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Zwölfter Band. W bis Z.
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Tenien

Tenokrates

punijchen Kriege den Carthaginensern mit einem nur kleinen Heere gegen die Rö-mer zu Hülfe geschickt wurde. Der römische Consul Regulus hatte die weit über-legene Flotte der Carthaginenser besiegt, die Landung in Afrika bewerkstelligt, diecarthag. Feldherren geschlagen, und war bis gegen Carthago vorgedrungen. Dieharten Friedensbedingungen, welche er den Besiegten vorschrieb, brachten diese zurDerzweisiung. Sie übertrugen dem L. den Oberbefehl über ihr Heer. L. lockte dieRömerin eine für sie nachteilige Stellung, schlug sie mit großem Verlust undmachte selbst ihren Anführer, Regulus, zum Gefangenen. Die Carthaginensererhielten dadurch wieder ein Übergewicht über die Römer. Aber so viel sie auch demT. dabei zu danken hatten, so fürchteten sie doch aus einer kleinlichen republikani-schen Eifersucht, daß er ein zu großes Ansehen erlangen möchte. Sie schickten ihndaher nach Lacedämon zurück, gaben aber insgeheim den Auftrag, ihn auf der siHer-fahrt nach Europa aus dem Wege zu räumen. Doch scheint diese Beschuldigungkeineswegs erwiesen, und einige griech. Schriftsteller lassen ihn wohlbehalten insein Vaterland zurückkehren.

Tenien (von dem griech. Worte Xenio», Gastgeschenk), Geschenke, dieman den eingeladenen oder zum Besuch gekommenen Gästen bei den Griechen undRömern >u geben pflegte. Der bekannte römische Epiarammatist Martial gabdie Überschrift: „Lernen", dem 13. Buche s. Sinngedichte — einer Anzahl Di-stichen, die er seinen Freunden und Gönnern widmete, und deren jedes unter derRubrik irgend eines zu einem Gastmahle gehörenden Gegenstandes Lob oder Tadelenthält. Unter demselben Namen erschien in Schiller'S „Musenalmanach" für1197 (Tübingen , bei Cotta) eine Anzahl von mehr als 100 Distichen, welche aufden damaligen Zustand der Gelehrsamkeit in Deutschland Bezug hatten, manchesliterarische Unwesen mit Laune und Geist rügten, schlechte Lpchriftsteller mit fei-nem, öfter mit bitterm Spott geißelten, bisweilen aber auch feine und treffendeBemerkungen über Welt - und Menschenleben überhaupt enthielten. Als Vers.derselben nannte man öffentlich Görhe und Schiller, und es ist dieser Behauptungnicht widersprochen worden. Diese „Lernen" wurden mit so großer Begierde ge-lesen, daß der Almanach in kurzer Zeit zum dritten Male aufgelegt werden mußte.Es stand aber auch bald eine große Anzahl Gegner wider sie aus. unter denen jedochdie meisten viel Schwäche und bloß den Schmerz beleidigter Eit-lkeit zur Schaustellten. Nicht ungegründet war indessen der Dorwurf, den man den „Genien"machte, daß unter der großen Menge dieser Distichen auch schwache und selbst imVersbau fehlerhafte sich fänden. Man hat vor einigen Jahren die „Lenien" inBreslau wieder abgedruckt. Ausführliche Nachrichten über die durch sie erweckteFehde einhalten die Nrn. 54 — 60 deS„Allg. lit. Anzeigers" (Leipz. 1197). Wie-land'S Urtheil findet man in den „Literarischen Spießrulhen, oder hochadeligen undberüchtigten Leinen" (Weimar , ohne Iahrzahl). Gegenwärtig findet man in jenen„Lenien" größtentheiks die durch wissenschaftliche Kritik gerechtfertigten Aussprücheeines geistvollen Urtheils über eine vorübergegangene Periode der Literatur, inwuthwüliger saiyrischer Form.

Lenskrates, ein berühmter griech. Philosoph, gebürtig aus Chalcedon ,war ein Schüler des Plato , zugleich mit Aristoteles, unterschied sich aber von die-sem lebhaften und talentvollen Mitschüler dadurch, daß er nur langsam und mitMühe den Unterricht seines Lehrers faßte. Plato schätzte ihn sehr hoch wegen sei-nes eisernen Fleißes und seines beharrlichen Charakters; nur fand er an seinemSchüler einen Mangel der seiner» mitten, und erinnerte ihn daher oft, auch denGrazien zu opfern. Mit Plato reiste er auch nach Sicilien. Nach dessen Tode be-gab er sich mit Aristoteles nach Kleinasien , kehrte aber bald zurück und wurde derzweite Nachfolger des Plato in der Akademie (s. d.), welcher er 25 Jahre lang,bis an seinen Tod 314 v. Chr., mit großer Achtung vorstand. Z» semen Lehren