verein zu erneuern und ihr Landrecht von dem Abbt nocheinmal beſtaͤtigen zu laſſen; allein was hilft Wahrheit undTreue einfacher Menſchen gegen die Liſt, Heuchelei undVerſchmiztheit unerſaͤttlicher Herrſchgier, welche ſtetswacht, die ſie einengenden Schranken bindungslos undmorſch zu machen? So oft ſchon hat es die Erfahrunggezeigt, und immer wird ſie bewaͤhren, was hier geſchah,die von dem Buͤrgerganzen unabhaͤngige Obergewalt ver-letzte den heiligen Eid des Vereins, untergrub nach undnach die Grundſaͤulen der Verfaſſung, und ſtrebte nachuneingeſchraͤnkter Willkuͤhr uͤber Knechte. Die LandleuteToggenburgs erfuhren von dem Jahr 1470 ſtete Angriffeauf ihre Freiheiten, verloren eine Gerechtſame naͤchſt derandern, anfaͤnglich unmerklich, in der Folge ganz offenund gewaltſam. Kaum zaͤhlten ſie 40 Jahre unter demneuen Scepter, als ſchon der Abbt es wagte, ſie ſeine Leib-eigue zu heißen und die Glieder des Volksraths zu er-
nennen. 1Inzwiſchen begann die fuͤr die Menſchheit im Allge-meinen uͤber alles wichtige Epoche der Reformation.Schnell verbreitete ſich die neue Lehre in Toggenburg, deralten Landſchaft, und drang bis ins Kloſter von St. Gallen .Im Jahr 1529 verlangten einige Moͤnche nebſt vielenUnterthanen von dem Abbte, ſeines Standes Be—gruͤndniß aus der heiligen Schrift klar zumachen, und den obwaltenden Beſchwerdenabzuhelfen. Die geforderte Beweisfuͤhrung mußte denSchriftgelehrten zu ſchwer ſcheinen, denn die ganzeMoͤnchsſchaar entfloh nach Schwaben . Augenblicklichtraten die Kantone Zuͤrich und Glaris zuſammen, ordne-ten fuͤr die Aebtiſchen Herrſchaften eine Regierung, undverkauften die Abtei der Stadt St , Gallen. Die Toggen-ö burger,