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Zinszahl Zinzendorf
Zinszahl, Römerzinszahl, s. Periode.
Zinzendorf (Nicolaus Ludwig , Graf v.), der berühmte Stifter der n. d.N. der Brüdergemeinde (s. d.) oder Herrnhuter bekannten Religionsgesell-schüft, wurde den 26. Mai 1100 zu Dresden geb. Nach dem frühen Tode seinesVaters, der kursächs. Conferenzminister war und in großer Achtung stand, warder in der Lausitz auf dem Lande, in dem Hause seiner Großmutter, einer Frau v.Gersdorf, erzogen, welche eine fromme und gelehrte Dame war, eine Sammlunggeistlicher Lieder und poetischer Betrachtungen herausgab und mit dem gelehrtenSchurzffeisch lat. Briefe wechselte. Z.'S erste Jugend siel gerade in die Zeit, da dieMeinungen der Pieiisten (s. d.) viel besprochen wurden. Dies und der Umstand,daß der fr omme Spener oft in das Haus der Frau v. Gersdorf kam, den jungenZ. daselbst sah und einsegnete, trug, nebst den Andachtsübungen, die täglich imHause gehalten wurden, unstreitig viel bei, in dem lebhaften Knaben religiöse Ge-fühle zu erregen, welche bald in eine gewisse Schlvärmerei übergingen. Noch einKind, schrieb er Briefchen an den lieben Heiland, und warf sie zum Fenster hin-aus, in der Hoffnung, daß der Heiland sie schon finde» werde. Diese Stimmungwurde »och mehr in ihm unterhalten, als er, 10 Z. alt, in das Pädagogium zuHalle unter Franke's (s. d.) besonder« Aufsicht kam. Hier veranstaltete er er-bauliche Zusammenkünfte und stiftete einen mystischen Orden vom Senfkorn. SeinOheim und Vormund, der anders dachte und ihn zum Geschüftsleben vorbereitenwollte, schickte ihn 1116 auf die Universität Wittenberg , deren theologische Lehrer,u. d. N. der Orthodoyen bekannt, die heftigsten Gegner der Halleschen Pietistenwaren. Z. blieb jedoch unverändert bei seiner Denkart, und als 1111 das Jubi-läum der Reformation feierlich zu Wittenberg begangen wurde, schloß er sich einund betrauerte den Verfall der Kirche durch Fasten und Weinen. Neben seinenübrigen Studien trieb er für sich allein und ohne alle Anleitung die theolog. Wissen-schaften, und faßte schon jetzt den Vorsatz, künftig in den geistlichen Stand zu tre-ten. Er verließ 1119 Wittenberg und machte eine Reise nach Holland und Frank-reich , die er u. d. T : „Altici Wallfahrt durch die Welt", beschrieben hak. Ersuchte vorzüglich berühmte Geistliche auf, und sein Hauptgeschäft war, Unterre-dungen über religiöse Gegenstände mit ihnen zu halten. 1121 als Hofralh bei derLandesregierung in Dresden angestellt, legte er diese Stelle 1121 wieder nieder,wie er denn während dieser Zeit sehr wenig Antheil an den Geschäften seines Amtesgenommen, dagegen aber sich viel mit der Theologie beschäftigt und häufige An-dachtsübungen gehalten harte. 1122 vermählre er sich mir einer Gräfin Rei ß v.Ebersdorf und gab einigen der Religion wegen ausgewanderten mährischen Brü-dern die Erlaubniß, sich auf seinem Gute Benhelsdorf in der Oberlausitz anzusie-deln. Diese im Z. 1122 angelegte Colonie erhielt 1124 den Namen Herrn Hut(s. d.). Z. faßte nun den Voi sotz, eine besond re kirchliche Gemeinde nach s inenGrundsätzen zu stiften, und machte diese letzter» in verschiedenen, sich bisweilenwidersprechenden Schriften bekannt. Er fand daher auch eine große Anzah' Geg-ner, sowie die Anlegung der neuen Colonie selbst ihm mancherlei Verdrüßlichkeitenzuzog. Doch ließ er sich durch Nichts von seinem Vorhaben abwendig machen.1134 ging er, unter angenommenem Namen, nach Stralsund , ließ sich dorr alsCandidak der Theologie epaminircn, und hielt in der Stadtkirche s. erste Predigt.Mit fast unglaublicher Thätigkeit machte er Reisen in verschiedene Länder, um dirGlieder seiner Gemeinde, von welcher schon Missionen ausgingen, zu vermehren;aber nicht überall fand er günstige Ausnahme. Aus seinem eignen Vaterlands warder (1136) durch ein land.sherrliches Rescript förmlich verwiesen. Als Veranlas-sung zu diesem Befehl waren die von ihm eingeführten „Neuerungen, Convemckeln,gefährliche Principien, durch welche die obrigkeitliche Autorität hintangesetzt undder öffentliche Gottesdienst verachtet werde", angegeben. Doch wurde dieser Be-