Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Winckelmann

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Reise nach Neapel , wo sein Sendschreiben ihm heftige Gegner zugezogen hatte-söhnte sich mit diesen aus, bestieg den Vesuv während eines eben statthabenden AuS-bruchs, traf die nöthigen Verfügungen für die Kupfer zum 3. Th. seiner „>Ie>»u-lnc-uii", wofür er bereit«Vieles gesammelt hatte, und trat endlich „n April 1'68in Gesellschaft des Bildhauers Cavaceppi seine Reise nach Deutschland an. Schonder Anblick der tiroler Gebirge versenkte W. in eine tiefe Schwermuth, die in Augs-burg und München immer mehr zunahm. In Regensburg endlich äußerte er denfesten Entschluß, allein nach Italien zurückkehren zu wollen. Alles, was seinReisegefährte von ihm erlangen konnte, war, daß er bis nach Wien nüigsng, umsodann seine Rückreise anzutreten. Hier kam er den 12. Ma> an und fand bei demFürsten Kaunitz u. a. Großen die ehrenvollste Aufnahme. Aber von dem gefaßtenEntschluß der Rückkehr konnte ihn nichts abhalten. Seine Gemüthsbewegungwurde durch Zuredungen nur vermehrt, und zog ihn» ein heftiges Fieber zu, dasihn einige Tage im Bette hielt. Nach seiner Herstellung beftch er die Merkwür-digkeiten WienS, ward in Lchönbrunn der Kaiserin Maria Theresia vorgestellt, dieihn mit besonderer Auszeichnung empfing und reich beschenkte und niste zu Anfangdes Juni nach Triest ab. Hier gesellte sich ein Italiener, Namens Francesco Are-angeli, zu ihm. Dieser abgefeimte Bösewicht, der erst vor Kurzem in Wien zumTode verurtheilt, aber begnadigt und des Landes verwiesen worden war, gewanndurch Dienstbeflissenheit bald das Vertrauen des arglosen W.,ter ihm seine goldenenMedaillen und a. Kostbarkeiten unbedenklich zeigte. Arcangeli übernahm die Be-sorgung der Reiseangelegenheiien, während W. u» Gasthose blieb. Am 8. Junizwischen i und 2 Uhr saß er schreibend am Tische, als der Italiener in sein Zimmertrat, um ihm s. plötzliche Abreise anzuzeigen und Abschied zu nehmen. Er bat, ihmzuvor noch ein Mal die goldenen Medaillen zu zeigen; aber während W., vor demKoffer knieend, sie hervorlangn wollte, warf jener ihm eine Schlüge um den Halsund versetzte dem Unglücklichen, der sich vergeblich wehrte, 5 tödiliche Stiche inden Unterleib, worauf er, ohne Etwas milzunchmen, entsprang. W. verschiedwenige Stunden darauf, »achem er s. Testament gemacht und den Cardinal Albanizum Universalerben eingesetzt hatte. Seine Handschrift zur 2. AuSg. der „Ge-schichte der Kunst h die er bei sich führte, kam in den Besitz der kaiserl. Akademieder bildenden Künste in Wien , welche N18 eine Ausgabe danach besorgen ließ, diejedoch d:n Erwartungen der Kenner nicht entsprach; s. üb igen Papiere kamen indie Bibliothek tesHawes Albani; N99 führten sie die Franzoün nach Paris , vonwo sie jedoch wahrscheinlich zmückgekehrt sind. — W.'S Gast ist in s. Schriftenausgeprägt, die ebenso schätzbar durch gehaltvollen Inhalt als körnigen, einfachenAusdruck sind. Ihr unvergängliches Verdienst besteht darin, daß sie zuerst dieGrundsätze der Kunst aufstellen und die Werke derselben nach ihrem wahren, durchjene Grundsätze bedingte» Wesen und ihrem Zusammenhange unter einander dar-stellen. Schelling sagt von ihm trefflich: „Er stand in erhabener Einsamkeit wieein Gebirg, durch seine Zeit; kein antwortender Laut, keine LebenSrezung, keinPuleschlag im weiten Reiche der Wissenschaften, der seinem Streben entgegenkam".Als seine wahren Genossen kamen, da eben wurde der Treffliche dahingerafft. Ergab durch s. Lekre die erste Grundlage jener allgemeinen Gebäude der Erkenntnißund Wissenschaft des Alterthums, das spätere Zeilen aufzuführen begonnen haben.Ihm zuerst ward der Gedanke, die Werke der Kunst nach der Weise und den Ge-setzen ewiger Naturwerke zu betrachten, da vor und nach ihm alles Menschliche alsWerk gesetzloser Willkür angesehen und demgemäß behandelt wurde. Nächstdementhalten sie einen Schatz von historischen Aufklärungen, g-gin den die einzelnenIrrthümer unbedeutend erscheinen. Sie sinken sich gesammelt bis auf die ,,vlv^liiii,Willi iucckili", die „Oo-wrijilioi, Ni> sso, 1 es g'i.>> i'cL"und die verschiedenenBriefsammlungen, in der von Fernow begonnenen und von Meye und Schulze be-