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Zigeuner
junge Zigeuner, sobald er will, gewöhnlich in seinem 14. —15. Jahre. In Ungarn lassen sie sich wol trauen, ob'r von einem Z'geumr, der die Stelle des Prüstersvertritt. Kein Zigeuner heirather eine andre als eine echte Zigeunerin. Wird er ih-rer überdrüßig, so jagt er sie ohne Umstände fort. An Erziehung ist unter diesem lrohen Volke nicht zu denken. Eine allgemeine, fast thierische Liebe z„ ihren Kin-dern macht, daß sie dieselben nie straffn, sondern daß diese von Jugend Eknf desMüßigganges, des Stehlen« und der Betrügereien g wohnt werd n. DasSitten-verderbniß ist unter diesem Volke so groß, daß sie eine wahre Freude an Grausam-keiten finden; daher ältere schlechte Regierungen sich ihrer als Nachrichter bedien-ten. Dabei sind sie höchst feige und st-hlen nur d«, wo sie es mit Sicherheit können.Sie brechen n,e zur Nacht in die Häuser. Als in Spanien die Pest in einer Stadtherrschte, sah man die Zigeuner in ganzen Horden einbrechen, um die wehrlosen jEinwohner zu plündern. Dabei kann man ihnen aber keinesw.ges Fähigst iren ab«sprechen. Sie sind nicht allein äußerst schlau b.i ihren Untcrmhmunzen, sondernin Siebenbürgen verrichten sie die Goldwäsche mit vieler Geschicklickkeit. Wegenihrer natürlichen Feigheit sind sie, in Spanien wenigstens, nie zum Soffatendienstegenommen worden. In Ungarn hingegen und in Siebenbürgen hak man sie bis-weilen im Kriege gebraucht, aber ohne besondere Beweise ihrer Tapferkeit zu erfah-ren. — Lange und oft hat man schon an die Verbannung dieses Volks aus Eu-ropa gedacht. In Frankreich und Spanien, in Italien und Deutschland wurdenschon im 16. Jahrh. Gesetze gegen die Duldung derselben gegeben. Doch halfenselbst die Verfolgungen nur auf kurze Zeit. In die südlichen G> g „den schlichen siesich immer bald wieder ein. Da sie in den östr. Sraaren sehr zahlreich sind, dortauch eine Art von Derffssung haben, indem sie von Ldberzigeunern oder Woiwodengewissermaßen regiert werden, so dachte die große Maria Theresia zuerst daran, siezu Menschen und Bürgern Hinzuschaffen. Sie gab 1768 eine Verordnung, daßfortan die Zigeuner feste Wohnsitze wählen, sich zu Gew oben entschließen, ihreKinder kleiden und in die Schule schicken sollten. Viele ihrer ekelhaften Gebräuchewurden untersagt, und selbst befohlen, daß man sie nicht mehr Zigeuner, sondernNeubauern nennen sollte. Da diese Verordnung ohne Erfolg blieb, so griff man1773 zu so strengen Maßregeln, daß nian den Ältern ihre Kinder nahm und sieauf christliche Weise erziehen ließ. Allein hierdurch wurde der an sich löbliche Zweckebenso wenig erreicht als durch die milden Verfügungen der russischen Regierung.Dock sind Josephs II. weise Verordnungen (seit 1782) zur sittlichen und bürgerst-chen Verbesserung der Zigeuner in Ungarn, in Siebenbürgen und im Banale nichtganz ohne Erfolg geblieben.
Was ihre Sprache betrifft, so sind die meisten Wörter indischen Ursprungs;theile kommen sie mit wenigen Veränderungen im Sanskrit, im Dialabarischen undBengalischen vor, theils haben sie allerdings seit den 4 Jahrhunderten, da sie sichin Europa aushalten, manche Wörter von den Völkern angenommen, unter denensie leben. Auch der engl. Bischof Heber zu Calcutta sagt in s. rüsten ol»jemi ne^ thronest tli« uppcr zirovince; ok Iiulu, elo/' (London 1828,2 Bde.),er habe an den Ufern des Ganges ein Lager von Zigeunern, die das Hindostanischeals ihre Muttersprache redeten, angetroffen; dasselbe Volk hatte Heber auch inPersien und Rußland gefunden. Auch ihre Grammatik ist,ganz morgenländisch undstimmt mit den indischen Dialekten sehr überein. Diese Ähnlichkeit kann nicht fürWerk des Zufalls gelten, zumal da auch Körperbildung und Sitten gleichfalls aufden hindostanischen Ursprung schließen lassen. Man hat noch genauer den letztemdadurch erläutern wollen, daß man sie von einer eignen Kaste der Hindus ableitete.Nur kann dies nicht die in Hindosran geehrte Kaste der Sudder, d. h. der Hand-werker und Ackerbauer, fein, sondern man muß auf die Parias schließen, die vonallen Hindus verachtet werden, weil sie im äußersten Schmutz leben And das Fleisch