587
Türkei und Griechenland (1824)
feig verließ. Die Türken erstürmten darauf die Anhöhen im Rücken der Stadt.Sie konnte sich nicht halten. Nun retteten die Primaten und Ephoren auf dieSck ffe und Barken im Hafen Greise, Weiber und Kinder. Einige Fahrzeuge ver-sanken, andre wurden von den Türken genommen; einzelne Flüchtlinge wurdenvon 2 franz. Fregatten aufgenommen; die übrigen entkamen, unter Apostoli's Füh-rung , nach Hydra." Unterdessen wurde die Stadt auf allen Seiten angegriffen;die Griechen kämpften von Straße zu Straße, von Haus zu Hau«. Mord undPlünderung dauerten die ganze Nacht. Am Morgen des 4. Juli hi lten sich noch2 kleine Fort« und das Kloster St.-NikolauS. Nach hartem Kampfe zogen sichdie Tapfern, sämmtlich entschlossen ;u sterben, in das letzte Fort, Tadia, zurück;schon erstürmten die Türken die Wälle, da zündeten jene die Pulverminen an; dieErde zitterte, und Jpsara ward das Grab der ipsariotischen Helden und der Sieger.
Dieser Schlag öffnete den Griechen die Augen. Das Volk und alle Behör-den erhoben sich zum vereinten Widerstände. Hydra und Spczzia bemannten ihreSchiffe. Jpsiwa wurde von dem tapfern M'aulis wiedergenommen (den l 5. Juli),die Schiffe daselbst gerettet, der Felsen verlassen. Mst geringerer Macht ward derFeind bei Samos (s. d.), Kos , Ehios zurückgeschlagen; selbst bei Kandia litt erVerlust, und die Griechen leisteten hier Widerstand in den Stellungen von St.-Ru-mili, Ti ypiti, Mirabelle und Lasstdi. Gleiches Glück aus dem Festlande: Gourassiegte über die Barbaren bei Marathon; der türk. Oberfcldherr, Derwisch Pa-scha, geschlagen im Juli, Aug. und Sept., bei Gravis, bei Amplani, in derLandschaft Phoeis, floh mit Verlust seines Gepäcks nach Larissa zurück. Dadurchscheiterte sein Plan, sich über Salona mit Diner Vriones zu vereinigen, gänzlich.In Westhellas vereitelte Maurokordatos durch kräftige Maßregeln alle Entwürfedes kühnen und listigen Diner Vriones, der zum dritten Male Akarnanien undAtolien überzogen hakte. Darauf gingen die Griechen mm Angriff über und dran-gen bis an die Mauern von Arta vor. — Unterdessen führten die obern Behördenzu Naupba laute Beschwerden gegen die Agenten einiger christlichen Mächte imArchipel. Diese schürten das Feuer der Zwietracht an und hemmten den raschenFortschritt der innern Verwaltung. Gleichwol o: knete sich das Ganze immer mehr.Es wurden die Steuern nach einer gerechten Vertbeilung erhoben, und die Staats-güter reg lmäßig verpachtet. Eine unter vorthcilhaften Bedingungen geschlosseneAnleihe gründete den Nationalcredit. Mit dem Vertrauen belebte sich wieder derHandel, und man erblickte die griecb. Flagge in Ancona, Livorno, Marseille , selbstan den Ufern der Themse . Die Regierung begann aufs Neue, ein europäisch geord-netes Heer zu bilden. Der franz. Militaireodex ward in Griechenland eingeführt.Die Rechtspflege überhaupt erhielt eine bestimmte Form. In Missolunghi gab eSeinen Gerichtshof und ein Appellationsgericht. Die Verhandlungen vor Gerichtwaren öffentlich. Übrigens galt Preßfreiheik. Vier Zeitungen erschienen wöchentlich2 Mal. Zu Missolunghi die „Hellenische Chronik" und der „Telegraph"; zu Hy-dra der „Freund des Gesetzes"") (das Amtsblatt), und zu Athen die „Ephemeri -den". Alan sorgte zugleich für den öffentlichen Unterricht. Während so Alles neugeschaffen werden mußte, begann der zweite Theil des blutigen Feldzuge-.
Die ägyptische Flotte war endlich am 19. Juli aus Alexandrien ausgelaufen:9 Fregatten, l4 Corvetten, 40 Briggs und Goeletten, und 240 Transportschiffemit 18,000 M. Landungstruppen. Ibrahim Pascha sollte Verstärkungen nachKandia bringen und hierauf Morea überziehen. Unterdessen hatte sich die griech.
*1 Spater wie« die Regierung den Ipsariotcn den Hai'cnbezirk des Piraus bei Athen als fteiniath an. Vor den Türken flüchteten sie >827 auf die Insel Salamis .
^ **) Diese Zeitschrift nennt sich <eit dem Tckvber 1825 bloß „Zeitung von Hvdra".Tbeoklvt Farmakidi gab seitdem in. Tct. igrs eine griechische „Allgemeine Zeitung"als Regierungsblatt heraus.