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Das Bündner Oberland oder der Vorderrhein mit seinen Seitenthälern / von G. Theobald
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Und wo ich gewesen bin, habe ich seine Angaben vollkommen richtig ge-funden. Dass die neuere Wissenschaft jetzt manches anders benennt unddeutet, thut hier nichts zur Sache. Ohne gerade Botaniker und Zoologe zusein, gibt es auch in diesen Zweigen manche schätzbare Angaben, und wärendie von ihm gemachten Sammlungen nicht verschleudert worden, so würdenAndere aus diesem Material hinreichenden Stoff gewonnen haben, um überdas Oberland etwas Ausführlicheres zu geben, als man jetzt im Stande ist.

Seine Theorien über Gebirgsbildung und was damit zusammenhängtlaufen hauptsächlich darauf hinaus, dass die Alpen ursprünglich unter Wassergebildet worden seien, dann sich unter Einfluss unterirdischer Kräfte alsgrosse zusammenhängende Massen gehoben hätten, und dass dann Aus-waschung durch das Wasser ihnen ihre jetzige Gestalt gegeben habe. Diesführt er in den einzelnen Fällen immer sehr originell und scharfsinnig durch,so dass man, wenn man auch jetzt nicht mehr alles so ansieht wie er, immerhinsagen muss:der Mann hat Gedanken gehabt, wobei die Zusammenstellungder Thatsachen in der Regel so ist, dass man noch heute etwas daraus lernenkann. Eben so ist cs mit seinen Ansichten über Quellenbildung, Gletscher,Schnee der Alpen , meteorologische Beobachtungen und gar Vieles sonst,was damit in Verbindung steht.

Warum sind diese Sachen in Vergessenheit gerathen, so viele Anstren-gungen eines langen Menschenlebens, eines ungewöhnlich energischen Geistesvergeblich gewesen? Es scheint, als habe Spescha die Veröffentlichung wäh-rend seines Lebens gar nicht gewünscht, um nicht neuen Verfolgungen aus-gesetzt zu sein. Nach seinem Tode hatte Niemand mehr Interesse daran,und auch wenige wussten von der Existenz der geretteten Manuscripte.Diese hätten ohnedies einer Ueberarbeitung bedurft, da der Verfasser, inder Romanischen Sprache geboren und erzogen, das Deutsche nicht ganzfehlerfrei schrieb; aber zu dieser Ueberarbeitung gehörten wieder wissen-schaftliche Kenntnisse, welche die nicht besassen, in deren Händen dieSchriften waren, die übrigens doch von Andern ganz in der Stille benutztWorden sind. Ein Theil davon kam später in Besitz der historischen Ge-sellschaft von Grauhünden und war auch vergessen, bis Hr. A. v. Sprecherwieder aufmerksam darauf machte. Die geschichtlichen Abhandlungen be-halten natürlich ihren Werth, so wie auch die naturwissenschaftlichen, soWeit sie Thatsachen betreffen. Ueber Anderes, namentlich theoretische An-sichten, ist die neuere Wissenschaft hinweggeschritten, die Geologie hat eineandere Gestalt angenommen; Vieles, was vor 40 Jahren noch als Resultat'nühsamer Forschung ein höchst willkommener Gewinn für die Wissenschaftgewesen wäre, gehört jetzt zu den bekannten Dingen und hat nur nochgeschichtliche Bedeutung, so dass eine Veröffentlichung des Ganzen in seiner