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Zorndorf (Schlacht bei)
leicht zum Zorn erregt, aber die Leidenschaft ist kurz und unkräftig; am seltenstenwil d !er Melancholiker und Phlegmatiker in Zorn versetzt; der rohe Naturmenschist ihm me-hr unterworfen als der Gebildete, der sich zu beherrschen gelernt hat; derGu wüthige ist dem Zorne weniger zugänglich als der Bösgesinnte. Bei öftererVeranlassung und Mangel an Beschränkung und Selbstbeherrschung entsteht Jäh-zorn; doch nennt man oft auch so jeden schnell hervorbrechenden Zorn. Es ist na-türlich, daß eine Leidensche st, wie die beschriebene, der Gesundheit oft nachteiligwerten müsse; die gewöhnlichsten Krankheiten, die er erregt, sind hitzige, vorzüglichGallenfieber, Entzündungen der Leber, des Herzens, Gehirns rc.; gallichtes Erbre-chen und Eholera, ja selbst Manien (ir.-> brevi, suror) können entstehen. SolcheZufälle entstehen unmittelbar nach dem Zorn; andre folgen nach längerer Dauerund öfterer Wiederkehr, z. B, Krumpfe, Lähmungen, Gelbsucht, Wassersucht, Aus-zehrung, nervöseFieber. Die Milch erzürnter Mütter und Ammen veranlaßt Ton-vulsionen des Säuglinge, ja man hat gesehen, daß sie wie starkes Gift augenblick-lich den Tod desselben herbeiführte. — Bei so schlimmen Folgen ist es sehr wichtig,den Zorn zu vermeiden, denselben zu mäßigen und seinen Wirkungen vorzubeugen.Die Bekämpfung der Leidenschaft aber wird immer von der Stärke und Bildungdes eignen Geistes ausgehen müssen, denn alle Veranlassungen zum Zorne werdensich wol schwerlich immer entfernen lassen. Ist er entstanden, so läßt er sich beischwächern Individuen, Weibern u. Kindern, dadurch unterdrücken, daßderManneinen heftigern entgegensetzt; der Zorn kräftiger Individuen kann nur durch Nach-giebigkeit gemäßigt werden. Die Übeln Wirkungen des Zorns lassen sich oft durchberuhigende und kühlende Mittel verhüten oder mindern.
Zorndorf (Schlacht bei), die blutigste und eine der merkwürdigstendes Siebenjährigen Kriegs (s. d.), d. 2b. Aug. 1758. Das ruff. Heer, dasim Anfange 1758 unter dem Gen. Fermor, der an die Stelle des Grafen Aprapingekommen war, das entblößte Königreich Preußen beseht hatte, rückte im Aug. ge-gen Pommern und die Neumark vor, verheerte das Land und begann den Angriffvon Küsti in. Die Stadt wurde in Asche gelegt, die Festung aber widerstand, da derpreuß. Feldherr, Graf v. Dohna , obgleich zu schwach, dem zahlreichen Heere derRussen sich entgegenzustellen, doch Mittel gefunden hatte, die Besatzung zu unter-stützen, und jene ihre Aufmerksamkeit auf den König richten mußten, der mit 14,000M. seiner besten Truppen in Eilmärschen aus Schlesien heranzog. Friedrich ver-einigte sich am 21. Aug. bei Küstrin mit dem Grafen v. Dohna , ging auf einervom Feinde nicht beachteten Stelle über die Oder und suchte den Gen. Fermor inden Rücken zu fassen. Jener hob die Belagerung sogleich auf und zog den Gen.Braun an sich. Der König, dessen schwächere Streilkräfte in Sachsen durch dieReichsarmee und in Schlesien durch Darm gedrängt wurden, durfte keine Zeit ver-lieren, uni sich hier von den grausamsten Gegnern zu befreien. Er rückte bis Zorn-dorf vor, wo die Russen, 50,000 M. stark, wie sie es in ihren Türkenkriegen zuthun pflegten, ein großes Viereck bildeten, in dessen Mitte Reiterei, Gepäck undRe-servecorps aufgestellt waren. Ihre Front und rechte Flanke war schwer anzugreifen.Der König, nur 30,000 M. stark, beschloß daher mit s. linken Flügel den feindli-chen rechten zu umfassen, dann gegen den Rücken der Russen zu wirken und sie zuvernichten. Das preuß. Geschützfeuer wirkte äußerst verheerend gegen das russ.O.uarrü, aber auf dem vordringenden linken Flügel der Preußen gingen große Feh-ler vcr. Er gerieth in Unordnung und wurde von der russ. Reiterei zurückgeworfen.Fermor, schon voll Siegeshoffnung, öffnete nun s.Viereck, um den Vortheil zu be-nutze,-. Hier war es, wo Seydlitz. der Held dieses Tages, mit der Reiterei dieSchlicht, die in ein regelloses Gemetzel sich aufzulösen anfing, entschied, Der größteTheil des Schlachtfeldes war bald von den Russen verlassen; aber da ihnen derRück-zug v.rsperrt, da alle Brücken hinter ihnen abgebrochen waren, sammelten sie sich