Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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378 Wollust Wolsey

Theologie studirt und wurde 1159 Prediger zu Großbehnitz unweit Berlin. Nach-dem er s. Predigersteile niedergelegt hatte, ward er Kammerrath des Prinzen Hein-rich v> Preußen; denn er hatte sich durch Schriften als einen Mann bewährt, derauch im Gebiete der Ökonomie nicht unbedeutende Kenntnisse besaß. 1186 warder vom K. Friedrich Wilhelm II. in den Adelstand erhoben und zum Geh. Oberfi-nanzralh und Intendanten des königl. Bauwesen« ernannt, bis er 1188 Ministerwurde. Er wußte sich auf die Person des Monarchen einen großen Einfluß zu ver-schaffen, und da er zugleich in mehren geheimen Ordensverbindungen stand, so ge-lang es ihm, sich des seinem Geschäftskreise eigentlich fremden Ministeriums zu be-mächtigen. Nach dem Tote Friedrich Wilhelms l l. erhielt er s. Entlassung, undlebte nun auf einem seiner Güter, Großriez bei Beeskow in Brandenburg , wo er1800 starb. In s. frühern Jahren hatt» er die Landwirthschaft und Ökonomieüberhaupt praktisch geübt; s. Werke darüber sind in Meusel's „Gelehrtein Deutsch-land" verzeichnet, z, D. Franz Home'« „Grundsätze des Ackerbaus und desWachsthums der Pflanzen, a. d. Engl , m, Anm.". Auch Predigten hat er druckenlassen, und insgeheim verschiedene rosenkreuzerische Reden, da er diesem Ordenangehörte und viel dafür gewirkt haben soll. Sein Ortensname war hier: Chry-sophiren,

Wollust ist in moralischer Bedeutung der Hang zur sinnlichen Lust, und imengsten Sinne zur Geschlechkslust. Sie macht nicht nur die niedere Seite im Men-sche» zur herrschenden und ist insofern überhaupt vernunftwidrig, sondern sie machtauch durch ihre Ausschweifungen den Körper untüchtig, dem Geist als Werkzeug derVernunft zu dienen, und zerstört die Achtung vor der Menschenwürde Andrer. Sieist somit der größte Feind der häuslichen, bürgerlichen und menschlichen Gesellschaft.Ihr steht die Enthaltsamkeit und Keuschheit in hoher Würde entgegen, welche demGenuß nur sofern sich hingibt, als er durch die Pflicht gestattet ist.

Wolsey (Thomas), Cardinal , Erzbischof von Pork und StaatsministerHeinrichs VIII. v. England, war von niederer Herkunft — der Sage nach derSohn eines Fleischers zu Ipswich —, besaß aber große Talente. Er studirke zu Ox-ford , wurde dalelbst Lehrer der Grammatik, bekleidete nachher einige geringe Stel-len und wurde endlich Capellan und Almofenier des K.Heinrich VI >. Bei dem Sohneund Nachfolger desselben, Heinrich VIII. , wußte er sich so in Gunst zu setzen, daßer bald eine große Gewalt erhielt. Er bekam nach und nach verschiedene Bisthü-mer, wurde eichlich Erzbischof von Pork, Großkanzker von England, und erlangtedurch diese WiMe einen höchst bedeutenden Einfluß auf die damaligen öffentlichenAngelegenheiken^Mpas. Der Friede zwischen Heinrich Vlll, und Ludwig Xll.(1511) war vorzüglich s. Werk. Karl I. (V.) v, Spanien und Franz I. v. Frank-reich bewarben sich Wechselsweise um die Gunst des Alles vermögenden Miwsters.Franz verschaffte ihm (1515) den Cardinalshut, und Papst Leo X. ernannte ihnzugleich zum Legaten n Intere für England. Bei der persönlichen ZusammenkunftHeinrichs und Franz l. (1520) in dem wegen des daselbst gehaltenen prächtigen Tur-niers sogen, tl.nnip sie ür.np ck'or. zwischen den Städten Ardres und Guines, warauch W. zugegen und zeigte s. Prachtliebe durch einen verschwenderischen Aufwand.Heinrich VIII. hielt zwischen den beiden mächtigen Nebenbuhlern Franz und Karldas Gleichgewicht. Eine Zeit lang neigte er sich mehr auf die Seite des Letzter»,aber der von Frankreich wiedergewonnene W. zog ihn davon ab und lenkte ihn zu derfranz. Parte». Bei der Ehescheidung Heinrichs VIII. von s. Gemahlin, Katharinav. Aragonien , war W. sehr thätig. Er beförderte die Liebe des Königs zu der schö-nen Anna Boulen, um ihn dadurch von den Staatsgeschäften zu entfernen, Auchward ihn», zugleich mit dem Cardinal Campeggio, vom Papste Auftrag gegeben,in dieser Sache zu sprechen. W.'s Ehrgeiz ging so weit, daß er selbst nach der päpstl.Krone strebte, wozu ihm Karl V. Hoffnung gemacht hatte. Aber er verlor uner-