Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
Seite
533
JPEG-Download
 

583

Zoega

ken dir alten Künstler und Dichter mehr den tiefverborgenen Gedanken, sie warenihm geheimnißvolle, deulungsreiche Sinnbilder, die ihn stets wieder in da«Heilig-thun, des innern Gemüths zurückführten; er ließ sie auf seine Seele wirken wie dieTiefen der Natur und des Lebens, deren Dolmetscher sie ihm waren. Er trennteund verband auf solche Weise iminer selbstthätig den innern geistigen Sinn und dievollendete äußere Schönheit eines Kunstwerks, und in diesem Scheiden und Ver-einen lag eben Z,'s Hinneigung zu den von ihm so rief durchdachten Orphikern undNeuplatonikern. Z. hatte die echt antike Bildung nicht bloß mit Verstand undGedächtniß aufgefaßt, sie war lebendig? in ihn übergegangen; keine Geister neuererZeit berührten sein innerstes Leben so vielfach wie die Alten. Sein Umgang hauchtegriechischen Sinn, selbst durch die Form seines Gesprächs, das in anmulhiger Kürzereich an menschlichen Beziehungen war und absichtslos belehrte. Sein Ernst undseine Richtung nach Innen, die frühzeitig zum Schwermüthigen sich hinneigte, hätteleicht durch viele Sorgen und Leiden darin unterliegen können, wenn nicht ausGriechenland milde Heiterkeit ihm zugeweht wäre. So reizbar er für kleine Ver-drießlichkeiten war, so überwand er doch dieseStimmung durch groß« Geduld underwarb sich eine stete ruhige Heiterkeit. Dies drückte sich sehr wohlthuend in ihmaus, als ein stiller Friede, der durch Ertragen und Vergessen erworben wurde undder das Leben unabhängig macht von dem Erlebten. Auffallend war in seinenfrühern Zähren ein gewisser geistiger Cybeledienst, eine Anbetung Gottes in derNatur, vorherrschend in ihm. Der Einfluß seiner Zeit, die durch die kalte Auf-klärung zu einer neuen Frühlingswärme des Glaubens überging, wirkte später auchauf ihn. Zm Beobachten des Äußerlichen der Religion war er streng; er ließ esgern als heilig s Sinnbild auf sich wirken, aber er haßte die nur halb verstände «,Worte dabei. Zm äußern Leben bewies A. den freien Mann und war entfernt vonZwang und zwecklosen Schicklichkeiten. Für kunstliebende Fremd«, die Rom be,suchten, war er ein trefflicher Führer. Man könnte Z. richtiger schildern durchDas, was er war, als durch Das, was er that; denn so unermüder auch der Fleißwar, womit er eine bewundernswerthe Menge des Einzelnen mit genauer Kennt-niß umfaßte» so beklagt man doch mit Rech^, daß er nicht dazu gekommen ist, seineAnsichten im größer,, Zusammenhange ausjusprechen. Bei seiner Ankunft in Rom ward er durch den Pros. Adler dem Cardinal Stefano Borgia vorgestellt, dessenGunst und Schuh er sich bald erwarb. Dieser Cardinal hatte eine Vorliebe fürägyptische Alterthümer, von denen er eine reiche Sammlung besaß. Z., der diekoptisch« Sprache verstand, wurde bald der Ödip dieser uralten Räthsel. 1181machte er eine vollständige Sammlung ägyptischer Münzen bekannt, mit ausführ-lichen Erläuterungen. Der allgemeine Beifall, den dieses für Geschichte und Chro-nologie so wichtige Werk erhielt, inacheePius VI. aufZ. aufmerksam, und er trugihm die schwere Arbeit auf, die Obelisken zu erläutern. 1191 gab er auf päpstlicheKosten sein großes Werk über die Obelisken („0» oripstne «t u»u obeiiieornni",Rom 1191) heraus, »velches ihm den Ruhm der scharfsinnigsten, auSgebreitetstenund gründlichsten Gelehrsamkeit erwarb» Das Mttseo Borgiana Veliterno warreich an koptischen «chrifirollen; Z. unternahm die höchst schwierige und mühevoltArbeit, diese zu erläutern; erst 1810 konnte diese Frucht namenloser Anstrengungen bekanntgemacht werden. Z. schrieb in deutscher Sprache einen „Archäolog-schen Wegweiser durch Rom ", der vielen kunstliebende» Reisenden nühkich würd .Er selbst begleitete die ausgezeichnetsten derselben; so war er ein ganze« Zahr langt'Führer des Prinzen Gustav von Mecklenburg-Schwerin. Ein größeres W- -Z.'s, welches Schätze der scltenüen Kenntnisse enthält: „l>i Lo-ziiilievi rmticb.<li lioiii.'i, ineiri <In I'ooi. ?!,,,>! volle iii»<-t,.,?,io,ii <1! Oiorvio 2ovga", 2 Bd>Fast, erschien zu Rom l808 bei Piranesi. Ost bedauert« Z. in spätern Zährennicht auf das griech. Alterthum die Arbeit verwandt zu haben, die er dem ägvpti-