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Das Bündner Oberland oder der Vorderrhein mit seinen Seitenthälern / von G. Theobald
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gekommen sein können. Der wilde Eber, auch ehemals einheimisch, istlängst verschwunden, dagegen will man in einer kleinen zahmen Ra^e, dieneben andern im Oberland, besonders in den Seitenthälern, gehalten wird,die Abkömmlinge des Torfschweines erkennen, dessen vorhistorische Restesich in den Pfahlbauten gefunden haben. Bär und Luchs sind selten ge-worden, finden sieb aber noch einheimisch in entlegenen Wäldern und Fels-klüften der Seitenthäler. Auch die eigentliche Wildkatze, nicht zu verwech-seln mit der verwilderten Hauskatze, von der sie specifisch verschieden ist,kommt nicht mehr vor, oder ist doch höchst selten geworden. Von Wölfen hatman lange nichts gehört; ehemals gab es deren viele, und noch jetzt findensich welche in den Tessiner Gebirgen; es ist aber der Wolf auch eigentlichkein alpines Thier, sein liebster Wohnort sind niedrige aber felsige Gebirge,wo es im Winter nicht allzu kalt wird lind selbst von da kommt er gerne indie Ebene herab, sobald oben Schnee fällt. Daher hält er sich am Südabhangder Alpen , während man ihn auf der Nordseite ausrotten konnte. Dagegenhat sich Reinecke Fuchs, trotz aller Verfolgungen, im ganzen Lande zu erhaltengewusst. Dachse kommen einzelne vor, häufiger die beiden Marderarten, derIltis, das Hermelin (Mustela Erminea ), mit eben so schönem weissem Pelz alsdas nordische, das kleine Wiesel und der sehr unbeliebte Fischotter, der dieohnedies immer seltner werdenden Fische in manchen Waldwassern fast aus-roltet. Ein sehr harmloses Leben führt dagegen der Alpenhase, Lepus varia-bilis, im Sommer grau, im Winter schneeweiss, auf den Alpenweiden undan der Grenze der Waldregion. Unten im Thale gibt es auch gewöhnlicheFeldhasen, und wo beide Arten Zusammentreffen, da entsteht oft eine sonder-bare Bastard form zwischen beiden, die sich nicht weiter fortzupflanzen scheint.Häufiger als jetzt waren sonst die Murmelthiere, ein munteres, drolliges Ge-schlecht, dessen Treiben man nie ohne grosse Ergötzung zusieht, wenn manim Stande ist, die Thierchen in der Nähe zu beobachten. Auch ihre Zahlist durch unbarmherziges Jagen und besonders durch das Ausgraben im Herbstso heruntergekommen, dass sie in manchen Thälern ganz verschwunden sind.Von Mäusen kommen die gewöhnlichen Arten vor, die Hausratte, Mus rattus,jedoch nicht überall, die Wanderratte findet sich überhaupt nirgends in Grau­ bünden , die Wasserratte, Hypudaeus amphibius, ist mir noch nirgends vor-gekommen. Dagegen erstaunt man, auf Höhen von nahe an 3000 M. aufdem Boden unter dem frisch geschmolzenen Schnee labyrynthische Gänge zulinden, die offenbar von Mäusen herrühren, welche hier unter der schützen-den Decke von Alpenkräutern und deren Samen und Wurzeln ohne Winter-schlaf leben. Verfolgt man die Gänge, so kommt man zu einem rundenNesteben aus zerkauten Grashalmen, welches der Wohnsitz der Maus wäh-rend des Winters war. Es ist dies die Schneemaus, Hypudaeus nivalis; es