Zerboni bi Sposetti Zerbst ^89
den Römern bieß er Favonius. Unter seinem Schutze standen die Blumen undErdfrüchte. Man stellte ihn als einen schönen, sanften Jünglinq vor, nackt miteinem Blumenkranz auf dem Haupte, oder in der Falte seine« Mantels Blumentragend. Bei unsern Dichtern kommen nicht nur häufig Zephyre, sondern auchZepbyretten vor.
Zerdoni di Sposetti ward unter der Regierung Friedrich Wil-Helms l l. 1196 das Opfer des Ministerkespotismus und der Hofränke. Durchdie Revolution in Frankreich war eine besondere Furcht über die Höfe und Cabinettegekommen, überall witterten sie Jakobiner, jeder frngefinnte und freimüthigeMann ward verdächtig; mit besonderer Ängstlichkeit wachten die Preußen in demeroberten Theile von Polen. Den Aufstand in Breslau im Oct. 1196 verstandder Minister Hopm nicht zu beschwichtigen, er wähnte sogar, daß die Schlessergemeinschaftliche Sache mit den Polen machen würden. In diesem Klauben be-stärkte ihn ein Brief, den er von dem Kriegsratk Zerboni aus Peterkau erhielt,und der als ein Beispiel von Freimüthigkeit in der preuß. Geschichte aufbehalten zuwerden verdient. Einiges daraus soll hier mitgetheilt werden: „Es find (am6. Ort. 1196) Auftritte in der Hauptstadt Schlesiens vorgefallen, die in einemwoblregierten Staate nicht erhärt find. Unsere Staaksverfastunq ifi gnt, unsereGesetze sink weise, wo kann also der Fehler anders liegen, als in der Ausübung derl-tztern? Was hiervon auf die große Scbuldrcchnung Ew. Excellenz kommt, batIhnen Ihr Gewissen in der Nacht vom 6. zum 1. dieses Monats getagt. WeheIhnen, wenn die anten Entschlüsse, die Sie da faßten, das Schicksal aller Ihrerbisherigen Entschlüsse haben; Ihre letzten Jahre werden dann unrühmlich, und IhrAndenken verhaßt sein!— Sie wollen das Gute. aber sie haben nicht die Kraft, eszu vollbringen. Sie beugen Ihre Kniee vor der Convenienz und huldigen der Launedes Moments. Der Mann von Kenntnissen ohne Ahnen, der denkende Kopfohne gesellige Feinheit hat für Sie keinen Werth. Sie haben das Vorurtheil derGeburt, das man sonst ertrug, zu einer Zeit, wo man jedem grauen Wahne dreistin die Augen leuchtet, durch die kleinlich strengen Grenzlinien unausstehlich, undsich dem gebildeten Bürgerstande unerträglich gemacht. — Das Schicksal hatwenigen seiner Lieblinge einen Wirkungskreis angewiesen, den es Ihnen so frühgab. Auf dem Orte, wo Sie stehen, was könnten Sie für Schlesien , für
Südpreußen thun? und was geschieht durch Sie?-Sie sind von Ihren
geistlosen Schreibern, die mit wenig Geschicklicbkeit für jede Laune Sr. Hoch-gräfi. Excellenz eine gesetzliche Formel zu finden beflissen find, nur die Ausdrücke
der Livree gewohnt. Aber Sie bedürfen nackter Wahrheit.-" Auf
dieses Schreiben, das der Minister v. Hoym dem Könige mitgetheilt hatte,wurde Z. zuerst nach Glaz. dann nach Spandau, und von da nach Magde-burg als Staats- und Majestäksverbrecher auf königl. Gnade gesetzt. Da je-ner Brief allein dazu nicht hinreichend schien, so hatte der Minister Hoym ausden Briefen, die in Z 's Schreibtisch gefunden worden waren, Auszüge ma-chen lassen, woraus sich ergeben sollte, daß Z. das Haupt einer Verschwörungsei. Drei Jahre lang schmachtete Z. in engrm Gewahrsam, bis es ihm endlich gelang,aufkeilt Wege des Rechts seine Vertheidigung einzuleiten. Er ward freigesprochen.Später trat er in ssine Dienstverhältnisse zurück und war zuletzt Oberpräsident desGroßherwzlhums Posen, geschmückt mit mehren Orden des Königreichs. — Un-ter dem Titel: „Actenstücke zur Beurtheilung der Staatsverbrechen des südpreuß.Kriegs- und Domainenraths Z-rboni und seiner Freunde'" (1891), machte Z. seineSchicksale bekannt. Jni 1.18W ward er wegen Kränklichkeit von seinen Amts-geschäften entbunden, und der bisherige Regierung«-Chef-Präsident Baumannsein Nachfolger.
Zerbst , eine Stadt im Herzogthum Anhalt-Dessau, war ehemals dieHaupf»