Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Z10 Wilhelm I. (Kurfürst von Hessen )

Freude noch Vertrauen einflößen konnte. Während sich seine Besorgniß nach Au-ßen hin vergrößerte, vermehrte sich der Wohlsiand seiner Lüaaten, und im größernMaßstabe die Reichthümer seines «chatzeS. Durch seine dem franz. Kci'er nichtunbemerkt gebl ebene Gesinnung, durch seine Verhältnisse zu Preußen, d-ss »Feld-marschallswurde ihm schon früher ertheilt war, und zu dessen Könige er in mehrfa-che» Famiüenverblndungen stand (sein ältester Sohn, der Kurprinz, hatte 1797die Schwester Friedrich Wilhelms U I. zur Gemahlin erhalten), durch fortwährendeKriegsrustungen zog er das Ungewitter auf sich, welches ihm nach der Schlacht vonHena und Auerstädt den trüben Traum der NeutralitätSsicherheit plötzlich entriß.Als Napoleon drohte, und franz. Truppen unter Mortier und dem König von Hol-land heranrückten, entfloh der gewagten Unternehmungen abgeneigte Kurfürst indie neutralen Staaten des Königs von Dänemark , und gab Wies preis, anstattdurch mulhigen Widerstand sich billigen Vergleich zu erkämpfen; nur seine Geld-schätze und seine Familie rettete er. Mit dem Frieden von Tilsit und der Errichtungdes Königreichs Westfalen war Wilhelm l. seiner Länder beraubt und lebte seit demZuli 1808 in Prag , mit der vollsten Zuversicht, daß die Vertreibung der Zranzo-scnherrschafl aus Deutschland erfolgen werte, erfreut durch viele Zeichen der Treue,welches ihm das biedere Hessenvolk gab, aber karg gegen Die, welche ihm Allesopferten und ihr Schicksal an das seinige knüpften. — Beim Ausbruche des öst-reichisch-franz. Krieges von 1803 erließ der Kurfürsteinen Aufruf an seine Hessen und begann eine Heeresmachr bei Eger zu sammeln, mittelst welcher er die Wie-bereroderung seiner Staaten zu bewirk-» gedachte; bei der unglücklichen Wendungdes Krieges scheiterte dieser Plan bald; wer sich unter die Fahnen des Kurfürstengestellt hatte, wurde entlassen, oft der härtesten Noth preisgegeben. Erst nachdem Siege der Verbündeien in der leipziger Völkerschlacht gewann das SchicksalWilhelms 1. eine günstigere Wendung. Er hatte bereits im Sept. 1813 eine Zu-sammenkunft mit dem russischeil Kaiser und dem Könige von Preußen zu Breslau ,wo er sich zur Truppenstellung erbot, aber damit zurückgewiesen, durch Hülfsgel»der an die Kriegsoperationscasse seine Mitwirkung zur Bekämpfung der Franzosenbethätigte. Die Siege der Verbündeten befreiten schnell die kurhessischen Länder;schon im Nov, 1813 zog Wilhelm l. an der Seiteseiner Gemahlin nach 7jährigecTrennung wieder in seine Hauptstadt ein, unter zahllosen Beweisen nie erloschenerLiebe seiner Unterthanen. Der 70jährize Greis übernahm die Zügel der Regierungvon Neuer» mit bewundernswürdiger Thätigkeit und Kraft; zeigte aber um somehr, daß seine Begriffe von fürstl. Machtvollkommenheit übertrieben waren.Unglücksfälle und höheres Lebensziel hatten die Strenge seines Charakters vergrö-ßert; er meinte alle Ereignisse der vorangegangenen 7 Jahre verlöschen zu können,wenn cr sich stellte, als wisse er davon Nichts. Alles sollte oder mußte, wenn eSging, auf den alten Fuß gestellt werten. 20,000 M. HulfStruppen, die zu stellener verpflichtet war, ruckten schnell genug ins Feld, um den Ruhm der Hessen vonNeuem zu bestätigen. Den 18. März 1814 stiftete er den Orden des eisernenHelmes, zur Belohnung militärischer Verdienste. Als aber, noch vor dem erstenpariser Frieden, den kurhessischen Truppen die Rückkehr in die Heimalh verstattetwurde, unter der Bedingung, daß sie auf dem Kriegsfuße blieben, vernachlässigteer dieses der Ersparniß halber, und halle den Verdruß, Epecmionskruppen in seinLand einrücken zu sehen; Preußens Vermittelung mußte endlich den ubeln eLlreitausgleichen. Auch im Kriege gegen Frankreich 1815, wo der Kurfürst 12,000M. stellte, hatte er die Freude, von den Thaten seiner Soldaten vor Eedan,CharleSville, MeziereS u. s. f. ruhmvolle Nachrichten zu erhalten; weniger ent-sprechend seinen Wünschen war mancher andre Erfolg seiner Regierung. SeinWunsch zur Wiederherstellung des deutschen Kaiserihums drang auf dem wienerCongresse nicht durch; auch fa^tman, laß er dort mit dem Plane scheiterte, als