3!)6 Wunder der Welt Wunderbar in ästhetischer Hinsicht
den sie aber erst durch die Göttlichkeit Jesu selbst und durch die innere, ewige und all-gemein gültige Wahl heil seiner Lehre beglaubigt. — Die Frage, ob Wunder möglichsind, beantwortet zum Theil der oben gegebene relative Begriff des Wunders. Umwissenden Menschen erscheint Vieles wunderbar, was ein mit genauer Kenntniß derNatur und der Wirksamkeit ibrer verborgenen Kräfte bereicherter Geist (vgl, Ma-gnetismus) ganz in der Ordnung und nur in demSinne wundervoll findet, wiees die Entstehung des geringsten Grashalmes ist. Der Kirchenvater Augustinus sagt: „Gott thut in den Wundern Nichts wider die Natur; ungewöhnliche Dingeerscheinen uns widernatürlich, aber nicht Gott, der die Natur gemacht hat". Nachihm setzt Luther hintu: „Die Wunderwerke, so täglich in der Welt geschehen, sindgrößer, als die von Christo geschehen sind, da er auf Erden lebte. Gott hat ihm etli-che kleine und seltsame Wunderwerke fürbehalten, daß er uns aufwecke, und durchein solch sonderlich (einzeln hervortretendes) Wunder weise und führe in die täg-liche» Wunder der weite» Welt". Aber wir dürfen auch nicht vergessen, daß derhohe, gottbegeisterre Mensch eine höhere Macht über die Natur ausübt und ihreKräfte genauer kennt und versteht, mit welchen er zu heiligem Zwecke wirkt. K.
Wunder der Welt (die sieben). Unter diesem Namen hat man gewisseDenkmäler der Kunst verstanden, die entweder ihrer ungeheuern Größe und Daueroder ihrer ausgezeichneten Schönheit wegen so unübertrefflich scheinen, daß man siedieWunder der Welt, und da gerade ihre Zahl nur 7 ausmacht, die 7 Wunder derWelt genannt hat. Es waren: 1) die ägyptischen Pyramiden (s.d.), an derenStatt von Einigen der PharuS (s. d.) von Alexandrien hierher gerechnet wird;2) die Mauern und 3) die sogen, hängenden Gärten zu Babylon (s. Babylonund Semiramis); 4) der Tempel der Diana zu EphesuS (s. d.); 5) dieBildsäule des olynipiiche» Jupiters (s. Jupiter ); 6) das Mausoleum (s. Artc-misia und Mausoleum); 7) der Koloß zu Rhoduö (s. Koloß). Doch mußman nicht glauben, daß dieses die einzigen, ja auch nur de ei sten Werke gewesenseien, welche die erhabene Größe des Alterthums bezeichnen. Diesen Wunderkreis,den die Griechen erst nach Alexanders Zeit zusammensetzten, beschrieb Philo der By-zantiner, dessen Buch: „I)v.«-pton, u> >,!.<: ^zirci." (>>ltt. < >,,gn. Lpz. 1316) zuerstder Bibliothekar derVaticana. Leo AllatiuS, 1649 herausgab. Schinkel in Berlin hat die Ansichten von jenen Wunderbauen für Gropius's d. A. Theater acmalt.Hirt bar über das Mausoleum und den Tempel der Diana. O,ualrem> re de O.uincyüber den o'ympischen Jupiter , und die „Dem, Plio» ,!'I pw" über andre Kunst-baue des Alterthums viel Lehrreiches gesagt. — Wunderkinder, frühreift,wie z. B. das lübecksche Wunderkind, Christian Heinrich Heinecke, geb. zu Lübeck d. 6. Febr. 1721, gest. d. 27. Juni 1725, oder der 7jährige Vinc. Zuecaro in Pa-lermo , welcher 1829 die schwierigsten arithmetischen Aufgaben löste. (Vgl. die Art.Erotch, C> ichton und Witte.)
Wunderbarin ästhetischerHinsicht. Der BegriffdesWunder-baren in ästhetischer Hinsicht setzt den Begriff des Wunderbaren überhaupt voraus.Wunderbar nennen wir nur, was von dem uns bekannten Gange der Natur abwei-chend scheint. Ob es wirklich davon abweiche, darauf kommt bei diesem BegriffeNichts an, All-S aber darauf, daß der Gegenstand, wegen der schnell verändertenRichtung unsers Gedankenlaufs, wegen des Überraschenden, Neue», Seltsamen,Unbegreiflichen oder wenigstens noch Unbegnffenen, einen Zustand in uns hervor-bringt, welchen wir den Zustand der Verwunderung oder Bewunderung nennen.Oft erscheint uns daher auch schon das lebhaft Überraschende, Seltsamere., wennauch nicht gerade das Abweichen von der gewohnten Ordnung der Dmge überhaupt,als wunderbar. Daher liegt der Reiz des Wunderbaren nicht bloß in dem R ize derNeuheit überhaupt, sondern wenn wir den Begriff strenger fassen, in deni stre-ben unsers unendlichen Geistes, das Räthselhafte zu lösen und in die verborgenen