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Türkei und Griechenland (1824)
Regierung mit den europäischen Mächten in ein feindliches Verhältniß verseht.Der griech. Staatstecretair Rhodios lehnte in einem Schreiben an Cannina dieVorschläge zu einer Vermittelung mit der Pforte ab. ') Dagegen erzwäng Eng-land durch seinen Lord-Obercommissair der ionischen Inseln, Sir Frederic Adams,am 15. Sept. die Zurücknahme der von verkriech. Regierung am 7. Juni erlasse,nen Kundmachung, in deren Folge sie die europäischen an den Feind vermiethetenTransportschiffe nicht als neutral, sondern als feindliche schiffe behandelte. Alsjedoch die griech. Regierung ein Manifest erließ, in welchem sie sich über die schänd-liche Gewinnsucht der christlichen Kaufleute, welche das Geseh der Neutralität zuGunsten der Türken so offenbar verletzten, nachdrücklich beschwerte, so erkannte dieengl. Regierung da« von der griech. Regierung in der gehörigen Form ausgeübteBlockakerecht an, und der östreichische Internuncius erließ an die Consuln seinesStaats den Befehl, jedes neutralwidrige Schiffmiethen zu verhindern. Dessen-ungeachtet überließen einzelne christliche Capikaine, vorzüglich französische, au«schändlichem Eigennutz ihre Schiffe den Ägyptern und führten christliche Gefangeneau« Griechenland in die Sklaverei nach Afrika : ein empörendes Verfahren, wel-ches in der franz. PairSkammer 1828 durch Chateaubriand gerügt und hieraufge«setzlich verboten wurde.
Während dies geschah, hatten sich am 4. Sept. die ägyptische und die türk.Flotte in dem Golf von Budrun vereinigt, und nun entspannen sich einzelne Ge-fechte mit der griech. Flotte; am 10. Sept. dauerte der Kampf bei Naxos den gan-zen Tag: vielleicht das erste Seetreffen, das diesen Namen verdient. Der uner,schrockene Kanaris sprengte mit seinem Brander eine ägyptische Fregatte von 44Kanonen und eine Brigg in die Lust; die Griechen verloren 10 kleine Schiffe;endlich brach die ottomanische Flotte das Gefecht ab und zog sich mit dem Verlustevon mehren Transportschiffen am 21. Sept. nach Mitylene. Khosrew kehrte hier-auf mit 15 Segeln nach Konstantinopel, und Ibrahim Pascha mit der übrigenFlotte in den Golf von Budrun zurück. Er versah aufs Neue die Inseln, beson-. derS Kandia, welches sein Vater bereits als einen Bestandtheil seines Vicekönig«reich« ansah, mit Truppen und Lebensmitteln. Bald nachher griff ihn Miaulisam 25. Nov. auf der Höhe von Kandia an. Ibrahim verlor eine Fregatte, 10kleine Kriegs-und 15 Transportschiffe; auch durch die Pest geschwächt, welche amBord der schiffe ausgebrochen war, zog er sich in die Häfen von Rhodos , wo erseinen in Europa wohl bekannten Admiral Ismail Gibraltar durch den Tod verlor.Sein Plan, Morea anzugreifen, war für dieses Jahr vereitelt.
Nach so ruhmvollen Anstrengungen der griech. Flotte störte die trotzige Ehr-sucht der Militairfaction abermals die Eintracht auf der Halbinsel. Als die Wah-len zu der dritten Regierungsperiode im Sct. ihren Anfang nahmen, bestand dergesetzgebende Rath zu Nauplia aus 63 Mitgliedern. Maurokordato« legte seineStelle als 'Präsident des Senat« nieder, die 'Panuzzo Notaras erhielt; Kolokotro-ni« und dessen Anhänger sielen bei der Wahl des Vollziehungsrathes durch. Dievorigen Mitglieder wurden bestätigt. Allein unglückliche Ereignisse hemmten dieThätigkeit der Regierung. In Nauplia entstand ein pestartiges Nervenfieber, anwelchem der Vicepräsidenl Botassis und Manuel Tumbasis starben; der PräsidentKonduriotis begab sich deßwegen nach Hydra. Zu gleicher Zeit brach im Nov. 1824ein Bürgerkrieg aus. Kolokotronis hatte der erneuerten Wahl des VollziehungS-raths öffentlich widersprochen und die Truppenbefehlshaber auf seine Seite gezo-gen. Sofort verließen die Generale Kanellas, Papaganopulos, Andreas Londos vndNotarapulos die ihnen aufgetragene Belagerung von Patras ; ihre Truppen
, *) S- daS Schreiben des Secrelairs RhodioS vom 12 ./ 21 . Auq. 1821 an §an-ning, und Canning'S Ancmortvom 1 . Oec. 1824, in der „Mgcm. Zeitung", 1825,Rc. gg.