SOS
Wilhelm (König vonWürtcmbcrg)
gefehlt hätte; er liebte sie, er wünschte sie an Herz und Geist gebildet, er gab ihnentreffliche Männer zu Hofmeistern und Lehr ern; allein er hielt sich an den Grund;sah der nachsichkelolen Strenge, in welchen die ältere Erriehunaskunst ihre höchsteWeisheit zu sitzen pflegte, der aber, wenn er auch den Zögling nicht geradezu amCharakter verdirbt, was so oft der Fall sein wird, ihm wenigstens den heiterstenTheil des Leben« in ein fi eudenloses Tasein verwandelt. Sowie dieser Grundsatzvorn Vater des Prinzen geübt wurde, war er in Wahrheit furchtbar, weil Friedrichauch im Kreise s. Familie sehr reizbar und weit entfernt von der zur Erziehung ge-hörigen Ruhe war. Der ruhige Fortgang s. Bildung, sowie der Aufenthalt inWürtembei g selbst, das erst eigentl ch s. Vaterland geworden war, nachdem FriedrichEugen , s. Großvater, 1195 tieReoieiung des Henogihums angetreten hatte, er-litt 2 Mal widrige Störungen tuich fianz. Einfälle. 1186 und 1199 mußte ermit der übrigen wvrnmb. Fanülie das Vaterland verlassen. Während der letztenEntfernung (1800) begab er sich aus einige Zeit als Freiwilliger zur östr. Armeeunter dem Erzherzog Johann . Er focht in der Schlecht von Hohenlmden undgab als Jüngling von 19I. die ersten Beweise von jener Unerschiockenheit, wel-che man später an dem Manne bewundert hat. Sein Feuer riß ihn mitten unterdie Feinde hinein, und nur Muhe gelang >s s. Begleitern, ihn zu halten und zu-rückzubringen. Schon im Tee. 1191 hatte s. Vater^die Regierung des Herzog;thums angetreten und wollte nach s. Alt len Prinzen, auch als er bereits zumJüngling heicngewachscn war, in der frühern unbedingten Abhängigkeit erhal-ten. Ta erkannte der Sohn, daß Einigkeit zwischen ihnen Beiden in solcher Lageunmöglich sein möchte; er beschloß, vom Hose sich zu entfernen, und trat 1803eine Reite nach Wien, Frankreich, Italien an, die er mit einer ungewöhnlichcnAnstrengung für s. weitere Ausbildung benutzte. 1806 kam er nach Zjühriger Ab-wesenheit ins Vaterland zurück, nachten, bereits s. Vater die Königswürde ange-nommen hatte. In stiller Zurückgezogenheil lebte der Kronprinz von da an bis1812 mit wenigen Freunden in Stuttgart , indem er s. Zeit zwischen Lesen, Jagen,Genuß der Natur und eine ausgewählte Gest lligkeit zweckmäßig theilte. Kaumwurde diese Lebensweise seit 1808 in Elw^e geändert durch s. Verbindung mit deredeln Prinzessin Charlotte v. Baiern (nunmehrigen Kaiserin v. Östreich); diese«Verhältniß dauerte 1 I. und löste sich 1815 durch Einverständmß Beider. Be-reits IN jeoer Zelt lastete die Regierung des Königs Friedrich in mancher Hinsichtschwer aufWüriemb.rg. In dicsirNoih richteten sich die Augen und Herzen al-ler Würrembcrger in stiller Sehnsucht auf den Kronprinzen; er war, wie wenigeFürsten vor dem Antritt ihrer Regierung, die Freude und die Hoffnung s Vater-landes, obgleich er sich nach pfiichlmäßiaer Überzeugung von j der Einmischung indie Staatsgcschäste entfernt hielt, einzig und all. in daraus beschränkt, den trauri-gen Zustand der Dinge mit eignen Augen und an der Quelle selbst kennen zu ler-nen. Als 1812 der Heereszug gegen Rußland begann, brachen auch 15,000 Wür,temberger dahin aus, und der Kronprinz stellte, dem Wunsche s. Vaiers gemäß, sichan ihre Spitze. Leicht hätte es ein Ungewitter von Frankreich aus über Land undFamilie herbeiziehen mögen, wenn er, der Erbe des Reichs, durch fortgesetztesFernbleiben immer mehr der Abneigung gegen das Noposionische Gewaltsystemverdächtig geworden wäre. Bald nach dem Einiückcn ins russ. Gebiet befielaber den Prinzen eine gefährliche Krankheit; er mußte in Wilna zurückbleiben.Beängstigende Nachrichten von dem Zustande s. Gesundheit verbreiteten sich imVaterlande. Unbeschreiblich war die Freute bei der Nachricht s. Heimkthr. AmEnde 1813 erhob er sich, dem Trai ge s. Herzens folgend, mit s. ganzen Kraftgegen die jenseitige Gewaltherrschaft. Auch s. Vater war endlich nach der Kata-strophe bei Leipzig den verbündeten Mächten bcigelrelen. Ihr Wille bestimmtedem Sohne die Anführung einer von den Abtheilungen der großen HeereemaffeConversalivus-Lericon. Bd. Xli. 20