Z«>8 Wilhelm 1. (Kurfürst von Hessen -
Entwurfdes Verfassungsvertrags sio thätig, so aufrichtig, daß sie nach Sitzungen,di> fast den ganzen Tag dauerten und keimn Punkt unbeachtet durchgehen ließen,am 13. Sep,. m, den König eine Noie über die ('(nderungen und Zusätze, welcheli'Mehrkeit der Versammlung wünschenswerlh gesunden hatte, gelangen lassenkonnie. ?s,n 22. ließ darüber der König nach Berathung mit s. Geheimerathscvlle-giu:n, s. Entschließungen gi dßteniheils genehmigend zurückgehen. Noch an demfoa. 23. Sepr. murde d>e feierliche Aufrage: Ob die Versammlung nunmehr in denVerfasst,ngsveruag nach dem Inhalte, welchen dieser Vertrag durch die von derVersammlung verhandelte» commissarischen Propositionen uno die heute verlesenekönigl. Willenserklärung erhalten hat, einstimnie?— cinmüthig, meist durchmoiwirte 'Abstimmungen, unter ofiiiials wiederkehrenden Segenswünschen fürKönig lind Vaterland, bejaht. So war dasVerfassungsw.rk durch freies Zugeiständiiiß von beiden S iten vollendet. Ganz mit der rechtlichen Förmlichkeit einervollständigen Dertragshandlung wurde am 25. das von der Ständeversammlnngunterzeichnete Exemplar der V-rfassinzSui künde fe erlich den, König, das vom Kö-nig unterfertigte an die Sänke in großer Audienz ausgehändigt. Die Rede vomThrone wurde vom König mit einer Haltung gesprochen, welche den bewegten Zuhö-i ern zeigte, wie s.hr das Herz des Fürsten von ihr durchdrungen war. Sie erregtedurch ihren würdevollen, zeitgemäße», aufrichtig geineinten Inhalt unter den Zuhö-rern eine freudige Bewegung, die später von allen Ldeuen des Landes in einen allge-meinen Jubel überging. Der Würiemberger wetteifert mit dem Baier, Süddeutsch-land für die Freistätte der Volkstreue, aber auch der Volksachtung zu halten. Allesstimmt für König Wilh lin in die Schlußworte des ständischen Präsidenten ein:„Möge unter keiner gerechten und milden Regierung eine Verfassung erstarken, dienist so vieler Liebe von ihm ins Leben gerufen worden ist!" (Vgl. Würlem berg,Würtemberg. Ständeversaminluiig und Würtemb. Verfassung.)Am 15. April 1820 verm.blie sich der König zunf 3. Male mit Pauline, der T.f. verstarb. Oheims, des Herzogs Ludwig v. Würtemberg. Die Geburt eines Kron-p> inzen am 5. März 1823 war für das ganze Land ein frohes Ereigniß. — DerKönig unternahm in den letzten Jahren vielfache Reisen, u. a. in die Seebäder vonPifa, Livorno, Ostende, und in Frankreich . Seit dem December 1829 gibt er wo-chentlich Freitags 9—II Uhr Jedem persönlich Audienz.
Wilhelm l., Kurfürst v. Hessen, war zu Kassel den 3. Jan. 1743 unterder Regierung seines Großvaters, des Landgrafen von Hessen-Kassel , Wil-helms VIII., geb. Als sein Vaier, Friedrich II., der 1751 zur kathol. Kircheübertrat, den 31. Jan. 1780 zur Regierung gelangte, gingen die Maßregeln inWirksamkeit, welche man getroffen halte, um dem Lande und der Regentenfamiliedie »»gestörte Beibehaltung des reformirten Religionsbekenntnisses zu sichern.Friedrichs Gemahlin, Maria, Tochter Georgs ll. von England, überkam alsVormünderin ihrer Söhne die Regierung der Grafschaft Hanau und leitete, ohnedes Vaters Theilnahme, die Erziehung der Kinder. Unter Anleitung trefflicherLehrer, dann auf der Hochschule zu Götiingen, wurde so Prinz Wilhelm i» denWissenschaften und Künsten wohl unterrichtet. Während des die hessischen Län-der so schwer drückenden siebenjährigen Krieges lebte er am Hofe s.ineg Oheims,des Königs von Dänemark, Christian VII. , dessen zweite «dchwest-r, WsthelmineKarvline, er 1784 zur Gemahlin wählte. Mit erreichter Volljährigkeit übernahmer unmittelbar nachher die Regierung der Grafschaft Hanau aus den Händen seinerverdienstvollen Mutter. Der junge Fürst war lehrbegierig, thätig, sparsam,gerecht, allen seinen Unterthanen zugänglich. So heilte er viele Wunden, die dervorgegangene Krieg seinem Lande geschlagen hatte, und machte sich durch löblicheEinrichtungen den Bewohnern HanauS unvergeßlich. — Wie mehr« deutscheFürsten , schloß er 1778 mit England einen Subsidientractat, im Verfolg dessen