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Zwölfter Band. W bis Z.
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350 Witterungskmide-

mit Aberglauben die Überreste der Finsterniß des menschlichen Geistes sind, derenBeibehaltung als ein Maßstab der Kindheit des großem Publicunis in diesemTheile der Naiurkenntniß angeseken werden kann. Sogar noch zu Anfange des Ist.Jahrhunderts erklärte Theophrastus Paracelsus (in s. Werken von den Meteoren)die Nebensonnen für messingene, von den Luftgeistern fabricirte Kecken, und dieSternschnuppen für die Epcremeine der Gestirne, welche aus der Verdauung ihrerastralischen Speisen entständen. Bei diesen astrologischen Thorheiten, die nianzur Erklärung meteorologischer Erscheinungen anwendete, bildeten sich Bauernund alte Frauen noch andre Witterung« - und Wetterregeln, die man aus demVerhalten mancher Thiere und den Veränderungen der Pflanzen hernahm. Größ-tenteils waren diese Regeln nur für ein nahe bevorstehendes oder Localwetter auf1 oder 2 Tage in einem gewissen Orte anwendbar, jedoch fand man auch verschie-dene Erfahrungssätze, welche ganze Jahreszeiten voraus anzuzeigen vermochten,z. B.: Ein schöner Herbst bringt einen windigen Winter; wenn die Zugvogel ingroßen Heerden und zeitig kommen, so wird es früh und ein strenger Vorwinter;wenn Schwalben niedrig und Bienen nicht weit von dem Bienenstöcke wegfliegen,so kommt Regen rc. Diese sogen. Haus- oder Bauerregel» wurden bei den fort-gesetzten Beobachtungen der Landwirthe und Naturforscher nach und nach vermehrt,und daraus entstanden große Sammlungen solcher Regeln. Auch hierin zeigte sichbald eine gewisse Unzuverlaßigkeit, wodurch diese Hausregeln an Glaubwürdigkeit,wenigstens für die Voraussicht auf mehre Monate, verloren. Das erneuerteStudium der Physik, welches besonders in Deutschland vor der Mitte des dreißig-jährigen Kriegs begann, bekam seit Erfindung der Luftpumpe, der Barometer,Thermometer und a. meteoroskopischen Instrumente bald eine andre Richtung;wenigstens trugen sie zu bessern Begriffen vom Lichtkreise bei. Jetzt glaubte manjedoch das wahre Wetter- und Witterungsorakel gefunden zu haben. Man sahjene neuerfundenen Werkzeuge für die sichersten Verkündiget der Wetterveränte-rungen an. Jeder Besitzer eines solchen Wetterglases, denn so nannte man dieLuftschweremeffer (Barometer), wollte an dessen hohem oder tiefem Stande desQuecksilbers den Zustand des Lichtkreises bloß aus dessen Dichte und Federkraft er-kennen. Über die Ursachen des Steigens und Fallens der Barometer, sowie überden Zusammenhang der Witterung mit der Dichte der Luft, entstand eine großeAnzahl von unzureichenden Hypothesen, und dies veranlaßte die Erfindung einerMenge ähnlicher Meßinstrumente. Aber man ist bei ihrer vielfältigen Vermehrungund allen Verbesserungen m der Wi.terungskunde um nichts weiter gekommen,so viel man sich auch selbst noch in unsern Tagen damit beschäftigt hak. WelcheVortheile werden oder sollen unsere Nachkommen auch davon haben? Etwa denCyklus von 19 oder einer andern beliebigen Anzahl von Jahren, nach deren Ab-lauf dieselbe Witterung wiederkehrt? — Innerhalb eines Jahrhunderts wird esunstreitig mehre Jahre geben, die nach Beschafftnheit ihres Witte, ungscharaktcrs,sowol in Rücksicht oufdieWintcr- als Sommermonate, einander ähnlich sein »lö-sen. Wo findet man aber wol bei Derglcichung gleichartiger Gegenstände nichtÄhnlichkeiten heraus? Menschengestalten, Gesichter und Charaktere, Thiere undPflanzen, Fossilien und Tage, Gegenden und Gedanken sehen oft einander so ähn-lich wieZwillingSgeschwifler, und sind dennoch verschieden und einander fremd, wiedies schon Leidnitz gelehrt hat. Alle diese Instrumentalbemühungen und Beobach-tungen, wohin auch die der pfalzbairischen m.keorologjschen Gesellschaft und derBeitrag zur Witterungekunde von dem verdienstvollen 1). Schön zuWürzburg ge-hören, dürften daher wol zu keinen befriedigenden Ergebnissen im Allgemeinen füh-ren. Daß sich jedoch emst, wenn diese allgemeinen und besondern, oder Zonal undklimatischen Gesetze für die W tkerung und deren Voraussicht aufgefunden seinwerden, ein nicht unbeträchtlicher Nutzen für die Lccalwitterung daiven ermatten