Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Wilhelm I. (Prinz v. Oranien )

Der nach dem unvermutheten Tode Johanns von dem König ernannte neue Statt-halter, Alexander Far,lese von Parma, ein staatSkluger Feldherr, wußte die Ge-müther des mit dein Glaubensfrieden oder der politische» Gleichheit beider Kirchenunzufriedenen belgischen Volks zu gewinnen und die dem Prinzen von Oranien ab-geneigten Großen wieder in das span. Interesse zu ziehen; daher schloß der Prinzvon Oranien einen engern Kund zwischen den 7 nördl. Provinzen durch die Unionzu Utrecht (23. Jan. 1579) und legte dadurch den Grund zu der Entstehung derRepublik der Verein. Niederlande (s. d.). Als hierauf die Friedensunterhand-lungen zu Köln fruchtlos geblieben waren, trugen auf des Prinzen Vorschlag dieStände 1580 dem Bruder des Königs Heinrich III. von Frankreich , Herzog Franzv. Anjou, die Oberherrschaft an, und kündigten (26. Juli 1581) dem KönigePhilipp von Spanien , als einem Tyrannen, den Gehorsam auf. Dieser hattenämlich den Prinzen von Oranien „als einen Keher und Maulchristen, einen an-dern Kain und Judas , Kirchenräuber, Eidbrüchigen, Anstifter der nieder!. Un-ruhen und als eine rechte Pest der menschlichen Gesellschaft" für vogelfrei erklärtund einen Preis von 250,000 Thlrn. auf seinen Kopfgefetzt. Überdies sollten Dem,der ihn lebendig oder todt den Spaniern in die Hände liefern würde, alle Verbre-chen vergeben sein, und er mit seinen Nachkommen in den Adelstand erhoben wer-den. Die Stände gaben deßhalb ihrem Statthalter eine Leibwache, und der Prinzantwortete in einem heftigen Manifeste, worin er demKönige unter Andern, Wol-lust und Mord, den Tod seines Sohnes Don Carlos und seiner Gemahlin Elisabethvorwarf. Unterdessen eroberte der H-rzog v. Parma mehre Festungen, unter an-dern Breda. Doch mußte er die Belagerung von Cambrai aufheben, als der Herz.v. Anjou mit einem Hec, e anrückte. Hierauf ward der franz. Prinz zum Herz. v.Brabant ausgerufen (März 1582). bei welcher Gelegenheit ihm der Prinz v. Ora-nien den herzogl. Hut aufsetzte und den Eid, daß er nach dem Inhalte des Ver-gleichs regieren wolle, öffentlich abnahm. Dies geschah m Antwerpen , wo baldnachher der Prinz meuchelmörderisch angefallen wurde. Ein Spanier, NamensIauregun, schoß nach ibm mit der Pistole, sodaß die Kugel unter dem rechten Ohrhinein- und zum linken Backen wieder herausfuhr und ihn, einige Zähne ausschlug.Der Thäter wurde von der Leibwache auf der Stelle niedergehauen. Der Prinzselbst hatte so viel Kraft, daß er eigenhändig an den Rath von Antwerpen wegendieser Mordthat schrieb. Der Rath ordnete Fasttage an ; das Volk betete in denKirchen für die Erhaltung des Prinzen, und dankte ebenso eifrig für seine endlicheWiederherstellung. Man zog noch einen Spanier, Nie. Ealzedo, und einen Ita-liener, Franc. Baza, ein, welche von, Herzoge v. Parma Geld empfangen hatten,um den Herzog v. Anjou und den Prinzen von Oranien aus dem Wege zu räumen;Beide wurden überführt, jener in Paris von 4 Pferden zerrissen, dieser tödtete sichselbst. Nach diesen Vorfällen gelüstete den Herzog von Anjou nach der unumschränk-ten Herrschaft. Er folgte ganz den Eingebungen einiger jungen leichtsinnigen Fran-zosen und achtete nicht auf den Rath des Prinzen v. Oranien , dessen Ansehen ihmmißfiel. Allein seine Absicht, sich der wichtigsten Städte, wie Brügge und Ant-werpen , mit Gewalt zu bemächtigen, ward durch die Bürger vereitelt, sodaß er be-schämt nach Frankreich zurückkehrte > 3. Jan. 1583), wo er das Jahr darauf starb.Indeß hatte auch der Prinz v. Oranien viele Feinde. Sie beschuldigten ihn, daßer mit den Franzosen in Verbindung stehe, und tadelten seine vierte Vermählung mitLiidovica v. Coligny . Eigentlich war es aber der Religionshaß der Wallonen, wel-cher den Anhang der Staaten und des Prinzen in Flandern verminderte. Er begabsich daher nach Delft, wo ihm seine Gemahlin den Prinzen Friedrich Heinrich (der1647 starb) gebar. Doch hier ereilte ihn der Tod. Ein Burgunder, BalthasarGerard , hatte sich unter dem Namen Franz Guyon und mit dem Vorgeben, daßer des reformirten Glaubens wegen aus Besancon habe entfliehen müssen, bei dem