eines Regenten. 77§. 45.
Ich kann hier das allgemeine Staatsſyſtem nicht vonn edemunerwaͤhnet laſſen, welches unter dem Namen des Syſteme desGleichgewichts von Europa bekannt iſt. Denn Eöwenn daſſelbe in der That gegruͤndet waͤre, ſo muͤßteein Monarch auch dieſes, und die Parthey, die erdarinnen zu ergreifen haͤtte, vollkommen kennen.Allein, ich vor meinen Theil halte ſolches vor eineErfindung der Gelehrten, welches einige Staatsleuteentweder aus Mangel der Einſicht, oder weil esihren Abſichten eben gemaͤß war, in den oͤffentlichenStaatsſchriften als bekannt angenommen haben*).Wenigſtens iſt es offenbar falſch, daß die freyenMaͤchte dieſem Staatsſyſtem gemaͤß verfahren.Wir haben faſt von allen Maͤchten Beyſpiele, daßſie ganz entgegen geſetzte Partheyen und Maaßregelnergreifen, als ihnen nach dieſem Syſtem zukommen.“Wir haben auch verſchiedene Maͤchte durch ihre klugeEinrichtung und Wirthſchaft zu eben einer ſolchenMacht gelangen ſehen, als diejenigen zwey Maͤchtebeſizen, welche das Gleichgewicht erhalten ſollen.Vielleicht wuͤrden wir alſo drey oder vier Waͤag-ſchalen von Europa annehmen muͤſſen. Der letztereund itzige Krieg hat auch genugſam gezeiget, daßes auf dieſes Gleichgewichte nicht ankoͤmmt. Alleswas in dieſem Syſtem geſundes iſt, beruhet auf denGrundſaͤtzen von der allzuſtark anwachſenden Machteines Nachbars, wovon wir bald handeln werden.Wenn aber dieſes Syſtem in der That ſtatt faͤnde,und befolget wuͤrde; ſo wuͤrde niemand wenigerUrſache haben dabey zu beharren, als das HausOeſterreich. Die Gruͤnde hiervon ſind in der Ge-ſchichte genugſam zu finden.
*) Der ſchwaͤchere Theil pfleget dieſes Syſtem gemei-niglich vor ſich auzufuͤhren. Als Kaiſer Carl derfuͤnfte