Man muß dieVerarmungdurch Ungluͤcks-
ten ſuchen.
284 Von dem Credite des Landes.
machen: ſo muß eine weiſe Regierung alle dienlicheAufmerkſamkeit anwenden, um ſie hinter den Deckenhervor zu ziehen, unter welche ſie ſich verbergen.
*) Es war ehedem in Wien eine recht verdammliche
Art des Wuchers eingeriſſen, die aber nunmehrdurch ſcharfe Geſetze abgeſchaffet iſt. Wenn naͤm-lich jemand, der keinen vollkommenen Credit hat-te, Geld brauchte: ſo nahm er bey einem Kauf-manne, oder Handwerker, vor zwey, drey und mehrtauſend Gulden Waaren aus, die zuweilen in ſeide-nen Zeuchen, in Tuͤchern, in feinen Spitzen, inWeinen, zuweilen aber auch in Kaͤmmen, Knoͤpfen,Schuhſchnallen und andern ſolchen Saͤchelgen be-ſtanden. Weil nun der Schuldner alsdenn dieſeSachen verkaufen mußte, um Geld zu bekommen:ſo ließ ſie der Kaufmann, oder Handwerker, der ſieerſt fein theuer angeſchlagen hatte, durch die Unter-haͤndler, die ſich mit ihm verſtanden, um ein Spott-geld wieder an ſich kaufen, ſo, daß gemeiniglich derSchuldner, der eine Schuldverſchreibung auf zweytauſend Gulden von ſich geben mußte, kaum vieroder fuͤnfhundert Gulden baar in die Haͤnde bekam.Diejenigen Wucherer, ſo noch billig ſeyn wollten,gaben halb baar Geld und halb Edelgeſteine um ei-nen ſehr hohen Preiß. Das heißt, deucht mich,den Wucher auf den hoͤchſten Grad getrieben.
§. 269.Die Ungluͤcksfaͤlle ſetzen oͤfters auch die ehrlichſten
Schuldner wider ihren Willen außer Stand, ihrefalle zu vechü⸗ Schulden bezahlen zu koͤnnen; dennoch wenn dieGlaͤubiger dadurch um ihr Geld kommen; ſo werdenſie ungemein mistrauiſch und furchtſam, und wollenaus großer Vorſichtigkeit uͤbermaͤßige Verſicherun-gen haben; dadurch folglich der Credit im Lande ſehrleidet. Es iſt demnach ſehr heilſam, wenn der Re-gent durch weiſe Anſtalten und Maaßregeln einesTheils ſolche Ungluͤcksfaͤlle verhuͤten und verringern,andern Theils aber den Verluſt auf viele eintheilen
kann,