Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Wildgraftn Wildlingen 2i)1

gen Deutschland versteht man bekanntlich darunter einen milden, unbesonnenenMenschen. — Wildfänge weiden auch solche Pferde genannt, die in derUkraine , Moldau und den angrenzenden Ländern in der Wildniß aufgewachsenund noch ungebändigt sind.

Wildg rasen, ehemals ein Name einiger rcichsgräfl. Familien amRhein , die wahrscheinlich deßwegen so genannt wurden, weil sie wilde, waldige undunangebaute Gegenden zu bevölkern und urbar zu machen erhielten, daher sie auchRau- (Rauh:) Grafen hießen. Durch Verheirathungcn wild', und raugräsi.Häuser mit rheingräfl. entstand die Benennung der Wild -- und Rbcingrafen, derenBesitzungen in der Gegend des Hundsrücks lagen. > Der Titel Wild: und Rhein -,grase» ist jetzt nur noch in der seit dem 8. Jahrh, blühenden Grumbach'schen Liniedes gräfl. Hauses Salm üblich. Den Titel Raugras hat auch vor einigen Jah-ren ein Graf Wackerbarth angenommen.

Wildungen (Karl Ludwig Eberhard Heiniich Friedrich v.), einer dergeistreichsten und vielseitig gebildetsten Schriftsteller im Fache der Forst-, und Jagd-kunde, zugleich auch ein genialer Dichter, geb. zu Kassel am 21. April 115-t, starbam 15. Juli 1822. Don seiner Mutter allein mi Lesen, Schreiben und in den An-fangsgründen der franz. Sprache unterrichtet, besuchte er die Schule zu Kassel bis1164, dann während der nächsten 5 Jahre das Ägidiengymnasium zu Nürnberg .Der dasige Recror Schenk weckte in ihm den Geschmack an den alt.n Classikcrn, dietrefflichen Künstler Lichkensteger und Schwarz entwickelten die Talente des Knab.nfür Zeichnenkunst und Malerei. 1169 ging v. W. auf das königl. Pädagogiumzu Halle über, mit so umfassenden Kenntnissen ausgerüstet, daß bald nach seinemEintritt in jene berühmte Lehranstalt, für ihn, für seinen Freund, den ehrwürdi-gen, nun verstorbenen Niemeycr, und für einen oder 2 andre der ausgezeichnet-sten Scholaren eine besondere Classe, welche die Benennung tblasnis iu-leet!, er-hielt, errichtet werden mußte, die beim fast gleichzeitigen Abgänge der genanntenIndividuen wieder unnöthig ward. 1111 bezog v. W. die Hochschule zu Halle.Gegen seine Neigung zum Studium der Rechtswissenschaft bestimmt, besuchte erzwar fleißig die Hersäle eines Nettklbladt, Westphal, Besccke u. A., mit Dorlicbeaber die Vorlesungen eines Ebei hard und Goldhagen, welche ihn mit dem fürihn so anziehenden Reichthum der Mathematik und der Naturwissenschaften be-kanntmachten. 1113 vertauschte er jenen Musensih mit dem vaterländischen zuMarburg . Hier beendigte er bei Hcmbergk, Conradi und GeiSler seine rcchicwis-senschafilichcn Studien. Am 2. April 1116 trat er die von seinem Landesfüistenihm übertragene Stelle eines Beisitzers c» der dösigen Rcgierungan. Diese sei-ner Neigung nicht angemessene Laufbahn verließ er nach Verlaus von nicht vollen3 Jahren freiwillig und ward, z» Ente 1118, Gesellschafter des lehtveistorbencnHerzogs v. Nassau-.IIsingen. Aber auch da durfte er die ihm sich darbietende Gele-genheit nicht benutzen, dem Fache, für welches er bei freistehender Wahl schon längstsich entschieden haben würde, der Forstwissenschaft, sich ganz zu widmen. Viel-mehr bewarb er sich, dem Wunsche seines Vaters gemäß, zur fernern Übung in derjuristischen Praxis um einigen Antheil an den Geschäften der Regierung zu WüS-baden, worauf er von dem damals regierenden Fürsten, Karl Wich. v. Nassau-llsingen, am 1t). Juni 1180 den Charakter eines Regierungsraths, demnächstmehre mit dem Forstwesen in unmittelbarer Beziehung stehende Aufträge erhielt,die er auch zur größten Zufriedenheit seines fürstl. Gönners mit Eifer besorgte.AufDerweMung seiner Verwandten wurde er jedoch schon im J.1181 vorn Land-grafen Friedrich v. Hessen-Kassel zum Regicrungsralh in Marburg ernannt, unddadurch genöthigt, den nassamschen Dienst zu verlassen. Länaer als 18 Jahrewar v. W. ein wahrhaft thätiges Mitglied der Regierung zu Marburg . Daherkam es auch, daß ihm, außer andern mannigfaltigen Ncbcnaufirägen, am 4. Juli