Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
500
JPEG-Download
 

500

Zeus Zeuxis

ihre Beurtheilung seht viele philosophische Einsicht und physiologische Kenntnisse,namentlich Kenntniß 0er Gesetze voraus, nach welchen sich der Embryo im Muttter-leibe entwickelt, um die Möglichkeit, daß der Uterus höherer Thiere und des Men-schen durch eine andre Naturumgebung ersetzt werden könne, denkbar oder nichtLenkbar zu finden. Auch darüber hat derselbe scharfsinnige Naturforscher in seiner,,3fiS" (1819, VII. S. Ill^eine Erklärung unter der Aufschrift: „Entziehungder ersten Menschen", versucht, und diese sogar durch ein Kupfer (Tafel 23) ver-deutlicht. — Auch die ganze Zeugungslheorie, insofern sie auf das Nähere undBesondere der individuellen Zeugung eingeht, setzt, um ganz verstanden zu w rden,viel anatomische und physiologische Kenntnisse voraus, hinsichtlich der organischenEinrichtung der Zeugungstheile oder des Zeugungssystcms und dessen Ve> s.l ieden-heiten bei den verschiedenen Thiergaltungen. Darum konnte hier nur der Begriffdieser Theorie und bloß allgemeinere Andeutungen zu derselben gegeben werden.Wer sich näher unterrichten will, dem ist vor Allem Oken's Werk üb r diesen Ge-genstand zu empfehlen, das unter dem einfachen Titel erschienen ist: „Die Zeu-gung, (Damberg und Würzburg , 1805). Vgl. auch Durdach s „Physiologie"(I.Bd., Lpz. 1826).

Zeus, s. Jupiter .

Zeuxis, ein berühmter griechischer Maler, ungefähr 100 I. v. Chr. Erwar geb. aus Herakles in Großgriechenland und ein Schüler des atheniensischenMalers ApollodoruS , dem man da; Verdienst einer treuen Nachahmung der Na-tur, richtiger Zeichnung und eines guten ColoritS beilegt. Z. übertraf alle s. Vor-gänger. Er verstand die Kunst, Licht und Schatten gehörig zu vertheilen, undhatte «in treffliches Colorit. Seine Gemälde wurden daher auch sehr gesucht undtheuer bezahlt, sodaß er sie zuletzt gar nicht mehr verkaufen wollte, weil sie, nachder Äußerung, die man ihm beilegt, nicht zu bezahlen wären. Der Ruhm, den ersich erwarb, errgte die Eifersucht s. Lehrers ApollodoruS , der eine Salyre auf ihnverfertigt haben soll. Vorzüglich glücklich war Z. in weiblichen Gemälden. Diealten Schriftsteller rühmen s. Helena, die er für die Stadt Krotona — nach Andernfür Agrigenk— malte. Zum Modell dazu halte er für sich 5 der schönsten Mädchenausgesucht. Berühmt war auch s. Jupiter auf dem Throne sitzend, von den andernGöttern umgeben. Noch werden von ihm ein Hercules in der Wiege, der die Schlan-gen erdiückr, ein Athltt eine Alkmele, eine Penelvpe erwähnt. Z. malte langsam,s. Werke waren aber desto vollendeter. Er war ein treuer Nachahmer der Natur.Als er mie seinem Kunstgenüssen, dem berühmten Panhasius, einen Wettstreitüber die größere Geschicknchkeit in der Kunst eingegangen war, malte er Weintrau-be» so natürlich, daß die Vögel auf dieselben zuflogen. Parrhasius stellte ihm eineTafel mit einem gemalten Vorhang entgegen. Als Z. verlangte, daß der Vorhangaufgezogen würde, um das, seiner Meinung nach, hinter demselben verborgeneGemälde sehen zu können, bekannte er sich für überwunden, weil er nur Vogel,sein Gegner aber selbst einen Künstler getäuscht habe. Er scheint eine besondereOkschicktichkeit in Fruchtstucken besessen zu haben. Denn als er ein andres Mal«inen Knaben malte, der einen Korb mit Weintraub.n trug, flogen die Vögel wie-der nach den Trauben. Z. fand sich jedoch dadurch nicht geschmeichelt und milchteden Traubenkorb weg. „Wäre der Knabe", sagte er, „ebenso natürlich dargestellt,so würden d e Vögel sich vor ihm gescheut haben". Um diese Erzählungen von denWirkungen s. Gemälde richtig zu würdigen, vgl. I deallsiren, Kunst, Illu-sion, Nachahmung, und was Göthe so herrlich über diesen Punkt in s. Auf-sätze über Myrons Kuh („Kunst und Alterthum", 3. Db.) bemerkt hat. Man er-zählt eine, vielleicht nur zum Scherz ersonnene Anekdote von der Art seines Todes.Er habe nämlich eine Hekuba gemalt und sei bei der Betrachtung des über alleMaßen häßlichen Gesichts derselben in ein so heftiges Lache» gerathen, daß er