Witterungskunde 851
läßt, wird Niemand in Abrede stellen. Sobald nur einige scheinbare Ideen durchdie vielfältigen Instrumente aufgeregt waren, da entstand auch eine Menge vonWagesätzen über Wetter und Witterungen, deren Geschichte der Abt Richard(„Ilisloiro nniurelie cle l'sir et cle; mäi -äores", Paris 1770, 1 Thle., deutsch Fkf. 1773) aufzählt. Lartesius bemühte sich im 17. Jahrh., alle Lufterscheinun-gen mechanisch, Stahl chemisch, de Luc physisch und Toaldo selemsch, d.h.durchden Einfluß des Mondes, zu erklären. 1724 gab Pater Lotte zu Paris zuerstein Lehrbuch der Meteorologie heraus, das auch s. großen Mängel hatte. So schä-henswerlhe scharfsinnige Bemerkungen und Erklärungen man in demselben, wie inden Schriften der Herren v. Saussure, de Luc, Horrebow zu Kopenhagen , und inden Werken franz. und engl. Gelehrten (s. älemoire« cle l'.ao.'ttlemie cle, reie:»-ucs" und„pliiloioz>>.ic->I ti!>n»-x:l>uils") über meteorologische Gegenstände findet,so läßt sich doch das Unsichere und Schwankende in diesem Theile des menschlichenWissens auch darin nicht verkennen. Ebenso schränken sich die mühsamen Unter-suchungen eines Lambert, Mayer und Gatterer mehr auf klimatische und Locol-witterung ein und verfehlen den Überblick des Ganzen. Die Witterungekundekann daher nie Fortschritte machen, so lange man auf den alten Landstraßen, denBeschäftigungen mit Localwettererscheinungen, mit Beobachtungen der Barome-ter: und Thermometerstände, sortwandert. Wer kann sich beim Anblick einesStückchens Mauerwand oder Abputzes aus den Kammern von Herculanum undPompeji einen Begriff von der Bauart der alten Römer machen? Ebenso wenigwird man von einzelnen Veränderungen, welche die meleoroskopischen Werkzeugein einer mehr oder weniger eingeschränkten Gegend von dem über ihr befindlichenLuftkreiszustande anzeigen, auf die Witterung im Allgemeinen einen richtigenSchluß machen können. Es verdient daher dieser Theil der Naturkenntniß eineallgemeine Revision durch sachkundige Männer, die eine richtigere Bahn nach fe-stern Grund- und Erfahrungssätzen betreten. Welchen unübersehbaren großenNutzen würde aber eine zuverlässigere Witterungskunde für die Landwirthschaftund das menschliche Leben überhaupt gewähren! Dahin kann uns jedoch nur dieErforschung der hierzu erfoderlichen allgemeinen Naturgesetze und ihrer Modalitä-ten führen. Sobald wir diese Haupt- und Grundursachen aller Erscheinungen derVeränderungen in unserm Dunstkreise genauer kennen, dann wird und muß sichauch die Witterung als eine nothwendige Folge jener Vordersätze vorherbestimmenlassen. Eine systematische Witterungskunde ersodert Gewißheit, Gründlichkeit undDeutlichkeit. Beim Aufbau einer solchen Lehre muß man außer den oben bereitsangeführten Sätzen Folgendes berücksichtigen. Alle Wilterungserscheinungenmüssen in 3 Haupiclassen eingetheilt werden, nämlich in allgemeine oder Zonal-,besondere oder klimatische, und in die besonderste oder Localwiiterung. Durch dieerstere wird der Charakter der Witterung eines ganzen Erdtheils oder Landes unterEiner Breite und Länge bestimmt; die andre zeigt die Abänderungen dieser Wit-terung nach den eigenthümlichen Beschaffenheiten und nach der Lage einzelner Ge-genden oder Provinzen an; und die drill« beschäftigt sich mit dem Wetterwechsel ineinzelnen Örtern. In Berücksichtigung dieser Eintheilung kommt es auf den Über-blick des Ganzen der dreierlei Erdgürtel, aus die Kenntniß der Beschaffenheit desBaues einzelner Gegenden, und dann auf die Lage und Umgebungen besondererÖrter und die bisher in denselben gemachten Erfahrungen in Absicht des Wetter-wechsels an. Die Hauptursache aller Witterung liegt in dem jährlichen Fluge desErdballs um die Wonne und in der unablässigen Ab - und Zuneigung ein-S oder desandern Theils seiner Oberfläche von und zu ihr, wodurch der Stand der letztemin jedem Augenblick bestimmt und die Einwirkung der Sonnenstrahlen auf die ih-nen entgegenstehenden Körper mehr oder weniger befördert werden muß. Nach derLage und Beschaffenheit eines Landes wird nun durch dieses fortwährende Ab - undZuwenden des Erdballs von und zu der Wonne bald eine größere, bald eine geringere