglich, vornehmlichaber eine Lchiefergattung von splitterigem Bruch, halbharter Substanz und grün-licher oder gelblichgrauer Farbe, an den Rändern ein wenig durchscheinend. DiesenWetzschiefer findet man auch m Deutschland , aber von vorzüglicher Feinheit liefertihn die Levante. Größe, Form und Feinheit sind nach den Werkzeugen verschie-den, die darauf geschliffen werden sollen.

Weyde (Rogier oder Roger von der), ein alter niederländischer Maler, wel-cher, von Brüssel gebürtig, um 1500 blühte. Seine Bilder sind durch Kraft undAusdruck ausgezeichnet. Er malte auch Portraits und starb an einer Epidemie1529. In dem Rathhaussaale zu Brüssel finden sich 4 Hauptbilder von ihm,worunter das eine von dem erschütterndsten Ausdrucke sein soll. Es stellt dar einensterbenden Greis, der seinen verbrecherischen Sohn zum letzten Mal umarmt undihn zugleich der Strafe bingibt. Vielleicht ist auch die Anbetung derKönige in derwiener Galerie diesem Roger ungehörig.

Wezel (Johann Karl), geb. am 31. Oct. 1747 zu Sondershausen , starbdaselbst, nachdem er 34 I. lang des Gebrauchess. Verstandes beraubt gewesen war,am 28. Jan. 1819. Nach s. Schul - und akademischen Studien hielt er sich eineZeit lang in Berlin als Hauslehrer, dann bald in Leipzig, bald in Wien , bald wie-der in Leivzig auf, und beschäftigte sich, als Privatgelehrter, bloß mit Schrift-stellerei. Er war einer der fruchtbarsten Romanschreiber und Lustspieldichter; undobgleich mehre s. Arbeiten das Gepräge der Eile, mit welcher sie verfaßt wurden,an sich tragen, und einzelne Partien oft zu gedehnt durchgeführt sind, so vermißtman doch in denselben weder Gewandtheit des Geistes, noch lebhafte Phantasie,Witz, Laune und treue Schilderung. Sein „Versuch über die Kenntniß des Men-schen" (Lpz. 1781—85, 2 Bde.) zeugt von Welt- und Menscbenkenntniß. SeineRomane: „LebenSgesch. Tobias Knaut's des Weisen" (Lpz. 1774—75, 4 Bde.);„Belphagor" (1776, 2 Bde.); „Ehestandsgeschichte des Philipp Peter Marks"(1779); „Kackelach, oder Geschichte einesRosenkreuzerS"; „Hermann u. Ulrike"(1780, 4 Bde.); „Wilhelmine Arend, oder die Gefahren der Empfindsamkeit"(1781, 2 Bde.); „Prinz Edmund" (1785); „Satyrische Erzählungen" (1777— 78, 2 Bde.) u. a. fanden zum Theil bei den Zeitgenossen eine freundliche Auf-nahme, machten aber nur ein vorübergehendes Glück. Seine „Lustspiele" (1778