Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Wilhelm III. (Erbstatthalter von Holland )

Prinzen eingefchlichen, und ihn durch die Frömmigkeit, mir weicherer dem Got-tesdiensie beiwohnte, so gelauscht, daß der Prinz ihm sein Vertrauen schenkt-'. Alsnun Oranien am 10. Juli 1584 in seinem Schlosse Zu Delft von der Tafel auf-gestanden war, um in ein andres Zimmer zu gehe», erschoß ihn der Mörder miteiner Pistole, die er mit 3 Kugeln geladen hatte. Der Prinz sank neben s. Gemah-lin und Schwester, der Gräfin von-Lchwarzburg, zur Erde und starb mit demAuSruse: „VIon Hiev, n>on Dien, age/ Pille ,Ie nial et >Ie ton ziauvee peiiple!"— Sein Mörder war nicht älter als 22. I. Der Wahnsinn, durch solche Thatdie Seligkeit zu verdienen, hatte ihn mehr noch als der hohe Preis zu diesem Ver-brechen angetrieben. Er litt die Todesstrafe mit verssocktem Sinn und völligerllnempfindlichkeit. Im Verhöre hatte er bekannt, daß ein Franciscaner von Tour-nai und ein Jesuit von Trier ihn durch das Versprechen der Seligkeit zu der Thatbewogen hätten, hierauf hätte er sein Vorhaben dem Prinzen von Parma entdeckt,und dieser ihn an den StaalSrath d'Affonville gewiesen, um das Nöthige zu ver-abreden. — 38. starb 52 I. alt, in der vollen Kraft seines Geistes. Er war wohl-gebildet, hatte kastanienbraunes Haar und eine bräunliche Gesichtsfarbe. Ersprach wenig, was er aber sagte, war klug und gefiel. In der Kunst, die Men-schen zu gewinnen, war er Meister. Gegen das Volk benahm er sich freundlichund bescheiden. Oft ging er ohne Hut in der Stadt, und unterhielt sich treuherzigmit den Bürgern. In seinem Hause war er großmüthig, gastfrei, prachtliebeudund freigebig; Alles gab er seinen Freunden hin; nur sein Vertrauen schenkte erwenigen. Sein beobachtender Verstand durchdrang die Menschen und die Ereig-nisse; er selbst war undurchdringlich. Kalk, verschlossen, dem Scheine nach selbstfurchtsam, riß, wenn er sprach, das Feuer und die Kühnheit seiner Rede alle Ge-müther hin und beherrschte sie mit unwiderstehlicher Gewalt. Der Gefahr setzte erruhigen Gleichmuth, den Hindernissen kluge Beharrlichkeit entgegen. Es warihm nicht um seine Erhebung zu thun, sondern um die Sache des Volks; darumging die Freiheit, welche er gegründet, nicht mit ihm unter, und der Name desgroßen Oranien lebt fort in der Geschichte der europ. Menschheit. — Es gibt vonihm 3 Lebensbeschreibungen in Holland . Sprache von ungenannten Verfassern.Auch vergl. man O>,>lwln>,i!i -Vurinou,, ,-w." (Anist. 1838, Fol.)

und Kluit'S ,,Hist. der Holland . Staatsregierung". Bis auf den glücklichen Ver-such von Ios. Muth in Pöliß's „Jahrh. f. Gesch. u. Politik", 1829, hat -Wil-helm von Oranien keinen würdigen Biographen gefunden. X.

Wilhelm III., Erbstatthalter von Holland und König v. England, Lud-wigs XIV. größter Gegner durch die von ihm in die europ. StaatSkiiust einge-führte Idee des politischen Gleichgewichts, wurde nach dem Tode seines Vaters,Wilhelm II. von Nassau, Prinzen von Oranien , 1650 geb. Seine Mutter warHenriette Maria Stuart, Tochter des unglücklichen Karls l. Bei glücklichen An-lagen von dein berühmten de Wüt vortrefflich erzogen, gewann Wilhelm die Liebedes Volks, das ihn 1612, als Ludwig X I V. die Republik mit s. Heeren überzie-hen wollte, zum Generalcapitain der Union ernannte und ihm die 4 Jahre vor-her aufgehobene Statthalterschaft übertrug. Entschlossen, für die Vertheidigungdes Vaterlandes in der letzten Schanze zu sterben , lieh er die Dämme durchstechen,täuschte durch eine geschickte Bewegung die franz. Feldherren, vereinigte sich mitdem kaiserl. Heere, und zwang die Franwlen, sich zurückzuziehen. Nun erhob sichdie Partei des Hauses Oranien, und die Staaten von Holland , denen noch 4 Pro-vinzen sich anschlössen, erklärten (2. Febr. 1614) die Statthalterschaft in demHause Oranien für erblich. Zwar verlor Wilhelm die Schlachten bei Sencf (1614)und St.-Omer (1611); allein er wußte dessenungeachtet den Feind aufzuhalten,und durch s. Staatskunst das Reich, Spanien und Brandenburg mit Holland sozu verbinden, daß derFriede schon 1618 zu Nimwegen zu Stande kam; doch ge-