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Witz
Witzige» das Sinnreiche überhaupt, besonders aber sofern es in Worten ausge-spi-ochen wird (die Franzosen sagen daher I>on mal). Der Witz zeigt sich um somehr als Fertigkeit, je leichter er Dasjenige verknüpft, was für den gewöhnlichenBlick in keiner Behebung zustehen scheint, mithin je ti'fer die Ähnlichkeit liegt,ferner je reicher er selbst an Auffindung solcher Beziehungen ist. Er w rd als Ta-lent sehr unterstützt durch Lebendigkeit, Leichtigkeit und Mannigfaltigkeit der An-schauungen, Lebhaftigkeit der Einbildungskraft und damu verbundene Übung undFer.igkeit im Dergleichen überhaupt; w ßhalb ihn Jean Paul auch den angeschau-ten Derstand zu nennen scheint. Er äußert sich ebensowo! im Erkenntnißgebiete alsim (Gebiete der Kunst und des gemeinen Lebens, in Reden und Handlungen, sowolernst als belustigend. Dis Belustigend- desselben aber beruht vorzüglich auf derschnellen und spielenden Äußerung der VerstandeSihätigkeit, und ist um so größer,je mehr es durch sinnreiche Beziehung ungleichartiger Gegenstände überrascht, undun> so lächerlicher, je größer und anschaulicher derEontrast der vergl chenen Gegen-stände ist. Letztere Art pflegt man wol auch vorzugsweise Witz zu nennen, und dieEinfälle desselben eischtinen dann gewöhnlich unter der Form der Ideenassoclationund werden oft durch Vergesellschaftung der Vorstellungen hervorgerufen. Imletzter» Falle, und insofern sein Zweck keine ernstliche Belehrung. sondern die spie-lende Äußerung der Kraft sein einziger Zweck ist, ist er im vollen Smne des Wor-tes spielende Urtheilskraft. Hier kommt es nicht darauf an, ob die Ähnlichkeitoder Verschiedenheit in der Wirklichkeit epistirl, oder bloß durch Vorstellung derEinbildungskraft scheinbar hervorgebracht ist. Indessen darf der Schein doch nichtwillkürlich sein (denn der Witz ist feine Urtheil-Kraft), und selbst das Scheinver-hältniß, welches er aufstelle, muß einen Grund haben, in einer, wenn auch nochso geringen, Beziehung, welche man deiiVergleichunzspunkt (wrtluni oo,„p >,a-tionis) nennt. Je tiefer, treffender und sinnreicher dieser Vergleichungspunkt er-griffen ist, desto sinnreicher und tiefer ist der Witz, und um so schaler und leichter,je zufälliger tiefe Beziehungen, und je leichter sie auch dem allkäalichsten Kopfe i»die Augen fallen. In Rücksicht seiner Gegenstände ist der Witz Sach, oder Form-witz; letzterer geht auf die Beziehung der Gegenstände (dahin gehört z. B. dasWortspiel), ersterer aber aufGezenstänte der Wahrnehmung oderDegriffe. BeideArten des Witze« sind in Hinsicht ihrer Darstellung eigentlich, wenn der Witz sich-vn die Wahrnehmung und den eigentlichen Ausdruck hält, oder uncigentlich undbildlich, wenn er das Sinnliche mit dem Nichtsinnlichen, oder umgekehrt, ver-gleicht. Man redet auch von einem scharfsinnigen Witz; das ist nun entweder einsolcher, welcher durch Blicke in das Wesentliche und Innere der Dinge entspringt,oder man wi!l damit bezeichnen den Witz. der sich der Unterscheidungen und Ent-gegensetzungen des Scharfsinns scheinbar odcr alsMittel zuDergleichungen bedient.Was seine Wirkungen anlangt, so ist der Witz im Ganzen eine heilsame Gabe derNatur, wenn dieFreiheit, die in der spiel.»den Thätigkeit desselben liegt, den Be-schränkungen der Einftitigkeit, Pedanterie und Schwerfälligkeit entgegenwirkt.Doch kann er, wo er herrschende Thätigkeit wird, auch dem Verstände und Ge-fühle nachiheilig wirken, und führt oft zu Kälte oder zur Zerstreuung, im höher»Grade fipirt, zur Abspannung des G istee und Aberwitz. Selten auch ist der bloßeWitzige geliebt. Daher niuß sich der Witz mit andern Vorzügen des Geistes ver-binden. Und er ist vorzüglich angenehm, wo er mit Gutmüih.qkeit sich verbindet;vermieden und gehaßt insbesondere, wenn er, als Spott, die Absicht hat, zu ver-letzen. Der Witz kann, weil er Talent ist, nicht Zweck der Erziehung sein. DieEntwickelung desselben aber wird besonders durch mannigfaltiae und lebhafte An-schauung, leichten geselligen Umgang und heitere freie Verhältnisse begünstigt.Durch freien geselligen Umgang wird ein gewisser Takt in der Anwendung des Wi-tzes hervorgebracht, ohne welchen der Witzige leicht zum Witzbold wird, d. h. zueinem Menschen, der Witz am unrechten Orte anwendet oder verschwendet. ll.