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Zelter (Karl Friedrich)
bisher geschlummert hatte. Um dieselbe zu befriedigen, suchte er alle Stunden derErholung und Ruhe jener Kunst zuzuwenoen, schrieb Noten und übte sich eifrig imClavier- und Violinspiel, obgleich ihm sein Vater, der davon Nachtheil für seine Ge-sundheit besorgte, diese Anstrengung ernstlich verbot. In seinem Eifer »licht erkal-tend, sing er ausMangel an Musikalien endlich selbst an seine musikalischen Ge-danken aufzusetzen, obgleich er von harmonischen Kenntnissen noch entblößt war,und suchte sich Partituren zum Abschreiben zu verschaffen. Zum Glück traf er aufC. Ph. Em. Bach'S und Hasse'S Werke, m denen er-Ordnung und Gründlichkeit desSatzes kennen lernte. Da sein Musikeiser seinen! Handwerk immer mehr Eintragthat, so untersagte ihm sein Vater endlich das Musikireiben ganz. Er versprach zugehorchen und trieb fleißiger sein Handwerk, kehrte aber immer von Neuem zu sei-ner geliebten Kunst zurück. 1783 wart er nach gefertigtem Meisterstück zum Mau-rermeister aufgenommen, auch hat er der Beschäftigung mit dem Bauwesen in derFolge nie ganz entsagt. Erst seit dieser Zeit konnte er bei dem würdigen Fasch imreinen Sah und im doppelten Contrapunkt Unterricht nehmen, der ihm auch aufseiner ganzen künftigen Laufbahn Vorbild und Leiter geworden ist. Z. war seitEntstehung der Fasch'schen Singakademie, welche Studium und Vertrag großerkirchlicher Vokalmusik zum Gegenstände hat und zuweilen auch öffentlich ausführt,eins der thätigsten Mitglieder derselben gewesen und wurde bald der tüchtigste Ge-hülfe seines Lehrers in der Leitung dieses schönen, sich immer mehr erweiterndenInstituts. Dasselbe führte er auch nach dessen Tode (1800) mit großem Verdienstfort, und sowie cie Mitglieder der Singakademie 1801 dankbar die Büste desStif-terü derselben ausstellten (dessen Biographie Z. 180l herausgab), so haben sie auchihre Dankbarkeit gegen seinen Nachfolger bei der Feier 1825 bewiesen, und seineBüste, von Rauch gearbeitet, wird künftig neben der seines Vorgängers stehen.Seine zweite Frau, eine geborene Pappritz , war eine der ersten DilettantinnenBerlins und eins der ersten Mitglieder jener Akademie; sie starb 180k und hin-terließ ihm 11 Kinder. 1809 ernannte ihn der König ».Preußen zum Pros. derTonkunst bet der berliner Akademie der Künste und Wissenschaften und berief ihnin dems. I. zur Verbesserung der Kirchenmusik nach Königsberg . In dems. I.stiftete er für fröhliche Unterhaltung durch Liedergesang die erste berliner Liedertafel,deren Mitglieder, aus männlichen Mitgliedern der Singakademie bestehend, undin 2 Tenor-und 2 Baßstimmen vertheilt, die von ihnen theils gedichteten, theilscomponirken Lieder aus ihren eignen Handschrift!. Büchern üben und vierstimmigbei einem geselligen Mahle vortragen. Sie hat einen Chor von 30 Männerstim-men. Für diese« Institut, von welchem die seither durch alle Städte Deutsch-lands verbreiteten Liedertafeln abstammen, hat er auch die originellsten humoristi-schen Lieder componirt, die seitdem zu n Theil ini Stich erschienen sind. SeineComposikionen bezeigen den gründlichen Gang seiner Bildung; was sich unter den-selben am meisten hervorhebt, sind seine Liedercompositionen und seine Motetten.Die ersten sind theils Lieder beim Clavier, theils vierstimmige Gesellschaftslieder.Die vorzüglichsten unter den erstern sind seit 1801 erschienen. Dahin rechnen wirdie „Sammlung kleiner Balladen und Lieder fürs Clavier" (1—1. Heft, Berlin 1803 fg.), und „Johanna Sebus " (Lpz. bei Kühne!). Die letztere!, größtenteilsfür die Liedertafel geschrieben, sind männliche Singchöre voll fröhlicher Kraft undbeiterer Laune. Z. zeigt in seinen Liedern überhaupt ein besonderes Talent für dasNaive, volksmäßig Kräftige, Charakteristische und Humoristische, welches ihmauch fast imMer gelingt. Für das Letztere wendet er oft den Motettenstyl, undüberhaupt die Formen des strengern Siyls, parodirend an (m. s. die berliner Lieder-tafel). Von seinen Motetten, die in der oerl. Singakademie vorgetragen werken,ist aber leider wenig im größern Publicum bekannt. Um die Vocalmusik in Berlin hat er das größte Verdienst, sowie er selbst einer der größten Kenner und Verehrerder ältern kirchlichen Bocalmusik ist. Auch hat er in der musikalischen Theorie