814 Wilhclmshöhe
Fenstern man eine der entzückendsten Aussichten ins weite Thal genießt. Die Ge-mächer der Burg, unter welchen der Rittersaal, die Capelle und die Rüstkammerbesonders merkwürdig, sind im Geschmacke der Ritterzeit angelegt und meudlirt.7) Das chinesische Dorf Möulang, wo vorzüglich ein unter der westfälischen Re-gierung neben dem Wchlosse erbauter, nachher aber hierher verlegter PavillonsehenSwerth ist, dessen aus buntgefärbtem Glase verfertigte Flügelfenster eine täu-schende Wirkung hervorbringen. 8) Der Karlsberg mit seinen Cascade», gewöhn-lich der Winterkasien genannt. Diese ihrer Art nach in Europa einzige Anlagewurde vom Landgrafen Karl 1701 unter der Leitung des ital. Baumeisters Giov.Franc. Guernieri begonnen und 1714 vollendet. Dr erste Gegenstand, welcherhier die Aufmerksamkeit erregt, ist eine Grotte Neptun'S; sie hält 30 F. im Durch-messer, ist 20 F. hoch und besteht aus 3 Bogen. Bor der Grotte ist ein rundes,220 F. im Durchmesser haltendes Bassin. Wenn die Cascade» angelassen sind,stürzt sich das Wasser über die Grotte hinab in das Bassin. Gleich darüber fängtdie Cascade selbst an; sie ist dreifach, 900 rheinl. F. lang und 40 F. breit. InZwischenräumen von 160 zu 150 F. sind Bassins angebracht, aus w ichen dasWasser fällt. Zu besten Testen führen bequeme Treppen, deren jede 842 Stufenhat, bis an das Riesenschloß, wegen seiner achteckigen Form Octogon genannt;dasselbe besteht aus 3 über einander geihsirmken Bogengewölben und hak 284 F.im Durchmesser. Am Fuße dieses Gebäudes liegt das Riesenbassin, welches 150F. im Durchmesser hat. Ein von oben herabgestürzt scheinender Felsen bedeckt darinden rücklings liegenden Körper des Riesen Enceladus. Kopf und Schultern ragenaus dem Felsen hervor, und der Mund dieses Kolosses, welcher 7 F, lang ist speiteinen Wasserstrahl 55 F. in die Höhe. Im Hintergründe des Bassins ist eineGrotte, auf deren einer Weite ein Centaur, auf der andern ein Faun steht, welche,so lange das Wasser herabstürzt, auf kupfernen Hörnern blasen. Außerdem stürztin das Riesenbassin über einen 77 F. hohen Felsen ein Wasserfall, welcher auseinem darüber gelegenen kleinen Bassin kommt. Hinter diesem Bassin ist die Grottetcö Polyphem. Im Hintergründe derselben sitzt der einäugige Riese und bläst aufeiner Hirtenflöte mit 7 Pfeifen 7 verschied-me Wtücke. Bor dieser Grotte ist dasArtischockenbassin, welches s. Namen einer steinernen Artischocke von ungeheurerGröße verdankt, aus deren Blättern 12 Fontainen i» Bogen springen, wovon dieNtilt« Iste in einer geraden Höbe von 40 F. emporsteigt. V er Haupteingänge führenzum Erdgeschosse des Riesenschlosses; von diefni Erdgeschosse, welch S ein großesKreuzgewölbe ist, gelangt man auf 4 von Außen hinaufführenden Treppen zumersten Umgang, und ebenso zum zweiten, in welch-m v-rschiedene Zimmer zurWohnung eingerichtet worden; das dritte Wtockwerk wird von 192 aekupp ltentoscanischen, 48 F. hohen Säulen gestützt. Durch die von diesen Säulen gebildetenBogengänge gelangt man zu einem achteckigen Tonnengewölbe um das Ocrogon, inwelches man auf einer Schneckenrreppe ohne Spindel bis zu einer Plattform steigt,die sich über das ganze Gebäude erstreckt und mit einer massiven Drnstlehne um-geben ist. Auf dieser Plattform, nach der Seite der Cascaden hin, ragt, aus gro-ßen Quaderstücken errichtet, die Pyramide hervor, deren Bau ein ganzes Jahr er-fodert hat und erst 1714 vollendet ward; sie ist viereckig, 06 F. hoch und hat imInnern 5 Kreuzgewölbe über einander. Zu ihre» 4 Umgängen gelangt man mit-telst einer um eine hohle Spindel angelegten Wendeltreppe. Oben auf dieser Py-ramide steht auf einem 11 F. hohen Piedestal die kolossale Wtatue des Farnese'schenHercules, in der umliegenden Gegend der große Christoph g nannt, und krönt dieSpitze des bewundernswürdigen Gebäudes. Drei Jahre nachher, als Guernieriden Bau vollendet hatte (1717), wurde sie an ihrem j ßigen Platz aufgest !li; sieist aus Kupfer getrieben und 3! F, koch. Das Piedestal und die Bildsäule selbstsind hohl, und auf Leitern kann man bis in die kupferne Keule, worauf der Koloß