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auf den ſittl. Zuſtand der Unterthanen. 12
Se. gr-
Die Religion iſt unſtreitig der wichtigſte Theildes ſittlichen Zuſtandes der Unterthanen. Alleinein Regent wuͤrde ſehr irren, wenn er die Guͤte undWahrheit der Religion nach ſeiner eigenen beurthei-len, und dieſelbe durchgaͤngig in dem Staate einzu-fuͤhren ſuchen wollte. Wenn ſich ein Monarch zueiner Religion bekennet: ſo thut er ſolches niemalsals Regent, ſondern als eine andere Privatperſon,die der Ruͤhrung ihres Gewiſſens folget. Folglichmuß er dieſe Privathandlung niemals in ſeine Re-gentenpflicht einmiſchen. Als Regent, der ſeinePflicht verſteht und weislich ausuͤben will, muß erviejenige Religion allemal fuͤr wahr halten, und ſeineMaaßregeln darnach einrichten, die durch die Grund-geſetze und Verfaſſungen des Staats, oder durchdie Vertraͤge ſeiner Vorfahren eingefuͤhret iſt. Dieewige Gluͤckſeligkeit der Unterthanen iſt nicht unterſeiner Vorſorge begriffen. Dieſe hat ſich ein jederUnterthan ſelbſt vorbehalten. Der Endzweck derRepubliken iſt bloß auf die zeitliche Gluͤckſeligkeitgerichtet; und wenn der Regent auch gewiſſer maſ-ſen die moraliſche Gluͤckſeligkeit ſeiner Unterthanenzu befoͤrdern ſchuldig iſt: ſo iſt dieſes nur in ſo weitnoͤthig, als der ſittliche Zuſtand der Unterthaneneinen Einfluß in die zeitliche Gluͤckſeligkeit desStaats hat. Alle Regenten alſo, welche ihre Re-ligion in dem Lande einzufuͤhren, oder gar dem Landeaufzudringen ſuchen, uͤberſchreiten groͤblich ihrePflicht. Dieſes iſt nach der geſunden Vernunft ſooffenbar, daß es keiner weitlaͤuftigen Ausfuͤhrungbedarf. Wir wuͤrden in Gefahr ſtehen, daß wirunter jedem Regenten eine andere Religion anneh-men muͤßten, wenn der Monarch befugt waͤre, ſeinenGottesdienſt allgemein in dem Lande einzufuͤhren.
§. 92.
Auf was Artein weiſer Re-gent die Guͤteund Wahrheitder Religion be-urtheilen muß.