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Wilhelm (Markgraf von Baden)
König der Kalten anerkannt zu werden, weßhalb er den kurfürstl. Titel beibehieltund ihn mit dem Prädicate: königl. Hoheit, verband. Allem Lände, tausche abge-neigt, erhielt er für manche Abtretungen und Aufopferungen reichliche Entschädi-gungen, in deren Besitz er auch den Titel eines GroßherzogS v, Fulda und einesFürsten v. Isenburg annahm. — In die unangenehmsten Widersprüche ver-wickelte ihn die Errichtung einer ständischen Verfassung, welche ihm bei der Rück-gabe seiner Länder zur Bedingung gemacht war. Je schneller und vertrauensvollerer dieser Verpflichtung nachkam, um so mehr sah er sich getäuscht, da die unsermZeitalter eigne Erkenntniß von dem wahren Wesen der Skaatsverhäl,nisse sich mitseinen Ansichten vom Fru stenrechke rncht einigen ließ. Mehre Zusammenberufun»gen der alten hessischen Stände, denen der Kurfürst die Abgeordneten der Bauernzuordnete, bekundeten auf der einen Seite eine ruhigfeste, vaterlandsliebendeGesinnung der Mitglieder der ständischen Versammlung, auf der andern denZwiespalt, in welchen der Kurfürst mit der Zeit und ihren billigen Anfoderunoengerathen war. Auch Härte und Geiz gegen seine Beamten erregten Verdruß;besonders wurde das Militair hart behandelt: der Officier durch kärglichen Soldgedrückt, der Gemeine durch strenge Zucht, Siockschläge und Kamaschendienst ge-quält. Die Anfoderung der Abgeordneten an eme Sonde! ung des Stoaisveimö-gens von dem über: eichen Privaischctze des Kurfürsten verhinderte den Abschlußeiner auf Vertretung der Einwohner fest begründeten StaalSverfassung. — Wel,chen Schatten diese Verhältnisse auf den Kurfürsten werfen mögen, wie auch seineBehandlung der im westfälischen Dienste gestandenen Civil- und Militairbeamten,der dort Pensionnirlen, der Käufer der Domainen, der in Bedienung vorgefunde-nen Ausländer benachbarter deutscher Staaten rc, gerügt werden mag: bewun-derungswürdig ist die Rüst'gkeit, mit welcher der Greis, des mannigfachen Ver-drusses ungeachtet, vieles Nützliche förderte, für Rechtspflege, Kirchen und Schu-len sorg'e, gegen Beamtenunfug wachte, seinem Volke immer zu Rath und Thatzugänglich blieb und in vielen lobenSwerkhen Eigenschaften den Regenten seinesZeitalters ein würdiges Vorbild darbot. Abgemessene Lebensweise hatte seinemKörper eine Festigkeit verliehen, die der gewöhnlichen Hinfälliakeit eines hohenAlters Trotz ;u bieten schien. Nur ein großes Gewächs am Unterkiefer, 1809durch einen Stur; mit dem Pferde veranlaßt, störte die Sehkraft des linken Au-ges; das in den letzten Monaten seines Lebens sichtbar werdende Zusammensinken(Körpers und die Abnahme s. Kräfte war ohne Krankheitüzufälle, bis endlich amTA. Febr. 1821 ein Schlagfluß plötzlich s. Laufbahn beschloß. Seine Gemahlinwar ihm am 24. Jan. 1820 vorangegangen. Sein Regierunasnachfolger ist seineinziger Sohn, Kurfürst Wilhelm II, — Vgl. Kurfürst Wi Helm 1. in den„Zeitgenossen', Neue Reihe, Nr. X.
Wilhelm (Ludwig August), Markgrafv. Baden (vor 1811 Grafv. Hoch-berg), zweiter Sohn des verewigten GroßherzogS Karl Friedrich (aus dessen zweiterEhe), geb. zu Karlsruhe am 9, April 1192, genoß gl ich seinen übrigen Geschwi-stern einer sorgfältigen Erziehung und kam sehr jung in die M litairdienste seine«Vaterlandes. Da sich aber der Krieg nur im Kriege lernt, so trat er 1809 alsAdjutant in den Generalstab des Marschalls Mass,-na, wohnte ollen Schlachtenund Gefechten, woran dieser Feldherr in jenem denkwürdigen Zuge gegen DfüeichTheil hatte, mit Auszeichnung bei, und verdiente sich das Kreuz der Ehrenlegion.Nach hergestelltem Frieden kehrte der Markgraf in sein Vaterland zurück, wurdezum Generalmajor ernannt und nahm s, Wohnsitz zu Raüadt, wo sein Regimentgarnisonirte. In dem Feldzuge 1812 gegen Rußland befehligte MarkgrafWil-helm die badische Brigade, welche dem 9. fron, ArmeecorpS unter dem HerzogeV. Belluno zugetheilt war. Allein nur 1 Bataillon und 2 Stück Artillerie folgtendem kaiserl. Hauptquartiere, der größte Theil der Brigade mußte während der glan -