Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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Wundarzneikunst Wunder 3S5

stoßen Schuldnern durchwinden, und sich Demüthigungen, auch Gewaltthaten ge-fallen lassen, um sich durch Geldgewinn zu entschädigen. Daher die Verächtlich-,keit, welche auf dem Gewerbe der Geldwechsler (Camploren) lag. Im Mittel;alter kam dazu, daß man wegen mißverstandener biblischer Stellen alles ZinSneh-.men für Sünde und Wucher erklärte, was die Folge hatte, daß die Gelddarleibersich durch versteckte Zinsen, Renten und Gültenkauf, Kauf von Gütern mit Vorderhalt des Rückkaufs u. dgl. zu helfen suchten. Die Geistlichkeit, im Bcsttz d'S mei-sten baaren Geldes, ging hier mit einem guten Beispiele voran. Nach und nachwurde dar Nehmen offener Zinsen wieder erlaubt, allein Reichs- und Landesqe-setze wetteiferten, theils einen geschlichen Zinsfuß festzuhalten, theils alles N-bmenhöherer Zinsen als Wucher zu bestrafen. Jene« war meistens 5 vom Hundert jähr-lich (Rom hatte 1 Procent monatlich cente.5im.15, also 12 Proc. jährl.); ob der 6.Ainsthaler erlaubt sei, ist lange gestritten worden. Für kleine Darlehen auf kurzeZeit, für Wechselgeschäfte und den Handel überhaupt, vorzüglich aber Seehandelund andre gewagte Geschäfte, läßt sich gar kein Zinsfuß festhalten. Den Wucherhestraftn die Reichsgesehe mit Verlust eines Vierth As des Capital-, an welchem derWucher getrieben worden ist: eine sehr unqleiche Bestrafungsweile, bei welcher einzu viel genommener Thaler in dem einen Falle mit wenigen Thalern, im andern mit1 Mill. und noch mehr bestraft werden könnte. Diese Gesehe haben den Wuchernicht ausrotten können , weil der Geldsuchende in der Noth sich doch den Klauen desharten Wucherers preisgibt, und umgekehrt das Nehmen eines größer« Gewinnsbei unsicher« Darlehen unvermeidlich ist. Der menschliche Witz ist auch sehr gelchäf,tig gewesen, für die verbotenen Zinsen Masken zu erfinden, sodaß beim Empfangedes Darlehns der Schuldner schweigen muß, weil er sonst kein Geld erhält, undbeim Zurückzahlen selten einen Beweis des Wuchers hat. Daher ist schon oft davondie Rede gewesen, alle Wuchergesetze aufzubeben, was aber auch bedenklich seinmöchte. Aber die Strafen könnte man abschaffen, wenn man nur ein gewissesZinsmaß (für das gewöhnliche Verkehr außer dem Handel) für klagbar erklärte, unddem Schuldner das Zuvielqezahlte etwa doppelt zurückzufedern erlaubte. Mit Bent-ham'z „Vertheidigung des Wuchers w." (r. d. Engl . von I. A. Eberhard, Halle1788) vgl. man v. Sonnenfels's „Abband!, über Wucher u. Wuchergesetze" (Wien 1789 und 1791); s. auch I. C. Rotb's „Abhandlung über den Wucher und dieMittel, demselben ohne Strafgesetze Einhalt zu thun" (Nürnberg 1793).

W un d a r z n e i k u n st, (.Chirurgie.

Wunder sind Ereignisse, welche Denen, die sie sahen, eine solche Verwun-derung abnöthigten, daß sie ihnen nach den bekannten Gesetzen der Natur und desgewöhnlichen Welilaufs unerklärlich erschienen. Sie stehen daher immer in Bezie-hung auf unsern Verstand und sind für diesen unerklärbare Wirkungen, welche mitden bisher erkannten Kräften und deren Äußerungen zu streiten scheinen. Die Er-zählung von Wundern, die sich vormals zugetragen haben sollen, wird un« daheruni so dunkler bleiben, je weniger wir befriedigend aurzumitteln vermögen, mit welchenAugen die unmittelbaren Zeugen und ersten Erzähler solche Ereignisse angesehen haben.Wundergeschichten aus unserer ode/ einer nicht lange vergangenen Zeit lassen sich vielleichter erklären als.Nachrichten dieser Art auS eineremlegcnen Vorzeit; und sind dieErzähler über den Verdacht einer absichtlichen oder unabsichtlichen Täuschung erha-ben, so scheint der Glaube an ihre Wahrhaftigkeit dl« sicherste Auskunft. Mit denWundergcschichten in der Bibel verhält e« stch so; und da die meisten derselben ganzkurz, ja alle ohne eine zur Beurtheilung hinlängliche Angabe der Nebenumständeerzählt sind, so mußten freilich die sogen, natürlichen Erklärungen Versuche bleiben,d>e mehr oder weniger den über sie verhängten Tadel der Willkür verdienen. AlsBeweise für die Göttlichkeit der Sache Jesu hatten seine Wunkerthaten zunächstnur den Zweck, seine Zeitgenossen aufmerksam und gläubig zu machen; uns w«rr