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Das Bündner Oberland oder der Vorderrhein mit seinen Seitenthälern / von G. Theobald
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scheint aber noch einige verwandte Arten zu geben, die noch nicht hinreichenduntersucht sind. In Tavetsch und den Seitenthälern findet man auch die Alpen-spitzmaus Sorex alpinus.

Sehr zahlreich sind die Vogelarten und zwar sowrnhl einheimische als Zug-vogel, welche über die Pässe ihren Weg nach Süden nehmen. Leider abervermindert sich die Individuenzahl der einheimischen Vögel von Jahr zu Jahr.Bekanntlich nehmen die Buben überall Nester aus und machen ihre erstenJagdversuche an Vögeln und zwar an Grasmücken, Finken u. dgl, weil dieseweder sehr scheu noch sehr pfiffig sind und daher leicht dem jugendlichenBlutdurst zum Opfer fallen. In der Nähe der Städte gehen die Sonntagsjägerauch w'ie die Neuntödter von dem Grundsatz aus, man müsse, wenn maneinmal auf die Jagd gehe, doch etwas umgebracht haben. Dies alles ist imOberland weniger der Fall, als an vielen andern Orten, und doch vermindernsich die Vögel, besonders die kleinen Insektenfresser und Kaupen, Käfer etc.nehmen in eben dem Masse zu. Der Hauptgrund liegt unstreitig darin, dassdiese Thierchen auf der Italienischen Seite der Alpen auf alle mögliche Weiseweggefangen werden, wenn ihr Zug sie durch diese verderbliche Gegendführt. Ich glaube aber noch einen Grund in der Verminderung des Laub-holzes zu finden. Es gibt eine Menge Vögel, die vorzugsweise auf diesemihre Nahrung, die Insekten suchen, andern bieten alte Laubholzbäume dieAstlöcher, Welche ihnen zum Nisten absolut nöthig sind, und die sich an Tan-nen bekanntlich fast gar nicht finden, wieder andere nisten auf alten Bäumenund jungem Gebüsch, und nehmen sehr ungern und theilweise gar nicht mitNadelholz vorlieb. Es ist sehr merkwürdig, dass sich einige Meisenarten inErmangelung von Baumlöchern entschlossen haben, in Erdlöchern zu nisten,was ich ausserdem noch niemals gefunden habe aber nicht alle Vögelbesitzen dieses Accommodationsvermögen, welches gewiss eine von dem be-liebtenInstinkt, wie man die geistigen Fähigkeiten der Thiere zu titulirenbeliebt, ganz verschiedene Ueberlegung beurkundet. Mit dem Fällen der altenBuchen- und Eichenwälder verlassen daher die meisten das Land, das ihnenkein Obdach für ihre Jungen mehr bietet. Das freilich für ökonomische Zweckeunvermeidliche Zerstören von Hecken und Gebüschen in den Feldern, trägtaus demselben Grunde auch zur Verminderung der kleinen Vögel bei.

Ein vollständiges Verzeichziss sämmtlicher Oberländer Vögel mit An-gabe derer, welche dort brüten, und mit Einschluss der Zugvögel existirtbis jetzt nicht und wäre eine verdienstliche Arbeit, selbst wenn es sich aufeinzelne Ort- und Thaischalten beschränkte. Wir beschränken uns hier aufAngabe einiger den Alpen eigenlhiimlicher Arten, deren Beobachtung na-mentlich den Fremden interessiren wird. Die Raubvögel sind stark vertretenund zwar in den grössten wie in den kleinsten Arten. Der gewaltige Lämmer-