Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Witte

einander getrennt, und er, wenigstens in Holland , von dieser ganz ausgeschlossen seinsollte. De W.'S Feinde mehrten sich. Er mußte mit England und Schweden eineTripleallianz gegen Frankreich schließen. Sie führte den aachner Frieden von 1868herbei und löste sich so schnell wieder auf, als sie entstanden war. Zehr machte Lud-wig XI V. mit England vereint einen Einfall in die vereinigten Niederlande (1672).Wilhelms Freunde setzten es durch, daß er zum Oberfeldherrn ernannt wurde. Dererste Feldzug ging sehr unglücklich. Man schrieb dies Derräthereien von de W. unds. Freunden zu. Meuchelmörder bedrohten das Leben des Erstern. Wilhelm warddurch die allgemeine Stimme zum Statthalter ernannt. De W. legte sein Amtnieder. Aber die Stimmung des Volks war damit so wenig geändert, als der Haßder oranischen Partei befriedigt. Sein Bruder, Tornelius, ward beschuldigt,dem Prinzen nach dem Leben getrachtet zu haben, gefangen genommen, gefoltertund, da er nichts gestand, aus dem Lande mit Verlust aller Güter verbannt. Durchdie Nachricht, daß er ihn im Gefängniß sprechen wolle, bewogen, eilte Zoh. dr W.dahin; allein plötzlich erhob sich ein Volksaufstand im Haag. Die schnell aufgebo-tene Bürgergarde konnte ihn nicht zerstreuen, da die meisten Officiere derselben demPrinzen ergeben waren. So wurde vom Pöbel das Gefängniß erbrochen. BeideBrüder sanken unter den Streichen desselben (20. Aug. 1672). Die Staaten feder-ten vom Statthalter Untersuchung, Bestrafung der Mörder, die aber nie erfolgte. —Daß die Urtheile der Zeitgenossen über so einen Mann sehr verschieden lauten, istnatürlich; doch stimmen sie darin überein, es sei ihm in keiner Art Vorrath gegendas Vaterland vorzuwerfen. Einfach und bescheiden war er in allen s. Verhältnissen.Er fiel als Opfer der Parteienwuth, ohne daß ihm die oranische Partei Etwa« auf-bürden konnte, als — nicht zu ihr zu gehören, und die Absicht gehabt zu haben, siedurch die seinige niederdrücken zu wollen. De W. ist auch politischer Schriftstellerund hat über die Begebenheiten s. Zeit manches Treffliche geliefert.

Witte (Karl), I>. der Philos. und Pros. der Rechte zu Breslau . DieserMann, der in s. 16. Zahre die Würde eines Doctors beider Rechte auf eine ausge-zeichnete Art, nachdem »r alle deßhalb erfoderliche Prüfungen auf das ehrenvollstebestanden hatte, bei dc .nversität zu Heidelberg erhielt, ist ein merkwürdiges Bei-spiel von Dem, was glückliche, obschon nicht ganz außerordentliche Naturgaben un-ter zweckmäßiger Leitung schon sehr frühzeitig vermögen. — Karl W. ist geb. zuLochau , einem Dorfe unweit Halle, 1800. Sein Vater, Pfarrer daselbst, bekanntals ein Mann von Kopfund Kenntnissen, hatte von jeher eine große Neigung zu derPädagogik gezeigt, und war 4 Zahre lang Erzieher der Kinder einer Familie v. wa-lis in der ital. «Schweiz gewesen. Durch s. frühern Beschäftigungen und Reisenwar er mit vielen namhaften Erziehern und Erziehungsanstalten Deutschlands be-kannt geworden, wozu sein eignes fortgesetztes Nachdenken über die Erziehungs-wissenschaft fruchtbringend hinzukam. So nahm er sich vor, seinen Sohn selbstauf das sorgfältigste, jedoch streng der Natur gemäß, zu erziehen. Seine wohlge-sinnte, verständige Gattin, die er auch größtentheils zu seiner Lebensgefährtin ge-bildet hakte, unterstützte ihn bei seinen Bemühungen mit dem regsten Eifer. Im4. Jahre las der junge W. schon recht gut deutsch , rechnete auch bewundernswürdigim Kopfe, selbst mit Brüchen. Doch ließ ihn der Vater kiese Übung nicht wir dem-selben Nachdruck fortsetzen, weil sie den Geist zum Nachtheile des Körpers allzu sehranzustrengen schien. Dieser blieb übrigens keineswegs auffallend zurück, und dasKind genoß immerwährend der besten Gesundheit. Vom ü. Jahre an begann derregelmäßige Unterricht in den neuern und ältern sprachen. Selbst hebräisch lernteder Knabe mit Lust und Eifer, das schreibe» ohne Anleitung durch sich selbst. Im8. I. erregte er die Aufmerksamkeit mehrer auSgemchneten Gelehrten, Pädagogenund Schulmänner, z. B. eines Funk, Schütz, Tieftrunk, Olivier, Tillich u. A.Er hakte bis zum vollendeten 6. Zahre nur eine halbe bis ganze Stunde den Tag«der, im 7. etwa eine bis anderthalb und im 8. 2—2; Wtunde Unterricht erhalten,