Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
379
JPEG-Download
 

Weltmann

879

wartet die Gunst des sehr veränderlichen König«, wozu Anna Bouken vielleicht bei-getragen hatte; es ward ihm das große Siegel abgenommen, und er wegen s. Hand-lungen vor dem Parlament angeklagt und (1530) in s Erzbisthum H>ork verwie-sen. Hier ward er'verhaftet und sollte nach London in den Tower gebracht weisen,starb aber unterwegs, in der A' tei zu Leicester, in einem Alter von KOI. S. G.Cavendish's „bäte of 6->r<I. XV'oI»«^" von I. W, Singer (Land. 1825, m. Anm.)und Ge. Howard: „Hie Ourcl. XVolre^ aiul bis liines courlH, ^otitical auckc«Llo»i,iitio:>l" (London 1824).

Wolimann (Karl Ludwig v.), ein deutscher Geschichtschreiber, geb. zuOldenburg d. 9. Febr . 1510, ward durch seines Vaters Dienstverhältnisse zu demGrafen Lynar, einem der reichsten wie der kenntnißreichsten Diplomaten, schonfrüh mit dem Leben der Hähern Welt vertraut, besonders da sein Vater auf alle Artdie Phantasie des Knaben durch ergreifende Schilderungen berühmter Zeitgenossen,großer Höfe, geheimer Begebenheiten zu erregen wußte. Schon als IsijährigerJüngling sprach er diese Richtung in Oden, Hymnen und Gedichten aus; er lebteund webte mit Homer, Ossian , Klopstock, Höliv, die s. Gefühlen am meisten zu-sagten. JnGöttingen, das er 1588 bezog, widmete er sich weniger der RechtS-kunte als dem Studium der alten und neuen Sprachen, bis ihn plötzlich die Ge-schichte so mächtig ergriff, daß er beschloß, ihr allein zu leben. 1592 ging er nachOldenburg zurück und hielt Vorlesungen über die Geschichte für die Schüler desGymnasiums daselbst. Um sich diesen Wirkungskreis auf einer Universität zu er-öffnen, begab er sich wieder nach Götlinoen. Aber der akademische Ritus und s.Armuth setzten ikm unübersteigliche Hindernisse entgegen, und erst Bürger, der s.für Schill rs „Thalia" bearbeiteten, aber darinnicht aufgenommenen „OttoIII."trefflich fand, öffnete ihm ein neues Feld, das der historischen Schriststellerei. W.schrieb (1594) s. „Geschichte der Deutschen in der sächs. Periode", deren 2. Bd. nieerschien, die aber auch keinen kräftigen Lebenskeim in sich trug. Die franz. Revolu-tion ergr ff ihn jetzt auf eine Weise, tie ihm viele Feinde zuzog. Er sah in ihr einenRiesenschritt zur Vervollkommnung des Menschengeschlechts und entsagte seinemVakerlande darum ganz. Don Spilster begünstigt, eröffnete er historische Vorle-sungen, die zahlreich besucht wurden, und s. Recensionen in den „Götting'schen An-zeigen" bereiteren ihm einen Ruf nach Jena , wo er als Lehrer der Geschichte undals Schriftsteller gleich thätig war. Namentlich arbeitete er hier s. „Altere Menschen-geschichke"(eine verunglückte Anwendung Kanl'fcherAnsichten),s. „Geschichte Frank-reichs", s. „Kleinen histor. Schriften" au«, und ging bereits an s, Übersetzung desTacilus. 1598 machte er eine Reise ins Vaterland, über den Harz nach Preußens Hauptstadt u. s. f. Getäuscht in den Aussichten, zu Göklingen angestellt zu werden,gefesselt an Berlin durch s. Zeitschrift: „Geschichte und Politik", die 1800 begann,aber wie er sagt, durch den Censurzwang und die Cabinetsbesehle gelähmt, niezu Kraft, Einfluß und Werth gelangte, war er endlich so glücklich, hier in diplo-matischen Verhältnissen als Resident des Landgrafen v. Hessen - Homburg , alsGeschäftsträger der Etädle Bremen, Hamburg, Nürnberg angestellt zu werten,wobei er als Schriftsteller in s. „Geschichte der Reformation" mehr leistet», als imGanzen genommen anerkannt wurde. Seine diplomatische Laufbahn aber warddurch die Lage der Dinge von 180K gestört, und er arbeitete daher um so fleißiger,von s. liebenswürdigen, eben mst ihm verheirotheten Gattin, Karolina Stvsch, un-terstützt, an mancherlei Werken. So vollendete er jetzt beinahe s. Übersetzung desTacitus, s. „Geschichte des westfälischen Friedens rc.", ein vorzügliches Werk, biser im Sommer 1813 krank und kraftlos nach Prag ging. wo er bis zu seinem To-de (1815), den ein Schlagfluß herbeiführte, mit historischen Arbeiten kleinerer Artbeschäftigt war, außerdem aber auch eine „Geschichte Böhmens" in 2Thln.schrieb,die unter uns weniger bekannt ist. Wiewol W.'S sämmtlichen Werken der Stem-pel einer Hähern Vollendung fehlt, so zeigen sie doch alle ein geniale« Talent, das