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2 (1802) Schilderung des Gebirgsvolkes vom Kanton Glarus und der Vogteien Uznach, Gaster, Sargans, Werdenberg, Sax und Rheinthal, des Toggenburgs, der alten Landschaft, der Stadt St. Gallen und des östlichen Theils des Kantons Zürich / von Johann Gottfried Ebel
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Werdenberger Thal herab, und waͤre dieſer kurze Stricherweitert und zum Fahren eingerichtet, ſo muͤßte Toggen-burg außerordentlich dabei gewinnen; allein bisher wider-ſetzten ſich der Eroͤffnung dieſer Straße die Privatvortheileder Nachbaren.

Eine kleine halbe Stunde hinter Wattwyl verließ ichdie gruͤnen lebendigen Wieſen des Thurthales, und folgtedem anſteigenden Wege, welcher durch den Hum mel-wald nach Uznach fuͤhrt. Wahrſcheinlich deckten ehe-mals dieſen ganzen Bergſtrich dicke Waͤlder, von denenietzt nichts mehr uͤbrig iſt als der Name. Meine Schrittebeſchleunigten ſich mit dem zunehmenden Grade der Lange-weile, welche mir dieſe magere eintoͤnige Gegend verur-ſachte, und vielleicht habe ich nie eine Meile in ſo kurzerZeit zuruͤck gelegt. Auf der Grenze von Toggenburg dichtam Wege ſteht die Herberge Bildhaus, und von dieſemPunkte aͤndert ſich auf einmal die ganze Natur. Der leb-loſe und truͤbe Hummelwald iſt ein trefflicher Hintergrund,auf welchem die herrliche und große Landſchaft mit doppel-tem Glanze ſtrahlt, und tauſendfach wird dadurch derlangweilige Weg belohnt. Ploͤtzlich oͤffnet ſich ein breites,langes und reiches Thal, deſſen mannigfaltigſte Reize denduͤſtern Wandrer empfangen, und ihm wetteifernd ihreGaben liebevoll darreichen. Vergeſſen iſt alles Truͤbe derdurchlaufenen Bahn, und das regbare Gefuͤhl lebt nur imhohen Genuſſe des Großen und Schoͤnen. Hier ſchlaͤngeltlieblich die Linth am Fuß des Schennisberges durchWieſengruͤn, da verbirgt ſie ſich hinter ſanften Buchen-huͤgeln, und dort ergießt ſie ihre unerſchoͤpflichen Gewaͤſſerin den untern Zuͤrichſee , auf deſſen ſchoͤnem Spiegel diezarten Bilder der Felſen, Berge und Waͤlder ſchwimmenuͤberall glaͤnzen Kirchthuͤrme und unzaͤhlige Wohnungen

zwiſchen