Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
293
JPEG-Download
 

Wilhelm I. (Prinz v. Orcniien) 293

und Herausgebers). Noch hat v. W. zu verschiedenen Zeitschriften Mannigfalti-ges, fast durchgängig höchst Ansprechendes, beigetragen.

Wilhel m I., der Jüngere, Graf von Nassau, Prinz von Uranien, derGründer der niederländ. Freiheil, war der älteste Sohn des Grafen Wilhelm desÄltern von Nassau, und Zuliancns, Gräfin von Stolberg , und ward geb. d. 16 .April 1533 auf dem Schlosse Dillenburg in der Grafschaft Nassau. Von seine»4 Brüdern kämpften Ludwig, Adolf und Heinrich von Nassau rilkerlici an derSeite ihres großen Bruders, in dem niederländ. Kriege für die Freiheit und dasVaterland. Adolf blieb in Friesland 1568, Ludwig und Heinrich blieben aufder mooker Heide 15'5. Von dem jüngsten Bruder, Zohann, Grafen zu Dillen-bürg <st. 1606), stammt das jetzige königl. niederländ. Haus ab. Wilhelm I. warvermählt 1) mit Anna v. Büren; 2) mit Anna von Sachsen , der Tochter desKurfürsten Moritz, von welcher Moritz, sein Sohn, als Statthalter 1625 starb;8) mit Karoline v. Monipenster; 4) Ludovica, der Tochter des Admirals v.Co-ligny, von welcher Friedlich Heinrich, sein Sohn, als Statthalter 1611 starb,dessen Enkel Wilhelm III. König von England war. Von Wilhelms 7 Schwesternhatte eine, die Grästn von Schwarzburg . ihren Biuder so lieb, daß sie fast minierum ihn war. —Wilhelm wurde in der römischen Kirche erzogen von Maria, Kö-nigin von Ungarn, Karls V. Schwester; hierauf befand er sich 9 Jahre lang alsKammerjnnker stets um denKaiser, der den Geist, die Klugheit und Bescheidenheitdes Prinzen so achtete, daß er ihn über die wichtigsten Dinge um feme Meinungfragte, und ihm, ungeachtet er erst 22 Z. alt war, in Abwesenheit des HerzogsPhilibert v. Savoyen den Oberbefehl in den Niederlande » übertrug. Auch empfahler ikn seinem Nachfolger Philipp 11., der jedoch, durch die Verleumdungen, mitwelchen ihm die eifersüchtige» Spanier des Punzen Treue verdächtig machten, ge-täuscht, ihn als die Ursache der Widersetzlichkeit der Niederlande ansah, und ihmdaher die Oberstatthaltei würde nicht ertheilte. Da nun der Cardinal Granv.lladas ganze Vertrauen des Königs besaß, und die Staitbalterin in den Niederlanden ,Margarctha von Parma, diesem stolzen und heriIchsüchtigen Prälaten in allenStücken folgen mußte, besonders was die Einführung der verhaßt.» spanische»^iiguisiiion und die Errichtung neuer BiSthümer betraf: so stellten der Grasn.Egmont, der Prinz von Oranie» und der Graf von Hoorn dem Könige schriftlichvor, daß, wenn er nicht den Cardinal bald zuruckruse, dieser durch sein gewaltsamesVerfahren das Land in Aufruhr bringen werde. Philipp sah diesen Schritt als einMajestätsverbrechen an; doch verbarg er seinen Zorn und rief den Cardinal ab,schickte aber dafür den Herzog v. Alba mit spanischen und ital. Soldaten in die Nie-derlande . Wilhelm erkannte sogleich, wohin dies ziele, und bar die Scotihaltei in,den König zu ersuche», ihm die Statthaltcrstelle in Seeland, Utrecht und Holland (welche er als Erbe seines Vaters, des Prinzen RenatuS von Oranien , besaß)abzunehmen; aber Margaretha schlug dies ab und verlangte von ihm, er mögeseinen Bruder Ludwig von sich entfernen und einen neuen Eid der Treue ablegen.Beides weigerte sich Wilhelm zu thun, indem er vorstellte, daß Ludwig keilt Feindder öffentlichen Ruhe sei, wie die Fürstin glaubte, er selbst aber bereits dem Königegeschworen habe. Zu gleicher Zeit wandte er sich nebst dem Grafen Egmont anden König Philipp mit der Bitte um ReligionStuldung für die Niederlande . Alshierauf die Vorstellung, welche 300 Edelleute, den Grafen Ludwig von Nassau an der Spitze, 1566 gegen die Einführung derZnguisiiion und die Anstellung neuerBischöfe übergaben, verächtlich zurückgewiesen wurde — man nannte die BittendenBettler, Geusen —, so veranstaltete Wilhelm eine Zusammenkunft mit Egmont,Hoorn, seinem Bruder Ludwig u. A. zu Dendermonde , um zu berathschlagen,wie man das Einrücken spanischer Truppen und das drohende Unglück abwendenkönne. Die Meisten riechen, sich mit bewaffneter Hand zu widersetzen. Nur Graf