eines Regenten. 75
und ſeinem wahren Vortheile gemaͤß, betragen will.Eine weiſe Regierung muß dennach den geſammtenStaat, und die darzu gehoͤrigen Laͤnder ihrer Er-ſtreckung, natuͤrlichen Beſchaffenheit und Lage, ihresReichthums, Fruchtbarkeit und Nahrungszuſtan-des nach, ſowohl, als die Geſinnungen und Nei-gungen der Unterthanen, auf das genaueſte kennen.Ja der Monarch ſelbſt muß die Faͤhigkeiten und Ei-genſchaften ſeiner vornehmſten Bedienten, und ande-rer angeſehenen Perſonen des Staats vollkommeneinſehen, wenn er anders einen weiſen Gebrauch da-von zu machen im Stande ſeyn will. Beſonders abermuß er die Schwaͤche und Staͤrke ſeines Staats, unddeſſen Maͤngel und Gebrechen wiſſen. Wenn er vondieſen allen genugſam unterrichtet iſt; ſo wird er ſichſowohl gegen andere freye Staaten kluͤglich, undſeinem wahren Vortheile gemaͤß bezeigen koͤnnen*),als auch, ſich und ſeinem Staate nicht mehr zutrauen,als deſſen wahren Beſchaffenheiten und Kraͤften ge-maͤß iſt; als worinnen ſich gar viel Regenten zuihrem nachher empfundenen Nachtheile gar ſehr ge-irret haben.
*) Da der Bewegungsgrund aller Staaten zu ihrenHandlungen auf das Intereſſe ankoͤmmt(§. 40.Anmerk.) ſo kann man ſich gegen andre Staatenunmoͤglich kluͤglich betragen, wenn man nicht die-ſes ihr Intereſſe zum Grunde aller Unterhandlun-gen und Maaßregeln mit ihnen legt. Wenn wirmit denenjenigen, deren Intereſſe dem unſrigenentgegen geſetzet iſt, nicht Krieg haben wollen;ſo iſt es leicht einzuſehen, daß wir auch unſer ei-genes Intereſſe nicht auf das hoͤchſte treiben duͤr-fen, oder wir muͤſſen ſolche Staaten uͤberredenkoͤnnen, daß ſie ſich den Widerſtreit des beyderſei-tigen Intereſſe zeithero faͤlſchlich eingebildet haben.Eben ſo kann die Freundſchaft zwiſchen Staatennicht dauerhaftig ſeyn, wenn man nicht die Ueber-einſtimmung und Befoͤrderung des beyderſeitigen
Intereſſe