des Vermoͤgens eines Staats. 67
befuͤrchten darf, Jemand zu misfallen, und ſich da-durch Verfolgungen und Bedruͤckungen zuzuziehen.
§. 33.
Man muß hier unter dem vergnuͤgten Leben der Peſürrt undUnterthanen nicht zu viel verſtehen. Die Befriedi⸗ teit ezu 84gung der Leidenſchaften, und dasjenige, was etwa eine 85 Gluͤckſelig-
h 2 G leit zureichend.ungemaͤßiate Begierde zu ihrem Vergnuͤgenerfordert,gehoͤret ſo wenig zu einem vergnuͤgten Leben, daß esvielmehr in der Folge zu einem wirklichen Misvergnuͤ-gen gereichet, geſetzt, daß es in der That erhalten wird.
Die Natur iſt mit wenigem vergnuͤgt; und ein ver-nuͤnftiger Menſch kann in vollkommener Zufrieden-
heit leben, wenn er ſich der Nothdurft nach Beſchaffen-
heit ſeines Standes und ſeiner Lebensumſtaͤnde nicht—beraubet ſieht. Kann man ſich aber uͤberdieß noch dieBequemlichkeit verſchaffen; ſo hat man alles errei-
chet, worauf man mit einigem Grunde Anſpruch ma-
chen kann, und man hat alle Urſache, mit ſeinemZuſtande vergnuͤgt zu ſeyn.
Man kann naͤmlich die Lebensumſtaͤnde aller und——jed er Unter thanẽ in dreyerley Beſchaffenheiten einthei⸗ 828 752len. Einige haben nur die unumgaͤngliche Nothdurft,andere koͤñen ſich auch die Bequemlichkeiten des Lebensverſchaffen, und andere, wiewohl nur wenige, genießenden Ueberfluß. Dieſen letztern koͤnnen wir weder vonGott, noch von der Republik, mit Recht fordern. DieNothdurft aber muͤſſen alle Menſchen haben; und alleAbgaben, welche die Unterthanen bey einer ordentlichenLebensart und Wirthſchaft der Nothdurft berauben,ſind ungerecht. Auf die Bequemlichkeit haben gleich-falls alle Menſchen Anſpruch, aber nur in ſo weit, daßMittel in der Republik vorhanden ſeyn muͤſſen, wo-durch ſich jedermann, vermittelſt ſeines Fleißes undſeiner Arbeit, dieſelbe verſchaffen kann.
E 2§. 35.