Band 
Zwölfter Band. W bis Z.
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53V Zoll- und Mauthwcsen

des Mauihsystems, daß in Fällen, wo die Produktion das inländische Bedürf-niß leicht übersteigen kann, die 7lusfuhr solcher Producle nicht nur freigegeben,sondern wol gar noch durch Prämien aufgemuntert werde. Wenngleich aberdie rohen Landesproducte in ihrer rohen Gestalt nicht von den Inländern verbrauchtwerden können, so hält man es doch in Ansehung solcher Producle, die einerkünstlichen Bearbeitung oder Veredlung fähig sind, für rathsam, ihnen denAusgang in die Fremde du ch Verbote oder Auflagen zu verwehren, damit die In-länder durch den niedrigen Preis derselben angereizt werden sollen, die inländischenrohen Erzeugnisse in Manufactur- und Fabrikwaaren zu verwandeln, damit sie indieser Gestalt von In - oder Ausländern verbraucht werden. Hiermit wird natür-licherweise das Verbot oder die Bezollung der Einfuhr aller solcher Waaren ausdem Auslande verbunden, damit den Inländern die Gcwerbsihätigkeit und derVerkehr damit wenigstens im Inland« ausschließlich gesichert werde. Daß nundurch dergleichen Verbote und Zölle gewisse Gewerbe im Lande hervorgetrieben, er-nährt und erweitert werden können, die ohne solche Maßregeln niemals entstandenwären oder wenigstens nicht den Umfang erhalten haben würden, läßt sich nichtbezweifeln. Aber Nichts ist auch gewisser, als daß dergleichen Maßregeln oft nureinen Schein von Wohlstand hervorbringen, und daß sie auf einer andern Seile vielgrdßern Nachtheil stiften, als die Vortheile sind, welche sie auf der einen Seite her-vorgebracht haben, daß sie immer zugleich nützen und schaden, und daß in den mei-sten Fällen es fast unmöglich ist zu berechnen, ob der-schaden oder der Vortheilgrößer ist. Da nun dieses zu ergründe» so schwer ist, und dabei so leicht Irrthü-mer vorkommen können, die das Gegentheil von Dem bewirken, was dadurch be-absichtigt wird, so scheint es bester zu sein, lieber dem Rathe Derjenigen zu folgen,welche wollen, daß sich die Regierung aller positiven Einmischung m die Freiheitder Gewerbethätigkeit enthalten soll, da Jeder von selbst am leichtesten einsehenlernt, mas für ihn das Voriheilhafieste sei, und daß, wenn Jeder Dasjenige thut,was ihm für sich am vortheilhaftesten zu sein scheint, auch der Vortheil Aller durchdas Gemeinwohl am sichersten befördert wird, wobei sich die Einwirkung desStaats nur daraus zu beschränken braucht, daß Jeder verhindert wird, etwas zuthun, wodurch er Recht und das Eigenthum Andern verletzen würde. DieWahrheit dieser Behauptung wird noch einleitender, wenn man die einzelnenMaßregeln der Mauih- und Zollpolitik in staaiswirthschaftlicher Hinsicht betrach-tet. Sie lassen sich auf folgende Maximen zurückführen.

I. Die Ausfuhr der rohen Producre, welche das Volk zu seiner'Consumtionbedarf, soll durch Verbot oder Zölle verhindert werden. Diese Maxime wird aufGertreide, Holz und andre nothwendige und ailgememeVolksbetürfniste angewandt. Danun dle Produclion von der Nachfrage abhängt, so ist begreiflich, daß bei Hemmungder Ausfuhr inländischer Producle nur so viel davon von dem Volke erzeugt werdenwird, als die inländische Nachfrage verlangt; denn da das Übrige des Verbots derAusfuhr wegen keine Abnehmer finden würde, so wiro es Niemand der MüheWerth achten, mehr, als auf die innere Nachfrage mit Gewißheit zu rechnen ist, zuerzeugen. Nun aber sind z. B. die Getreide.« nten unsicher. -Oft geben sie nicht soviel, daß sie für die inländische Nachfrage hinreichen. Dann wird unvermeidlichMangel au Getreide, Theuerung und Hunzersnoih eintreten. Wäre die Ausfuhrdes Getreides nicht verhindert, so wäre zugleich durch die Produktion die ausländi-sche Nachfrage befriedigt, und regelmäßig jedes Jahr viel mehr Getreide erzeugtworden, als das Land zur inländischen Eonsumtion nöthig halle. Träte nun eineMißärnte ein, so würde die auswärtige Nachfrage sich von selbst gemindert haben,weil wegen der Mißärnte die Getreidepreise gestiegen sein würden, und der Theil,welchen die Ausländer wegen des höher» Preises nicht kauften, wäre den Inlän-dern zu Gute gekommen. Folglich wäre die regelmäßige Freiheit der Ausfuhr des