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Das Bündner Oberland oder der Vorderrhein mit seinen Seitenthälern / von G. Theobald
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Würde natürlich dem Verkehr die Richtung gehen; denn schnelle Beförderunghat dieser von jeher gesucht, und in unsern Tagen ist sie wichtiger als jemals;diejenige Bahn, welche zuerst die Alpen durchbricht, wird den andern denBang ablnufen, und weil der Lukmanier mehr als ein anderer Alpenpassgeeignet ist, das grossartige Projekt in verhältnissmässig kurzer Zeit zu vol-lenden, hat er in unsern Tagen die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ge-zogen. Mancher unserer Leser hat sich durch die langen Zeitungsartikeldurchgearbeitet, um zu dem Resultate zu gelangen, dass diese alle nur Va-riationen über das Thema sind, die Lukmanierbahn sei sehr wichtig, es gebeaber ausserdem noch Pässe über den Gotthard, Splügen , Seplimer u. s. w.,und wird nicht ungern erfahren, wie es da oben denn eigentlich aussieht.Wir betrachten also zunächst das Medelser Thal in seiner jetzigen Gestalt,und kommen dann später auf die Eisenbahn zurück.

Das Medelser Thal, welches der Mittelrhein durchHiesst, ist von dessenMündung bei der Burgruine Castellatsch auf der Landzunge unterhalb Disentis bis zum Hospiz St. Maria am Fuss des Lukmanierpasses, 5 Stunden lang undsetzt dann in der ursprünglichen Richtung bis zur Passhölie des Lukmaniersfort, die man von da in eiuer guten halben Stunde erreicht. Die westlicheweit längere Fortsetzung ist Val Cadelim, in welcher der Mittelrhein eigentlichentspringt.

Man kann von Disentis aus auf zwei Wegen in das Thal gelangen. Dereine ältere ist jetzt wenig mehr im Gebrauch und war wenigstens vor kurzerZeit noch durch Vernachlässigung fast ungangbar geworden. Er folgt demMittelrhein und führt an zwei prachtvollen, durch Wasserfülle ausgezeichnetenFällen vorbei. Nachdem man die Schlucht verlassen hat, kommt man baldnach Curaglia, dem Hauptort des unteren Thaies. Der andere Weg geht ander alten Kirche St. Agatha vorüber nach dem Vorderrhein, der hier in einertiefen, von Tannen beschatteten Schlucht fliesst. In vielen Windungen steigtder Pfad durch den Wald hinauf nach dem Dorf Mompd Medels, das am Endedes Rückens Vergiera, 1278 M., liegt. Von da aus hat man eine herrlicheAussicht auf Disentis und das Rheinthal, die Berge, welche es einschliessen,Und auf die Eismassen des Medelser Gletschers, die gerade gegenüber sichun den hohen Gebirgsstock anlehnen, und ihn auf dieser Seite ganz umhüllen.An waldigen Höhen hin umgeht dann der Weg die vorspringende Ecke desBerges und wie wir ins Freie treten, breitet sich vor uns das Medelser Thala us. Es ist ein weites Alpengelände, das sich stufenweise langsam erhebt,ui Ganzen mit geringer Steigung. Wiese und Feld wechseln in dem vordemThal ab; denn, obgleich es weniger geschützt als Tavetsch und daher rauhund windig ist, zieht man noch Getreide, Flachs, Hanf, Kartoffeln, Rüben* dgl,, die höheren Thalstufen aber gestatten blos Alpenwirthschaft. Aber