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Wunderbar in ästhetischer Hinsicht
Tiefen der Natur zu schauen. Das Wunderbare scheint uns einen solchen Blick zueröffnen, daher lieben wir dasselbe, und die Kunst, ihrem innern Ursprünge nachauf das Wunderbare deutend, bewegt sich gern in dessen Gebiete, Hieraus ent-steht das ästhetische Wunderbare, das ist Dasjenige, was durch den Wchein desWunders gefällt. Dieses ist aber der Fall, wenn es, m sich lebendig, unsererPhantasie ein unbegrenztes Feld der Thätigkeit eröffnet, und uns durch seine Be-deutung über das Gewöhnliche und Alltägliche erhebt, woraus sich ergibt, cin.S-theils, wie sehr das Wunderbare mit dem Erhabenen verwandt ist, anderntheils»das, auch das Seltsame den Schein des Wunderbaren verliert, sobald es uns ge-wöhnlich wird. Mit dem Erhabenen ist es aber inebcssndere verwandt, weil wirin diesem die Wirkung einer ungewöhnlichen Kraft erblicken, die in unS daS Gefühlder eignen freie» Kräht erweckt und uns über die irdische Natur erhebt. Erscheintuns in dem Wunderbaren die Wirk ung übermenschlicher Kraft, welche unserer Kraftsich drohend entgegenstellt, dann ist das Wunderbare zugleich furchtbar; aber hierhängt viel von der größer» oder geringern Ausbildung d-s Geistes ab. Indessenkann das Wunderbare auch in fr.und.'icher, aninuihiger Gestalt erscheinen, wie z. B.in den Feenmarchen, in Wieland'S „Oberen"-c. — In welcher Form es abererscheine, so darf doch, wie wir in der obigen Bestimmung andeuteten, das ästhe-tische Wunderbare nie ohne Bedeutung teui und auf ein kindisch-S Gaukelspiel derPhantasie hinwirken. Denn die si,Nischen Formen, uimr welche» die Kunst, dieDarstellerin des Schönen, wirkt, sind nicht schön ohne Belebung durch Ideen,deren Ausdruck sie enthalten sollen. Und so soll also auch das leichtere Märchen,als Erz.ugniß der Dichtkunst, einen poetischen Sinn enthalten. Natürlich ist esaber wol, daß da, wo das Wir» erbare in der Kunst sich reizt, derselbe Grad vonVerständlichkeit nicht stattfinden kann, dessen sie sonst wol fähig ist; denn es liegtin der Natur des Wunderbaren, daß dasselbe, indem es uns Etwas gibt, noch weitMehres verbirgt. So ist auch das Wunderbare dem Wahrscheinlichen, nicht aberdem Wahren entgegengesetzt. Denn wahtscheinlich ist, was den Schein des wirklichGeschehenden und mithin zugleich des Gewöhnliche» hak; aber die Wahrheit derKunst erfodert nu» innere Übereinstimmung des Dargestellten. Um dieser Wahrheitwillen mißfällt »ns sogar jene geschmacklose Vermischung der gemeinen Wirklichkeitund i eS Wunderbaren in vielen Erzählungen, und man inuß sogar das Romanhaftevon dem Romantischen wohl unterscheiden. — Da« Wunderbare wird aber durchdie Natur der besondern Künste besonders modificirt. Anders erscheint es in derPoesie, anders in den bildenden Künsten. Ar» größten und unbeschränktesten istsein Wirkungskreis in jener. Denn durch den ausgesprochenen Gedanken läßt sichdas Unbegreifliche und Ungewöhnliche am leichtesten vor die Phantasie führen, unddurch Schilderung übermenschlicher Thaten und Wesen andeuten und darstellen.Namentlich tritt das Wunderbare hervor im Gedichte (s. d.), welches seine erha-benen Gegenstände in die günstige Ferne der Vergangenheit stellt, und vorzüglichin der eigentlichen Epopöie, die als Urgedicht und Sage einer Nation ausdie dunkleZeit ihres Ursprungs und ihrer ersten Kämpfe deutet, aber auch in ihren späternFormen das Wunderbare gern als seinen Bestandtheil aufnimmt, wie im Mär-chen. Beschränkter ist die Erscheinung des Wunderbaren im Drama. Denn hiertritt es in die helle, sinnliche Gegenwart, und kann sehr leicht in Gaukelei der Sinneausarten. Am meisten ist es einheimisch in der romantischen Oper, und die Musik,welche die Tiefen des Gefühls aufregt, ist in dieser Verbindung mit der Poesie amfähigsten, die Wirkung des Wunderbaren hervorzubringen. Die bildenden Künste,welche ihre Werke für das Auge sixiren und die Formen der Natur nachbilden, sinddazu weniger geeignet; am meisten jedoch unter ihnen die Malerei, welche sich derätherischen Scheingestalt bedient, und die Bewegung der Mimik in ihren Figurentäuschender nachbildet als die Plastik und Architektur, welche in dem Bestreben nach