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Wilhelm IH. (Erbsiatthalter von Holland )
Allianz zu Haag (7. Sept. 1,701) ganz Europa gegen Ludwig bewaffnete. Erwollte nämlich, zu Gunsten Östreichs und des polit. Gleichgewichts wegen, inson-derheit auch, weil er nicht zugeben konnte, daß Belgien von Frankreichs Pvluikabhängig würde, die span. Monarchie getheilt wissen, und hakte sich deßhalb bereitsEnde Juni 1701 nach Holland begeben. Ungeachtet er schon damals den Tod ins. Brust fühlte und nicht laut mehr sprechen konnte, bereitete er dennoch, umgebenvon Staatsmännern und Generalen, mit s. gewöhnlichen Scharfblick Alles vorzur Eröffnung des Feldzugs. Da nun überdies noch Ludwig XlV., nach Jakobs11. Tode, dessen Sohn, Jükob >>!., als König von England ausrufen ließ, so wardes Wilhelm III. leicht, das dadurch beleidigte Parlament zu bewegen, daß Englandder Allianz mit Holland, dem Kaiser, Dänemark und Schweden beitrat und dieAusrüstung von 40,000 Soldaten nebst 4000 Matrosen bewilligte. Mitten un,tcr diesen Entwürfen aber brach Wilhelm (8. März 1702), zwischen Kensingtonund Hamptoncourt, bei einem Falle mit dem Pferde das Schlüsselbein, und starban den Folgen jenes Unfalls (16. März) in einem Alter von 52 Jahren. (SeineGemahlin, Maria, war schon 1695 kinderlos gestorben.) Mit ihm erlosch die Erb-siatthalterwürde der 5 Provinzen, und die oranische Erbschaft wurde zwischenPreußen und Wilhelms nächstem Vetter und TestamenkSerben, dem Fürsten vonNassau-Dietz, Erbsiatthalter von Friesland und Starchalter von Groningen , Joh.Wilh.Friso, von welchem der jetzige König der Niederlande abstammt, getheilt. —England dankt dem staatSklugen Wilhelm III. seine Nationalbank (1694), dieGrundlage seines Credits, durch die Fundirung der Zinsen obne die Verpflichtungzur Rückzahlung des an jeden Dritten zu übertragenden Capitals, sowie seinePreßfreiheit (1694), und die Stiftung der neuen ostindischen Compagnie (1698);das Haus Hanover dankt ihm seine Erhebung auf den engl. Thron (durch dieActe vom 12. Juni 1701). Gleichwol hat ihm die Nation kein Denknial errich-tet. Er mißfiel den Briten wegen seines stolzen, strengen und phlegmatischen Äu-ßern, unter welchem er Ruhm - und Herrschsucht verbarg. Aus Verdruß überjene Abneigung, die durch den Einfluß der TorieS so weit ging, daß er seine holländ.Garde und die von ihm in Sold genommenen Regimenter von franz. Flüchtlin-gen abdanken mußte, wollte er die Regierung niederlegen, wovon ihn seine Mini-ster und Freunde nur mit Mühe zurückhielten. Das System der britischen Con-tinentalpolitik, eine Folge der Eifersucht gegen Frankreich , ward durch Wilhelmzuerst begründet, damit aber auch das Hülfsgelder- und Anleihesystem, und dieNationalschuld. Um die Stimmenmehrheit im Parlamente zu erhalten, bedienteer sich wol auch der Bestechung. Übrigens regierte er im Sinne der Freiheit unddes duldsamen Protestantismus, sowie dem wahren, von den Stuaris bisherganz aus den Augen gesetzten Nationalinteresse gemäß; daher waren die Whigsjetzt die Mmisterialpartei, und das britische Unterhaus erhielt seitdem seine politi-sche Bedeutung. Auch in den Niederlanden bildete Wilhelm III. eine Schule gro-ßer Staatsmänner, wie Fagel und Heinstus waren. Mit Staats- und Kriegsge-schäften überhäuft, hatte er weder Muße noch Neigung zur Literatur und Kunst.Im Gespräch ernst, kalt und durch sein holländ. Phlegma zurückstoßend, wußte erdie Herze» nicht zu gewinnen; allein im Handeln war er mit einem durchdringen-den Blicke, rasch und thätig, in der Gefahr unerschrocken, bei Hindernissen unbe-weglich, im Kriege tapfer ohne Ruhmredigkeit; bei einem schwächlichen Körperscheute er keine Beschwerde, auch wenn sie über seine Kräfte ging. Dadurch er-warb er sich die Achtung und die Bewunderung aller Männer von Verstand. Sosehr er den Ruhm liebte, so sehr haßte er Schmeichelei und Prunk. Er besaß krie-gerischen Ehrgeiz und Sinn für Größe, kannte aber weder die Freude» der Herr-schaft noch die der Humanität. Man hat von ihm noch keine s. würdige Biogra-phie. (Vgl. Jakob II., Marlborough und Großbritannien .) X.