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Wieland
erhielt von s. Vater. Pfarrer daselbst, der später nach Biberach versetzt und endlichSenior wurde, einem trefflichen Kenner der alten sprachen, eine sorgfältige Er-ziehung und den ersten Grund s. Wissenschaft!. Bildung. Die Schule der Vater-stadt forderte ihn daneben in der lar., griech.und hebr. Sprache. Die ungewöhn-liche Entwickelung des höchst empfängliche» Knaben erregte schon früh Aufmerk-samkeit. Im 12. I. versuchte er bereits s. poetisches Talent, bald in lau, bald indeutschen Versen; er unternahm sogar, die Zerstörung Jerusalems , zu besingen,kam aber bald davon ab, ohne eine Probe der unzweckmäßigen Anstrengung übrig-zulassen. Die ersten Lebensjahre, wo sich gemeiniglich Das ausbildet, was manden Ton des Lebens »ei nen könnte, verflossen W. sehr heiter. Auch seine äußernUmgebungen stimmten s. Gemüth zu sanfter, liebender Empfindung, und brachtenetwas Idyllisches in dasselbe. Im 1-1. I. kam er auf die Schule zu Klosterbergenbei Magdeburg , welche damals eines ausgezeichneten Rufes genoß. Hier drang ertiefer in den Geist der Alken ein und deutete lernend, lesend, hervorbringend die er-sten Grundlinien seiner spätern schriftstellerischen Eigenthümlichkeit an. Die Gra-zien blieben s. Begleiterinnen. er mochte dichten oder philosophiren, scherzen oderernst sprechen, loben oder tadeln, klagen oder sich freuen. Unter den Griechen wurdeTenophon s. Liebling, der ihn besonders durch die „Denkwürdigkeiten des Sokra-teS" und die „Cyropädie" lebhaft anzog. Eine reizende Episode des letzter» Werks,die Liebe zwischen Araspes und Pankhea, hat er später nach s. Weise dargestellt.Die kleinen Philosoph. Schriften Cicero's las er gleichfalls mit vieler Theilnahme.Die Werke der Engländer Eteele und Addison regten ihn um dieselbe Zeit, so man-gelhaft sie auch ins Deutsche übersetzt wurde», vielfältig zur Selbstthätigkeit auf.Noch tiefer empfand er, wegen der natürlichen Geistesverwandtschaft, den beleben-den Einfluß Shaftesburv's, dessen menschenfreuud liehe praktische Weisheit, ge-schmückt mit edler Klaiheit und Anmuth, ihn erst zu liebevollerBewunderung undspäter zu Nachahmung reizte. Nebenbei bewahrten Voltaire, d'Argens und andrefranz. Schriftsteller vor gefährlicher Einseitigkeit und Schwärmerei. Als löjähr.Jüngling verließ er Klosterbergen, in Kenntnissen und Einsichten weit über s. Al-ter erhoben, zart und fast schwächlich am Körper, aber gesund und kräftig an Geistund Gemütb. Ehe er die Universität bezog, brachte er l ) Jahr bei einem Ver-wandten in Erfurt zu, der ihn zu derselben noch voi bereitete und ihm überhauptsehr nützlich wurde. 1150 kehrte W. in s. Vaterstadt zurück, wo er eine Zeit langVerweilte. In diesen Aufenthalt fallt s. erste Liebe. Fräulein Sophie v. Gutter-mann , die späterhin allgemein geachtete Sophie v. la Röche, hatte die Neigungdes Jünglings gewonnen. Seine erhöhte Lftimmung, genährt durch frühere Lieb-lingsideen, erzeugte auf einem Spaziergange mit Sophien, unmittelbar nach einerPredigt, den Gedanken , ein Lehrgedicht über die Natur der Dinge oder die voll-kommenste Welt zu schreiben, welches auch in den Suppl. zu s. Werken (1. Bd.)abgedruckt ist und dem Publicum zu s. Zeit behagte, obwol der Berf. später dasganze Erzeugniß für einen unreife» Versuch der sich selbst verkennenden Jugenderklärte. — Im Herbste 1150 begab sich W. auf die Universität zu Tübingen , umdie Rechtswissenschaft zu stutiren, nicht eben aus entschiedener Vorliebe; er be-schäftigte sich daher am meisten mit den humanistischen Wissenschaften und machtesich mit dem Neuesten bekannt, was zu jener Zeit die Literatur des In - und Aus-landes gewährte. So erwarb er sich eine Menge gründlicher Kenntnisse, ohne daßüber dem Lernen die Selbstthätigkeit s. Geistes erschlafft wäre. Die Richtungdesselben in dieser Zeit be:eichnen die „Zehn moralische Briefe" (1151). Sie sindsämmtlich an s. geliebte Sophie gerichtet und rechtfertigen die damalige günstigeAusnahme durch eine glückliche Verbindung von Laune, Feinheit und Weltklug-heit. Um diese Zeit schrieb er auch ein Lehrgedicht: „Anti-Ovid", in jener freiernVersart, deren sich schon die Franzosen statt der damals üblichen Alexandriner mit