2l)4 Wilhelm I. (Prinz v. Dramen)
Egmont, Statthalter in Flandern und Artois, war, auch bei einer spätern Zu-sammenkunft, der Meinung, man solle der Gnade und Güte des Königs vertrauen.„Diese Gnade", erwiderte der kluge Oranien, „wird unser Untergang, und Egmontdie Brücke sein, über welche die Spanier in die Niederlande gehen, und die sie daraufabbrechen werden". Als sie darauf sich trennten, fielen Egmont und Oranien , imVorgefühle der Zukunft, einander um den Hals und nahmen unter vielen ThränenAbschied. Der Prinz begab sich mit seinerGemahlin und seinen Kindern, mit Aus-nahme des ältesten, der zu Löwen studirte, nach Breda , von hier aber zog er sichaus sein Schloß zu Dillenburg zurück. Unterdessen rückte Alba in die Niederlandeein. Sofort wurden 18 Herren und mehre von Adel, nebst den Grafen Egmontund Hoorn, verhaftet, und in Brüssel am 5. Juni I5K8 hingerichtet. Als diesder Cardinal Granvclla in Rom erfuhr, fragte er, ob Alba auch die Verschwiegen-heit (so nannte er den Prinzen von Oranien ) gefangen. „Wenn dieser Fischnoch nicht gefangen sei, so tauge des Herzogs Fischerei nichts". Alba ließ indeßden Prinzen, die Grasen v. Hoogstraten, v. Kuilenbnrg u. A., die aus dem Landegewichen waren, vor den Rath der Zwölfe sodern. Der Prinz kam nicht, sondernlegte eine Berufung ein an die brabaniischen LNände, als seine natürlichen Richter,und an den König unmittelbar, weil er als Ritter vom goldenen Vließe nur vondem Könige selbst und von den Ordensritter» gerichtet werden könne. Daraufwandte er sich um Schutz an den Kaiser Maximilian II. und die deutschen Fürsten .Der Kaiser sicherte ihm nicht nur denselben zu, sondern mißbilligte auch das Verfah-ren des Herzogs v. Alba, welcher den Prinzen, da er an dem gesetzte» Tage nichtpersönlich erschienen war, nebst seinem Bruder Ludwig u. A., als Beleidiger derMajestät des Königs in die Acht erklärte, seine Güter einzog, in seine StadtBreda Truppen legte und seinen 13jährigen Sohn, Philipp Wilhelm , von derUniversität Löwen wegnahm und als Geisel nach Spanien schickte. *) Nun tratder Prinz von Oranien als Feind gegen Alba in das Feld. Er bekannte sich öffent-lich zur Protestant. Religion und erhielt von mehren Protestant. Fürsten Unter-stützung an Geld und Truppen. Mit dem Heere, das er gesammelt, drangenseine Bruder Ludwig und Adolf in Friesland ein. Se schlugen anfangs beiHeiligerlee in Groningen den spanischen General Johann v. Ligne, Grafen v.Aremberg , der selbst blieb; allein auch Adolf verlor das Leben, und da esdem Grafen Ludwig an Geld fehlte, die Truppen zu bezahlen, wurde er balddarauf von Alba bei Jcmmingen (21. Juli 1588) besiegt. Wilhelm warbhierauf ein neues Heer von 21,000 Deutschen , zu welchem 4000 Franzosenstießen, und erklärte öffentlich, daß Alba und der von ihm errichtete Blutrath(>l'in?<ül clr; lr>.ubl H in Brüssel die Ursache des Krieges wären. Mit gro-ßer Geschicklichkeit führte er das Heer über den Rhein und die Maas , drangin Brabant ein und schlug eine Abtheilung des feindlichen Heeres, konnteaber den Herzog v. Alba. der sich in die Festungen warf, zu keiner Schlachtnöthigen, noch das Volk, das vor den Spaniern zitterte, zu einem allgemei-nen Aufstande bewegen; vielmehr mußte er sein Sstber und Gepäck verkaufen,auch sein Fürstentkum Oranien verpfänden, um den rückständigen Sold anseine Ossiciere und Soldaten zu bezahlen. Darauf ging sein Heer aus einander;er selbst aber begab sich mit 1200 Reitern nebst seinen Brudern zu dem Herzogevon Zweivrücken, und nahn: an dessen Zuge nach Frankreich gegen di e karhol. Par-tei der Guisen Antheil. Hier zeichnete er sich in mehren Treffen und Belagerungenaus, kehrte aber, als der Feldzug unglücklich endigte, nach Deutschland zurück.In Frankreich hakte ihm der Admiral Colizny gerathen, Caper gegen die Spanier auszurüsten und sich vorzüglich in Seeland und Holland festzusetzen , woraus ihndie Spanier schwerlich würden vertreiben können. Diesen Rath befolgte der Prinz,*0 Er erhielt in der Folge seine Frcibeit wieder und starb 1618.