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Winter (Johann Christian Friedrich)
Oper geliefert, welche in Italien wie in Deutschland als ein eigenthümliches Mei-sterwerk anerkannt worden ist: dies ist „Mohammed ", deren schöne Cavatinenund glänzende Finales zu den besten neuern Gesangstücken gehören. Dagegen gibtman ihm Schul», daß er sich an den ältern Meistern, Poisiello, Zingarelli, ver-sündigt habe, indem er deren Opern („Die Müllerin", „Romeo und Julie") demModegeschmacke zu Liebe verkürzt und mit fremdartigen Bestandtheilen vermischthabe; seine Ouvertüre, die er zu letzterer Oper geschrieben, ist dem Stoffe ganz un-angemessen und voll leeren Lärm«. — Was den musikalischen Charakter W.'s über-haupt anlangt, so hat sich die Behauptung verbreitet, man finde In W.'s späternCompositionen immer da«„Opserfest" wieder. Indessen Möchte dabei wol eine Täu-schung stattfinde». Indem nämlich unter allen Werken W.'s das ebengenanntt das-jenige ist, welches sich am meisten verbreitet hat, und man die EigenthümlichkeitW.'s am meisten durch dasselbe kennt, so glaubt man statt der in diesem Werke aus-gesprochenen Eigenthümlichkeit vielmehr das „Opferfest" in allen übrigen zu finden,da doch „Zaire", „Mohammed ", „Maria von Montalban" sich von demselben sosehr unterscheiden, als sich überhaupt die Werke eines Meisters, vernicht gerade eineEpoche in der Kunstwelt herbeiführt, von einander zu unterscheiden pflegen. Inder Behandlung des Gesanges, wie schon angedeutet, ist W. ein Stern der erstenGröße; sein Gesang ist der Stimme vollkommen angemessen und befördert die Bil-dung derselben auf ausgezeichnete Weise; seine Melodien sind immer fließend undschmeicheln dein Ohre, ohne das Herz leer zu lassen; weniger mannigfaltig ist seineModulation, gewisse Cadenzen und Wendungen wiederholen sich zu oft und ein-förmig, die Begleitung, dle ebenfalls sehr fließend ist, hat gewisse Lieblingsfigu-ren , z. B. im le„i ,10 ngiMlo, die zu oft wiederkehren, und in einigen neuernStücken bedient er sich der starken Instrumenkirung oft zu sehr, um den Mangelgroßer Motive dadurch zu verbergen. Das Unmuthige und Prächtige gelingt ihmmehr als das Erhabene. Um aber W.'s Verdienste vollkommen zu schätzen, müs-sen wir noch anführen, daß er, obwol selbst ohne Stimme, einer der treffl chstenSinglehrer in D utschland war und durch seine tiefe Gesangskenntniß und trefflicheMethode mehre wahrhafte Sänger und Sängerinnen bildete, z. B Mrd. Metz-ger Vespermann und den Baritonisten Mittermair; dies beweist auch die von ihmkurz vor seinem Tode erschienene „Singschule" in 4 Ablh. (Maim 1824), welchebesonder« in den Solfeggien einen großen Vorzug vor andern Singschulen hat.Di.se Verdienste erkannte auch der tonkunstliebende Fürst, in dessen Dienste er vonseiner Jugend auf bis ins Greisenalter treu gebli den, lohnend an. Als er 1814seine 50jährige Dienstfeier beging, erhob ihn der König v. Baiern zum Ritter desbairischen Civilverdienstordens. W. starb zu München am 11. Ock. 1825.
Winter (Johann Christian Friedrich), Universilülsbuchhänder zu Heidel-berg, geb. 1173 zu Gochsen am Kocher iin Altwürtembergischen, trat Ende 1814an die Stelle Zimmer's, seines vieljährigen Freundes (welcher sich erst damals ausbesonderer Neigung dem Predigerstande gewidmet halte), in die unter der FirmaMohr und Zimmer bestandene Universitätsbuchhandlung als Associe ein. Die neueFirma Mohr und Winter, begünstigt durch das Vertrauen und die Achtung desPublicums und der Gelehrten, löste sich im Oct. 1822 wieder auf, und seitdemführt W. allein eine Sortiments- und Derlagshandlung unter der Firma C. F.Winter fort. Auf mehrfache Weise erwies die Bürgerschaft zu Heidelberg demsel-ben großes Zutrauen und viel Achtung. Er wurde von ihr als Abgeordneter zumersten badischen Landtage gewählt, und die gedruckten Verhandlungen von 1819enthalten Beweise seiner Gesinnung und seiner Thätigkeit. Allgemeineres Inter-esse hatte sein Antrag auf Herstellung der Preßfreiheit, gemäß det badischen Con-stitukion (späterhin von dem rühmlich bekannten Deputirten Freih. v. Liebensteinbegutachtet), ferner sein Bericht für die Vermehrung der Dotation der UniversitätEon-ersations-Ltticon. Bd. XII« 22